2012 wird ein tolles Jahr – auch wegen dieser Top-Acts: Skrillex, Feist, Springsteen & Coldplay
Na dann, noch ein Frohes Neues Jahr an alle Leser, Follower, Freunde, Fans und Freaks! Auf dass aus dem neuen Année eine legendäre Partey entsteh. Dabei helfen uns internationale Top-Acts, die in diesem Jahr nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz kommen. Vier davon haben wir uns ausgesucht, um sie als 2012-Konzert-Tips vorzustellen: Skrillex, Feist, Bruce Springsteen und Coldplay.
Skrillex kommt nach Berlin! Der neue Superstar am DubStep-Himmel wird brettern, was das Zeug hält. Crazy Basslines und stampfende Bässe sind zu erwarten. Als jahrelanger Partner von Deadmau5 kennt sich Skrillex bestens im internationalen Musikgeschäft aus. Also, ick gloob det kiek ick mich an!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
https://www.hekticket.de/tixor/.bin/index.cgi?tid=2071791202242000
Reno, besser bekannt als KTH hat bereits seine Karte und wird mit Antekk, Jule & A-Xeet [Ex-MaschinenMafia] zu dem Tanzvergnügen pendeln.
Hier KTHs Top-3 der Skrillex-Tracks:
1. SKRILLEX vs Noisia – Scary Monsters And Nice Sprites
2. SKRILLEX – My Name Is Skrillex
3. Korn feat. SKRILLEX– Get Up
(Skrillex – My Name Is Skrillex)
Die experimentelle, aber dennoch kommerziell erfolgreiche Songwriterin Leslie Feist („My Moon My Man“) kommt nach Austria – und zwar im März! In Wien wird Sängerin Feist ihre Fans begeistern und Kenner anspruchsvoller Musik in den Bann ziehen. Die kanadische Ausnahmekünstlerin hat grade ihr viertes Studio-Album „Metals“ veröffentlicht. Na, wenn i Zeit find, dann geh i da hin!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
http://www.viennaticketoffice.com/feist-tickets-133547l1167866-de.html
Bruce Springsteen beehrt die Schweiz! Mit seiner E Street Band wird Springsteen, einer der Paten des Rock’n’Roll die Metropole Zürich zum Kochen bringen. Von Jung bis Alt – seine Fangemeinde ist groß und generationenübergreifend. Viele erinnern sich jetzt vielleicht an ihre Jugend, an die durchwachten „Nächte mit den Springsteen-Platten“ (Casper). Wer hat’z erfunden? Wir Schwytzer zwar nich, aber feiern ch-können wir schon, ch-glaub’z uns!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
http://www.ticketcorner.ch/bruce-springsteen-the-e-street-band-tickets.html?affiliate=TCS&doc=artistPages%2Ftickets&fun=artist&action=tickets&erid=665270
Coldplay spielen in München! Das Konzert gibt’s im September. Coldplay ist die vermutlich gesündeste Band der Welt. Leadsänger Chris Martin ökologisch und sozial aus tiefstem Herzen engagiert und bereits seit Jahren mit Schauspielerin Cameron Diaz verheiratet, ohne dass die Klatschpresse was zu berichten hat. Das Paar ist einfach zu treu und verzichtet auf Starallüren. Am 12. September kommt die erfolgreiche Combo mit ihrem gigantischen Sound nach München. Zwei Tage später spielt die Mega-Band in Leipzig in der Red Bull Arena (14. 09. 12). Doch zuvor sind sie im Stadion des FC Bayern München. Also, Burschen! Auf geht’s! Do Gemma hin!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
http://www.ventic.de/catalog/index.php?cPath=1909
Hast DU weitere Konzert-Tips für 2012?
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(Infos & Tickets zu Skrillex LIVE! @ Berlin)
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(Infos & Tickets zu Feist LIVE! @ Wien)
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(Infos & Tickets zu Bruce Springsteen & E Street Band LIVE! @ Zürich)
http://www.ventic.de/catalog/index.php?cPath=1909
(Infos & Tickets zu Coldplay LIVE! @ München)
Portrait: Vom “Emo-Rapper” zum Rocker? -
Oder: Die vielen bunten Facetten eines deutschen Spitzen-Musikers


Wie ein Paukenschlag: Rapper Casper stieg im Juli 2011 sensationell von 0 auf 1 der deutschen LP-Charts mit seinem aktuellen Album „XoXo“. Alle waren saumäßig überrascht: Fans, Hater, Musik-Kritiker, Rap-Kollegen – und nicht zuletzt Caspers Band, das Management; sein Label sowie der 29-jährige selbst.
http://www.youtube.com/watch?v=iybDeTHSJ_U
(Casper im Interview für ein Schweizer Magazin: „Als es dann rauskam, da war’s einfach absurd!“)
Casper ist einer der kontroversesten, einer der umstrittensten und gleichzeitig musikalisch vielfältigsten HipHop-Akteure in unserem schönen Lande. Obwohl seine Nummer1-Platte erst das zweite richtige Album von Casper ist, hat er schon seit 2003 umtriebig in Sachen Rap und bei zahlreichen EPs, Rap-Collabos und Mixtapes mitgewirkt. Ebenso zog er seit Jahren von Label zu Label, war u. a. bei Selfmade Records aktiv. Seit einem Jahr steht Casper nun bei Four Music, der Plattenfirma der Fantastischen Vier unter Vertrag – deren Leitung sich natürlich auch wahnsinnig über den Charterfolg des „Neuen“ gefreut haben muss. Und Casper meint sinngemäß, dass es nun endlich geklappt habe: Zum allerersten Mal müsse er heute nicht mehr bereits nach seiner ersten Veröffentlichung den neuen Labelbossen den finanziellen Flop erklären und zukünftigen Erfolg versprechen.

Die deutsche HipHop-Szene nimmt Casper recht widersprüchlich wahr. Für die Einen ist er genial, für die anderen ein nichtssagender Pseudo-Rapper. Mir persönlich kam Casper erstmalig 2009 zu Ohren, beim Über-Track von Selfmade-Records-Hausproduzent Rizbo: „Mittelfinger Hoch“, Casper gemeinsam mit Deutschlands Rap-Größen Favorite und Kollegah. Hier brandete ein knallharter, dreckiger und punk-mäßiger Casper-Rap über neuzeitlich-elektronische Beats in meine Gehörgänge. Mein guter Freund und Musikkenner Reno kommentierte sofort: „Mensch, der klingt mit seiner verrauchten Stimme ja schon wie so‘n Punker!“ Recht hatte er. Bereits damals wusste ich, dass Casper nebenbei noch in einer Punk-Band sang. Mein Interesse für diesen mehrdimensionalen Künstler war geweckt und mein voreiliges subjektives Fazit über Casper schien damals klar: Hardcore-Rapper, der nebenbei noch Rockmusik macht.
Doch dieses Schubladen-Denken funktionierte nicht, wie Denken in Schablonen nie aufgeht. Natürlich hat Casper jede Menge aggressive Rap-Tracks gemacht (so z. B. mit Montana Max oder Shiml). Aber eben auch jede Menge Storytelling-Raps mit Tiefgang abgeliefert (z. B. mit Prinz Pi oder Abroo) – wie ich später herausfinden sollte. Für mich als traditionell offenen, genre-überfliegenden Musikfreund war die Integration Caspers in so unterschiedliche Bereiche kein Thema. Für eine Vielzahl von deutschen Rap-Fans war diese scheinbare Paradoxie jedoch der Aufhänger, Casper als „Emo-Rapper“ zu bezeichnen. Auf diesen Zug sprang auch Fler in einem Gespräch mit Visa Vie von 16bars.de auf.
http://www.youtube.com/watch?v=6jHbHDsie4Q
(Fler disst Casper)
Vielen eher eindimensionalen Rapfreunden passt nicht das „Image“, das sie in ihren Köpfen von Casper haben: Einerseits seine total brutalen Rap-Parts, scheinbar konträr dazu sein total freundlich- sympathisches Auftreten bei Interviews – und dazu hin und wieder Raps über die großen Fragen des Lebens. Ein weiteres Beispiel dafür, wie das Zu-Wichtig-Nehmen von gedanklichen Konzeptionen die individuelle Wahrnehmung der Welt beeinflussen kann:
„Hä?? Erst harter Rap, dann Emo, jetzt Rock? Casper geht ja mal gaaar nicht!“ – wäre eine Variante von zu starrer, negativer Interpretation.
Eine positive Sicht der gleichen Sache klingt so: „Wow! Geht ab, der kann ja alles, das Casperlein! Und rockt deshalb auch die Charts so fein!“

Grade mit seinem neuen Sensations-Werk „XoXo“ wollte Casper ja Musik-Grenzen überschreiten, aufbrechen und neue Möglichkeiten der Verbindung zwischen Rap und Rock ausloten, wie der Fan von Arminia Bielefeld im Vorfeld des Albums mehrfach angekündigt hatte. Der kurzzeitige Pädagogik-Student Casper betonte immer wieder, er wolle mit seiner Band keinen herkömmlichen Cross-Over, sondern etwas völlig Neues machen.
http://www.youtube.com/watch?v=zwdYlqTvYxM
(Casper im Interview mit RapSpotTV beim SPLASH 2010 in Ferropolis)
Meiner Meinung nach ist Casper das Aufbrechen musikalischer Schranken allemal und sehr überzeugend gelungen. Die meisten Tracks auf „XoXo“ zeichnen sich durch eine Power aus, die sowohl mitreißen, zum Tanzen oder zum Nachdenken anregen kann – und Elemente aus Rap, Rock, Punk, Electro, Synth-Rock und Techno stilsicher und kohärent vereint. Einige Kommentatoren ordnen Casper bereits einer „neuen Generation von Künstlern“ zu.
ZEIT-Journalist Thomas Winkler schrieb: „XOXO ist tatsächlich ein Befreiungsschlag, der dem Sprechgesang neue Regionen erschließt, indem er altes Lagerdenken konsequent ignoriert.“
Natürlich bleibt der Musikstil Caspers eine persönliche Geschmackssache. In meinem Umfeld mag nicht jeder diesen Stil. Hier vornehmlich die Leutz, die mit Rap eher nix am Hut haben. Nicht wahr, Sensorik-Man? Muss man halt verstehen. Hier nun meine ganz subjektive Bewertung des Albums: Mein persönlicher Favorit auf der Platte ist Auf und Davon: Ein Mammut-Werk, ein Riesen-Ding mit Chören, rockigen Gitarren und treibendem Beat. Dazu der deepe Rap von Casper zum Alltagsleben aus philosophischer Sicht: „Alltag ist Treibsand, du steigst ab, je stärker du trittst.“ Finde die Album-Version der Single-Auskopplung So Perfekt (feat. Marteria) nicht so prall, sondern den Radio Edit viel geiler. Die Single ist für mich bisher eine der besten Connections zwischen Rock, Rap und glasklaren Techno überhaupt. Zuerst ein sehr verspielter Break über einen drallen Layer. Casper beginnt zu flowen, im Hintergrund fetzen die Gitarren-Riffs. Dann der Refrain: „Du strahlst, Du scheinst!“ – unterlegt von einem sauberen 4/4-Megabeat. Als Highlight dann der „so perfekte“ E-Gitarren-Tune. Wieder Break, Neuanfang. Oh Yeah! Das Grizzly Lied überzeugt nicht nur durch coole Lyrics, sondern brennt auch musikalisch einiges ab. Ganz ehrlich: Erinnerungen an Autechre und AFX kamen auf, als ich das Stück erstmalig vernahm. Wie es beginnt, mit dieser verträumten Synthie-Line. Dann ein sagenhafter Aufbau wie aus dem Lehrbuch. Darüber die animierende Rock-Stimme Caspers, die autobiografische Einblicke aus seinen Kindertagen in Amerika vermittelt. Von Kontrolle/Schlaf gibt es 2 Versionen, beide sind extrem geil und bereits jetzt als zeitlose Meisterwerke zu bezeichnen. Die Album-Version mutet elektronischer an, der Hammer sind natürlich die (digitalen oder analogen?) Violinen-Strings, die anstelle eines gesungenen Chorus das Lied auf höhere Sphären heben. Die auf Youtube zu findende live eingespielte Proberaum-Version fokussiert mehr auf die rockigen Gitarren-Arrangements und lässt sich mehr Zeit für die Dramaturgie.
Wie bei fast jedem Album, gibt es natürlich auch schwache Lieder. Persönlich konnte ich am wenigsten mit folgenden Tracks anfangen: Was bei anderen Albumtiteln noch funktioniert, verliert sich bei 230409 nur noch in einer Endlosschleife aus lahmen Beats und langwierigen Raps. Das Stück scheint mir etwas zu uninspiriert. Blut sehen zeigt wieder den brutal stylenden Casper. Dreckige, düstere Beats und aggressive Raps gibt’s hier. Produktionstechnisch natürlich gut gemacht, aber reißt mich nicht mit.Meine Freundin hat grad bemerkt, dass sie den Song XoXo (feat. Tomte-Sänger Thees Uhlmann) feiert. Na ja, nach mehrmaligem Hören geht er schon gut ab – und hat immerhin einen kurzen geilen Electro-Part am Ende anzubieten. Insgesamt gesehen jedoch überzeugt Caspers No. 1 Album voll und trotzt allen Kritiken – und stand damit zu Recht auf dem Thron der deutschen Charts im Sommer.
„Der Sinn des Lebens ist Leben, das war‘s.“
(Casper)
Wie findest DU Casper?
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von A. Boos (DiSTrActeD B)

http://rock.ednetz.de/kuenstler/casper.html
(Kurze Casper-Biografie)
http://www.youtube.com/watch?v=iybDeTHSJ_U
(Casper Interview 1)
http://www.youtube.com/watch?v=zwdYlqTvYxM
(Casper Interview 2)
http://www.youtube.com/watch?v=6jHbHDsie4Q
(Fler disst Casper)
http://vimeo.com/26510897
Casper – Auf und Davon (Album Version)
http://www.youtube.com/watch?v=RSGWw-WhY8o
Casper – Kontrolle/Schlaf (Proberaum Edition)
Globale Top-Acts & profane Tonausfälle

MOBY – SWEDISH HOUSE MAFIA – CARL COX – CHEMICAL BROTHERS
ELLEN ALLIEN – ANTHONY ROTHER – JOHANNES HEIL – RICARDO VILLALOBOS
EXTRAWELT – GREGOR TRESHER – FOSS & STOXX – DJ RUSH – BOOGIE PIMPS
NEO LECTRO – FREYMANN – ATCON CLANK – C-STYYLE
Ein subjektiver Festival-Bericht: Freakmuzik-Reporter DiSTrActeD B @ SMS 2011!
Ja, ja. Hmm. Ja. Hä, was? Ach so, Schreiben? Äh, ja … Hmm, gar nicht so einfach nach dem vielen Tanzen. Waaas? Es ist schon Septermber?!!? Ok, gut, na gut dann. Jetze aber mal los.
Ja ja, Hmm. Und schon wieder ist ein weiteres grandioses SMS-Festival vorüber. Das mittlerweile 15. SonneMondSterne-Festival fand auch in diesem Jahr am 2. August-Weekend in Thüringen an der Bleilochtalsperre bei Saalburg statt. Nun sind – die Thüringer Behörden freuen sich sehr darüber – auch die letzten Zelte und Autos von den Hängen der wunderschönen Naturlandschaft zurück in den Treibsand namens Alltag verschwunden.
Wo sind die elektronischen Klänge hin? Wo ist die Atmosphäre geblieben? Gab es jemals ein Festival? …
Nun, wenn man den Erinnerungen von über 30000 (in Worten: dreißigtausend) Tanzwütige Glauben schenken darf, dann: JAAAA!!!
Auch in diesem Sommer hatte das SonneMondSterne – Festival einiges zu bieten: Internationale DJs und Music-Acts neben kleinen aber feinen Insider- und Underground-Größen. Und auch technische Pannenserien. Dazu später mehr.
Erstmalig gab es ein offizielles Party-Musik-Zelt namens „Music Camp“ draußen bei den Schlaf- und Parkplätzen. Organisiert von der Freakmuzik-Crew in Kooperation mit
Schalldruck-Music http://www.schalldruck-music.de
sYnonYm records http://www.facebook.de/synonymrecords
Beatcase-Booking http://www.facebook.de/BeatcaseBooking
Kreucht & Fleucht
Toyaner Entertainment
beschallten wir auf der Park- und Zeltplatzanlage die Massen. „Nun, wir haben gut gerockt und die tanzenden Partyleute mit frischen Beats versorgt“, kommentierte später Mit-Organisator Martin Hollwitz alias Neo Lectro, Begründer von freakmuzik.net. Mal sehen, was daraus wird: Immerhin haben ja auch die heute sehr bekannten SMS-Acts Brandenburg Allstars als Zeltplatztruppe begonnen.
Mit am Start waren beim „Music Camp“ von der FM-Familie die Artists Neo Lectro, Freymann (aka Kay Ca Phono), Atcon Clank, C-Styyle u. v. m. Zudem noch weitere bekannte Namen wie Kevin Lundershausen oder Magru.
Und natürlich DiSTrActeD B, meine Wenigkeit … (Nadel springt von der Platte) … Äähm, nee, ich war überhaupt gar nicht dabei. Obwohl ich am Freitag in der Früh noch mein Netbook eingepackt hatte, nachdem Neo mich telefonisch um eine ganz spontane Live-Act-Session gebeten hatte.
Denn ich ließ mein Set auf dem Music Camp sausen, um die volle Festival-Breitseite und die dazugehörige DJ-Elite zu genießen.
Zum SMS gefahren bin ich mit Sven alias SDfromheaven und Hue Gene, zwei sehr guten Freunden, mit denen ich auch schon 2010 in Saalburg abgedanct hatte. Eine coole Sache war auf jeden Fall das Angebot unserer Augsburger Nachbarn, uns ihr Zelt „zu leihen“. Da wir vor lauter Vorfreude die Zeltstangen und Heringe mal einfach so vergaßen. Danke noch mal, Jungs! (FC Augsburg Olé!) Ich hatte natürlich wieder kein eigenes Zelt und keinen Schlafsack mit – was schon Tradition auf meiner Festival-Odyssee seit 2005 hat. So musste ich alle Nächte im Wigwam unter einer für mich viel zu kurzen Iso-Matte als quasi Schlafdecke verbringen. Was manchen SMS-Besucher, der in unser Zelt schielte, zu schönen Lachausbrüchen um 7 Uhr morgens veranlasste. Hihi!
Wir trennten uns am Freitagabend, Hue Gene verbrachte die ganze Nacht im DrumAndBass-Zelt. Sven und ich, wir frönten dem straighten, aber druckvollen Beat. Im letzten Jahr hatten wir noch mit Paul von http://www.erwischt.org , Basti & Co dem smoothen Muna-Minimal-Zelt häufige Besuche abgestattet. In diesem Jahr hieß es: „Voran!“ Beginnend mit DJ Rush. „Zum langsamen Eintanzen“, wie Sven ironisch meinte.
Dann ging es weiter wie geplant zu Anthony Rother. Obwohl Rother ein bekannter Artist bei Cocoon Records ist, ließ er Johannes Heil den Vortritt im Cocoon-Zelt und spielte daher zeitgleich im Dusted-Decks-Tent. Beziehungsweise wollte spielen. Denn Rothers Gig verzögerte sich um mehr als mindestens eine halbe Stunde, da sich soundtechnisch so lange nix bewegte. Die Partymeute feierte trotzdem, machte eigene Rhythmen mit leeren Cola-Flaschen und Händeklatschen. Nur Sven und ich, wir starrten uns grinsend an: „Na, kriegt ihr’s hin??!“ Besonders ich fragte: „Hmm, wieso haben sich denn kurz vorher noch bei Foss & Stoxx die Vinyls gedreht? Sind doch dieselben Turntables?“ Irgendwann gingen wir dann, ab ins Cocoon-Zelt zu …
Ricardo Villalobos: Was ein geiles Set! Nicht zu derbe, aber immer schön groovend. Ab und zu extrem verspielt, dann wieder etwas böser – aber immer tanzbar. Der schlanke Ricardo ging im weißen Unterhemd fett ab. Eine mir unbekannte Platte ging ebenso übelst ab. Und nach circa 3 Minuten schrie Sven mir ins Ohr: „Ey, Mann! Die Platte hat nicht mal ne Kick-Drum. Und rockt trotzdem wegen der krassen Bassline!“ Oh ja, genau. Was für eine Produktion!
Jenes Villalobos-Set unterbrachen wir dann kurzzeitig. Um Moby, DEN Top-Act des SMS 2011 zu hören. Doch extrem dicker Regen vermieste uns die Stimmung auf der unüberdachten Mainstage-Tanzfläche. „Komm, wieder zurück zu Ricardo!“, hieß es dann schnell. Unsere Augsburger Freunde meinten am nächsten Tag: „Also Moby war schon cool. Spielte viele seiner Chart-Hits. Und als der Regen nachließ kam dann: ‚It’s Raining Again‘!“ Egal, weiter tanzen.
Und zwar bei Caaaaaarl Cox: Ja, Carl Cox war schon ein deftiges Tanzerlebnis: Ich war total platt nach seinem 2 Stunden Stakkato-Gig. Ohne Pause, immer weiter …immer weiter … imm … er … wei … ter …
(Coxische Klänge: Carl Cox lässt die Schwarte krachen!)
Den perfekten Absacker lieferte uns dann Gregor Tresher. Er ließ kraftvolle, aber auch teilweise harmonische Prog-Tech-Klänge vom Stapel. Und tanzte sich dabei tierisch ein. Der Masse und uns gefiel’s. Auch wenn ich nur noch platt an einer Kippe zog, gegen das Metallgeländer gelehnt, mit dem Kopf nickend.
Ja, ich bin auf meinem Weg. Auf dem Weg zum „Music Camp“ meiner Freakmuziker. Ganz ehrlich: Ich hab’s nicht gefunden! Bei all den Feierleuten, Autos, Pickups, LKWs, Zelten, Stühlen, Tischen, Bierfässern, Flaschen, Dosen, Soundanlagen, rumpelnden Bässen hab ich’s nicht gefunden. Dafür aber sehr nette Leute aus dem Harz, aus Österreich und der Schweiz kennengelernt. Na ja, und ne schöne Sommer-Rodeltour auf der Bergspitze mit Hue Gene gab es auch noch.
(Wo bitte geht’s hier zum „Music Camp“?)
Die Nacht begann mit Ellen Allien. Die Berliner Techno-Queen rockte gewohnt auf hohem Niveau. Der Grundstein war gelegt.
Danach ab zu den Chemical Brothers, eine meiner persönlichen Enttäuschungen des Festivals. Das Duo spielte ein 90er-Retro-Set, in dem ab und zu Elemente ihrer großen Hits wie „Hey Boy Hey Girl“ oder „Star Guitar“ aufblitzten. Jedoch haute uns dieses Angebot überhaupt nicht vom Hocker.
Etwas geerdet suchten wir unser Tanzglück bei Extrawelt, die fast schon Chill-Out spielten, angesichts unserer bisherigen temporeichen Ausflüge. Doch Extrawelt begeisterte mich wie eh und je mit ihren innovativen Sounds. Nur war das Klima im Zelt so derbe feucht und heiß, dass es mich irgendwann nach draußen verschlug. Frische Luft tat gut. Die im Wasser stehende Buddha-Statue am Strand inspirierte mich zu einer kleinen Mini-Meditation, eine seelische Pause die recht passend war bei all dem bunten Treiben.
Meine Aufmerksamkeit verstärkte sich danach wieder ungemein. Nun war es soweit: Die aktuell stark angesagte Swedish House Mafia (Axwell, Steve Agnello, Sebastian Ingrosso) fing an zu spielen. Sie startete den Auftritt mit ihrem eigenen Remix der letzten Coldplay-Single … und dann wieder „Knack!“ Kein Sound mehr, wieder ein Tonausfall. Und das auf der Mainstage! Ich sah die schemenhaften Umrisse des schwedischen Trios nervös auf die Arbeitsfläche schauen, rumbasteln, hektisch rumfummeln. Doch als der RMX Sekunden später von Neuem ertönte, fingen alle wieder wie wild an zu tanzen, als ob es nie eine Unterbrechung gegeben hätte. Das nenn ich mal im JETZT leben
Die Boogie Pimps bildeten meinen ganz persönlichen Abschluss mit einer sauberen Show.
Sie kamen mir alle vor wie Kinder im Kreis. Freiwillig Gefangene in einer Zeitschleife, in einer Dance-Zeitschleife. Sie kannten kein Ende mehr, immer weiter um sich selbst kreisend. Auch Sven und Hue Gene machten sich am Sonntag um 14 Uhr nochmal auf dem Weg zu den Tanzflächen, während ich langsam aufbrach ins normale Leben. Im Zug lernte ich noch einen coolen Menschen aus Minden kennen, dessen Namen ich bereits vergessen habe. Dude, wenn Du das liest: „Sei gegrüßt, Alter! Wir sehen uns … beim nächsten Sonne Mond und Sterne!“ So Gott will!
„Die Sonne lehrt allen Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt.“ (Zitat: Khalil Gibran)
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von A. Boos (DiSTrActeD B)

Auf zu den Quellen:
http://www.sonnemondsterne.de
http://festivalguide.de/festival/99084/sonnemondsterne-festival-2011/
Moderner Gitarren-Sound trifft auf Drum-Machines

Besonders in Nordamerika, in Australien, aber auch immer mehr im europäischen Musikmarkt ist der Trend seit einigen Jahren unübersehbar: Zahlreiche Techno-Produzenten remixen Songs aus den Genres Indie-Rock, Post-Rock oder generell der Neuen Rockmusik. Sicherlich maßgeblich für diese Entwicklung waren die vielfältigen Remixe zu den Welt-Hits der Australier „Empire Of The Sun“: „We Are The People“ und „Walking On A Dream“ aus dem legendären „Walking On A Dream“-Album, 2008 bei EMI erschienen. Auch wenn EOTS nicht grade zu den „klassischen“ Rock-Musikern zählen, ist ihre Musik sehr gitarrenlastig und rockig.
Mike Foyle, Marcapasos, Shapeshifters, Funkagenda und noch viele mehr remixten sehr erfolgreiche Rock-Singles, so auch EOTS-Songs. Weitere vielbeschäftigte Rock-Remixer sind derzeit Michael Woods, Deadmau5, Matt Crofford oder Skrillex – und natürlich die anonymen Jungs von Aeonism. Unter Vertrag bei DJ Kenneth Thomas‘ Myth Records, ein Sub-Label von Paul Oakenfolds Plattenfirma Perfecto Records geben Aeonism der weltweiten Techno-Szene große Rätsel auf: Wo kommen sie nur her? Wer steckt hinter den Masken? Jedenfalls sind alle mir bekannten Aeonism-Remixe der absolute Hammer.
>>Der „Rule The World Bootleg“ vermischt großartige Beats mit dem Gesang von „Empire Of The Sun“ und ist als letzter Track im untenstehenden Live-Mix zu hören. Der erste Song im Mix ist der White Label Rock-RMX „The Killers“ – Spaceman (Sander van Doorn): DiSTrActeD B – Live @ FIGHT CLUB, Brauerei Dessau, August 2009, Ein FM-Event.< < Download-Link unten
Geremixt werden und wurden so einige Rock-Bands der jüngeren Geschichte: Nirvana, The Killers, Radiohead, 30 Seconds To Mars, MIA. Bloc Party, Twin Atlantic, The Temper Trap – um nur einige zu nennen. Zwar gibt es hin und wieder mal auf Youtube inoffizielle und Copyright-verletzende Bootlegs und RMXs von bekannten Rock-Combos, allerdings scheint mir die Mehrzahl der Cover-Versionen doch unter Lizenzvereinbarungen und in offiziellen Kollaborationen entstanden zu sein.
Hier nun meine Top-9 zu den derzeit besten Rock’n’Techno-RMXs:
1. EMPIRE OF THE SUN – We Are The People (Rule The World Bootleg by AEONISM)
2. THE KILLERS – When You Were Young (JONAS STENBERG Remix)
3. NIRVANA vs BOOM JINX & ANDREW BEYER – Smells Like All Means (SNR Mashup)
4. TWIN ATLANTIC – What is Light? Where is Laughter? (SKRILLEX Remix)
5. THE TEMPER TRAP – Sweet Disposition (MATT CROFFORD Remix)
6. TWIN ATLANTIC – Lightspeed (MICHAEL WOODS Remix)
7. 30 SECONDS TO MARS & KANYE WEST – Hurricane (MOONBEAM Bootleg Remix)
8. TWIN ATLANTIC – Human After All (INNERPARTYSYSTEM Remix)
9. CRYSTAL CASTLES vs BLOC PARTY- Hunting for Witches
(Aeonism – Rule The World)
Ist das elektronische Re-Designen von traditioneller Rock-Musik ein Genre-Überschreiten des schlechten Geschmacks? Gar eine Blasphemie an der puristischen Musik-Welt? Oder nur gesunder Ausdruck einer komplementären Weiterentwicklung sowohl von Rock als auch von Techno. Grade Electro-Rock-Bands wie Archive, Bonaparte oder Deichkind, aber auch die Taktgeber Faithless und The Prodigy sind ja bekannt für ihren Crossover-Style und verbinden gekonnt das Schlagzeug mit der Drum Machine. Zudem gibt es noch den Synth-Rock als eigene Musik-Kategorie. Hier dienen Bands wie Pink Floyd oder Tangerine Dream als historische Vorläufer, neuere Vertreter sind The Notwist, Birdpen und Friendly Fires. Oder man schaue sich nur den Dessauer Sound-Bastler Sensor aka Sensørik an, der bereits seit einiger Zeit mit E-Gitarren in seinem Home-Studio elaboriert experimentiert und mit Rock-Bands zusammenarbeitet.
Wie siehst Du das: Sind Rock und Techno vereinbar? (Geheimtipps für Remixe erwünscht)
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von A. Boos (DiSTrActeD B)

Auf zu den Quellen:
http://www.laut.de
(Umfangreiche Künstler-Porträts-Datenbank)
http://tinyurl.com/3lkkulz
(DiSTrActeD B live @ FIGHT CLUB, Dessau, 2009)
http://www.youtube.com/watch?v=HdcxGq4DXLc
Aeonism – Rule The World (Original Mix)
http://www.youtube.com/watch?v=Q3iUSZRhFEg
Twin Atlantic – “What Is Light Where Is Laughter” (Skrillex Remix)
http://www.youtube.com/watch?v=0IbLiEXsyIs
30 Seconds To Mars Kanye West – Hurricane (Moonbeam Bootleg Remix)
SMS MUSIC CAMP @ SonneMondSterne X5
11.08. – 14.08.2011 | Saalburg Beach
Line up:
Clink Clank, Chris Laconi, Tri-Ton, Baby Jean, Dan Chi, Kevin Lundershausen, Magru, Subsound Brothers, Milu, Van Sohl, Scoop van Eden, Eastfreaks, Cosmictraxx, Avalon, Elektrojaner, Sven Lutz, Peter Rotlicht, Titan Conix, Benjamin Soleil, Christian Lindemann, Dilivius Lenni, Neo Lectro, ThoraX, Freymann, C-StyYle, Niemann & Smith, Sascha Berreth, Micsaldo, DJ G., Ricardo Scheit, Gnigge
presented by:
Schalldruck-Music
sYnonYm records
Kreucht & Fleucht
Beatcase-Booking
freakmuzik.net
Toyaner Entertainment

DONNERSTAG, 11.08.2011
SMS WARM UP + OPENING PARTY
15:00 – 21.00 Kreucht & Fleucht DJ Team
21:00 – 23:00 Baby Jean
23:00 – 01:00 Clink Clank
01:00 – 03:00 Eastfreaks
03:00 – End DJ G.

FREITAG, 12.08.2011
10:00 – 12:00 Gnigge
12:00 – 14:00 Dave Intec
14:00 – 16:00 Enzo Carrera
16:00 – 18:00 Frank Niemann
18:00 – 20:00 Andy Smith
TOYANER ENTERTAINMENT & FREAKMUZIK
20:00 – 22:00 C-StyYle
22:00 – 00:00 Micsaldo
00:00 – 02:00 Sascha Berreth
02:00 – 04:00 Neo Lectro
04:00 – 06:00 Freymann

SAMSTAG, 13.08.2011
06:00 – 10:00 CAMP-RESIDENTS
BEATCASE BOOKING
10:00 – 12:00 Dilivius Lenni
12:00 – 14:00 Benjamin Soleil & Christian Lindemann
14:00 – 16:00 Peter Rotlicht & Titan Conix
SYNONYM RECORDS & SCHALLDRUCK
16:00 – 18:00 Milu
18:00 – 20:00 Van Sohl
20:00 – 22:00 Magru
22:00 – 00:00 Kevin Lundershausen
00:00 – 02:00 Dan Chi
02:00 – 04:00 Scoop van Eden
04:00 – 06:00 ThoraX

SONNTAG, 14.08.2011
06:00 – 09:00 CAMP RESIDENTS
SMS AFTERHOUR + CLOSING PARTY
09:00 – 11:00 Sven Lutz
11:00 – 13:00 Elektrojaner
13:00 – 15:00 Avalon
15:00 – 17:00 Cosmictraxx
17:00 – 19:00 Atcon Clank – live
19:00 – End Chris Laconi

Als der Welt-Musikmarkt einbrach und sich Lady Gaga arm tourte

Der Wirtschaftswelt geht’s schlecht. Natürlich nur relativ gesehen. Wenn man sich die Wirtschaftsdaten anschaut und vergleicht, kann man folgende Feststellungen machen: Selbstverständlich gab es auf fast allen Business-Ebenen massive Einbrüche durch die Finanz- und Wirtschaftskrisen-Periode 2008/09 im Vergleich zum Geschäftsjahr 2007. Aber Geld ist ja nicht „verbrannt“ wurden, es hat nur den Besitzer gewechselt. Ich muss sagen: „Die größte Krise aller Zeiten“ verlief – m. E. als ökonomisch bewanderter Politikwissenschaftlicher – in ihren Konsequenzen doch recht glimpflich. Mehr als überfällige systemische Änderungen blieben aus, es läuft alles mehr oder weniger wie bisher.
Auch wenn derzeit einige EU-Staaten wie Griechenland oder Portugal mit massiven Währungsproblemen und drastischen Haushaltsdefiziten sowie Staatsauflösungserscheinungen zu kämpfen haben. Auch wenn die weltweite Inflationsrate weiter steigt und das Problem des „Fiat Money“ (Geldschöpfung aus dem Nichts: „Es werde Geld!“) durch die lockere Geldvergabepolitik der internationalen Zentralbanken weiter besteht. Ich seh schon, viele Leser steigen bei diesem Thema aus. Wirtschaft erscheint, ist aber in Wirklichkeit überhaupt nicht kompliziert. Also Leute, einfach mal hinter die Kulissen schauen, ist nicht so schwer.
Subjektiv gesehen hat sich Stand 2011 nicht viel geändert, oder? Es wird wieder gekauft und verkauft, der Konsumismus brummt weiter, der Ifo-Geschäftsklimaindex für die BRD steigt erneut kräftig. Größte Krise seit 1929? Und dass die USA als immer noch militärische Hyper-Macht Numero Uno bereits seit Jahrzehnten ein Staatsdefizit und Auslandsschulden hat, die zum Himmel schreien, schockt sowieso keinen mehr.
All diese Symptome sind nur Ausdruck einer tiefer liegenden Problematik:
Die Kernfragen lauten:
• Spielen die Begriffe „Fairness“ und „Nachhaltigkeit“ im Weltwirtschaftssystem nur eine ideologische Rolle, wie Vertreter des alten Kapitalismus-Dogmas oft ihren Kritikern vorwerfen? Oder sind sie vielleicht doch von essentieller Bedeutung für das gesunde Weiterleben überhaupt?
• Gefährdet ein Wirtschaftssystem, in dem jeder sein privates Maximum herausholen will, nicht doch das gesamte Lebenssystem?
• Was ist Geld?
• Was ist Zins und Zinseszins?
• Was heißt es, das Zahlungsmittel Geld selbst als spekulative Ware einzusetzen, wie in der internationalen Finanzwirtschaft geschehen?
• Was bedeutet das Dogma des „unbegrenzten Wachstums“ wirklich für einen begrenzten Wirtschaftsraum (Planet Erde)? Stichwort: Wachstum von Krebszellen.
• Wozu überhaupt Wachstum?
• Wird sich der Kapitalismus „selbst auffressen“, wie die Schlange im Spiel „Snake“?
So ähnlich hat es jedenfalls der alte Karl Marx bereits im 19. Jahrhundert prophezeit. Nicht nur der streitbare Marx, auch der ganzheitlich denkende US-österreichische Physiker Fritjof Capra, der Berliner Volkswirtschafts-Professor Bernd Senf, Philosoph Armin Risi, die Youtuber Bauchi, Grandmaster Yeager, Gong108, der VerdeckteVermittler sowie viele andere stellen ebenso diese „systemischen Fragen“ aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Soweit dieser kleine ökonomisch-philosophische Exkurs.
Die krisenhaften Entwicklungen machen sich natürlich auch in der Musikwelt bemerkbar. Der Musikbereich als Business gesehen ist schließlich – „realistisch“ gesehen – immer noch von Verkaufszahlen und Künstler-Bookings abhängig, also von finanziellen Einnahmen. Allein im Jahr 2010 ist der weltweite Musikmarkt um 8 % eingebrochen. Immerhin stiegen gleichzeitig die Online-Musikverkäufe (Beatport, iTunes, Amazon u.a.) um 6 %, dazu hab auch ich individuell durch mein Kaufverhalten beigetragen.
>> Ich verweise hier auf Capra, Fritjof: „Wendezeit: Bausteine für ein neues Weltbild“, 1983, Scherz, Bern als weiterführenden Buchtip. Bereits damals hat sich Capra mit den Konsequenzen des unbegrenzten Wachstums für begrenzte Wirtschafts- und Lebensräume befasst. < <
Langfristig gesehen ist der Weltmusikmarkt seit 2004 um ca. 30 % eingebrochen, wohingegen der globale Online-Musikmarkt zwischen 2004 und 2009 um 940 % gestiegen ist. Selbst diese massive Zunahme kann den gesamten Markteinbruch nicht ausgleichen.
Wo liegen die Ursachen? Einerseits sinkt generell in Krisenzeiten nicht nur die monetäre Pro-Kopf-Kaufkraft, sondern es werden auch persönliche Prioritäten bei Anschaffungen verschoben. Die meisten Menschen erwerben lieber aufgrund in die Außenwelt projizierter Ängste erst mal materielle Dinge, ideelle Dinge wie Musik sind nicht mehr so nachgefragt.
Da passt es gut ins Bild, dass sich die derzeitige Pop-Ikone Lady Gaga bei ihrer jüngsten Welt-Tournee „Monster Ball“ mächtig verkalkuliert hat. Frau Gaga bzw. deren Management haben mit mehr Fans gerechnet, als dann tatsächlich Tickets gebucht worden sind. Die großen Fußball-Stadien und Hallen dieser Welt konnten also nur halbgefüllt werden, was sich in der Kosten-Nutzen-Rechnung stets negativ auswirkt. Laut dem obigen Presseartikel soll Lady Gaga mit dieser Worldtour sogar einen Schuldenberg in Millionenhöhe „erwirtschaftet“ haben. Leider konnte ich bis dato nicht herausfinden, ob Lady Gaga die 3 Millionen US-$ Schulden aus eigener Tasche berappen oder ihr Label finanziell dafür aufkommen muss. Oder ob gar ein Finanzkonsortium oder Sponsorenpool blechen muss, der hinter Miss Gagas Tour steht. Überhaupt: Bei wem steht die ansonsten so erfolgreiche Lady Gaga (2010: über 20 Millionen verkaufte Tonträger) eigentlich in der Kreide? Womit wir wieder beim Anfang dieses Textes wären: Der angeblichen Undurchschaubarkeit des derzeitigen Wirtschaftssystems und bei den Alternativen zu diesem System.
„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ (Friedrich Nietzsche)
von A. Boos (DiSTrActeD B)

Auf zu den Quellen:
http://www.ifpi.org/content/library/DMR2010.pdf
(Weltmusikmarkt: Offizielle Verkaufsstatistiken 2010)
http://kurzurl.net/ttTYE
(Lady Gaga: Schulden durch Welt-Tournee)
Elektronische Musiker in Kino & TV

CHEMICAL BROTHERS @ “Wer ist Hanna?” (2011)
PAUL KALKBRENNER @ “Berlin Calling” (2008)
DEADMAU5 @ “Gossip Girl” (2011)
PETE TONG @ “Human Traffic” (1999)
… @ …
Dass Musiker auch im Kino & TV ihr Glück versuchen, ist keine Weltneuheit. Rock’n’Roll-Legende Elvis Presley und Pop-Diva Madonna performten mehr oder weniger überzeugende Hauptrollen in sehr erfolgreichen Kinofilmen. Die Pop-Giganten BEATLES und ABBA spielten sich quasi selbst und lockten Millionen in die Kinosäle und vor die Fernseher. Die Rap-Größen 50 Cent und Eminem ließen ihre Lebensgeschichte für gutes Cash auf die Leinwand bannen – und spielten sich dabei ebenfalls selbst. Trotz aller miesen Kritiken. Auch Rolling Stones Leadsänger Mick Jagger wagte sich vor die Kamera.
Musiker bereichern nicht nur mit ihrer physischen, schauspielerischen Präsenz die Kinowelt, sondern auch mit eigens arrangierten Kompositionen und Hits. Was wäre „Yellow Submarine“ ohne die Hits der Beatles, „8 Mile“ ohne die Flows von Slim Shady? Und der ABBA-Film ohne „Dancing Queen“ ist höchstens was für Helge Schneider Fans,-)
Natürlich hat diese mediale Entwicklung nicht vor der elektronischen Club-Szene haltgemacht. Nachdem Techno im Mainstream ankam – in den 90ern – gab es die ersten Überlegungen, diese neue stil- und generationsbildende Musik auch in Film & Fernsehen einzubinden.
Diese Kolumne erzählt, was Electro-Musiker und DJs in der Flimmerkiste so alles treiben.
Der lustige britische Jugendfilm „Human Traffic“ von 1999 ist sozusagen der gutherzige Zwillingsbruder von „Trainspotting“. Zwar geht’s auch hier um exzessive und berauschte Party-Nächte und Freundschaften, aber alles noch im harmlosen, humorvollen Bereich. Das Werk sprüht geradezu über von Techno, Jungle und Dance. Es macht Spaß, ihn zu gucken, man wippt mit zu legendären Klassikern von Orbital, Aphrodite oder CJ Bolland. Music-Supervisor für diesen Streifen war übrigens kein Geringerer als der englische DJ-Godfather Pete Tong. Grade die Älteren unter Euch werden diesen Film zu schätzen wissen, der die gute alte Zeit porträtiert.
(Trailer zu „Human Traffic“)
2008 kam „Berlin Calling“ in die Kinos und wurde ein Mega-Erfolg der guten neuen Zeit. Ebenso wie der gleichnamige Soundtrack von Paul Kalkbrenner, der hierfür seine ältere Sachen re-mastered und neu aufgepeppt hatte. Man kann ja von Kalkbrenners Musik halten was man möchte. Für die Einen ist seine monotone Art einfach nur genial, andere halten ihn für musikalisch limitiert. Jedoch reißt der Film beim Sehen mit, auch soundtechnisch. Inwieweit die Figur des DJ Ickarus Parallelen zum echten „Icke“ aufweist, bleibt wohl das Geheimnis des Paul K.
(Trailer zu „Berlin Calling“)
DJ Deadmau5 aus Ontario (Kanada) ist in Europa nur den wenigsten Techno-Liebhabern ein Begriff. Doch zu seinen außergewöhnlichen und stets catchy Beats gefeiert ham se wohl alle schon mal. Ich bräuchte euch jetzt nur 1 oder 2 Sachen der DJ-Maus anspielen – und ihr würdet sagen: „Aah! Nu klar! Kennen wa doch!“ Deadmau5 hat sich nicht nur als Remixer und steiler Produzent von Club-Hits einen Namen gemacht, sondern auch dank seiner lustigen blauen Maus-Ganzkopfmaske – ähnlich maskiert wie Disco Dice, Daft Punk, Slipknot oder Zorro. Grade diese blaue Maske war es, die ich sofort erkannte. Obwohl sie nur wenige Sekunden lang im Bild war, das war in der aktuellen 4. Staffel der US-Teenserie „Gossip Girl“, die ich gemeinsam mit meiner Freundin sah. Dazu ratterten die bekannten Beats über die Audiospur. Nach kleiner Recherche war es bestätigt. Deadmau5 legt doch tatsächlich auf einer High-Society-Party in New Yorks Upper East Side auf – zumindest in der TV-Serie. Real vermutlich auch.
(Deadmau5 @ „Gossip Girl“)
Grade den Machern von „Gossip Girl“ muss ich hiermit ein musikalisches Lob aussprechen. Die Musikauswahl der Produzenten ist einmalig: Genre-übergreifend, aber immer ansprechend. Selbst die meisten Rock-Songs gefallen mir in der Serie. Viele weitere Musiker und Bands hatten bisher Gastauftritte bei „XoXo“: Die schwedische Sängerin Robyn mit einer Ballade oder Gwen Stefani mit ihrer Ex-Band No Doubt.
Von der Welt der Serien zurück ins Kino. Neulich kam der Action-Thriller „Wer ist Hanna?“ in die Lichtspielhäuser. Eine finnisch-amerikanische Produktion, die jedoch der „Jason Bourne“-Reihe zweifelsohne das Wasser reichen kann und mit hochkarätigen Schauspielern besetzt wurde: Eric Bana, Olivia Williams, Martin Wuttke. Die komplette Musik zum Actionkracher produzierte das britische Techno-Duo The Chemical Brothers, den letzten Ahnungslosen spätestens seit ihrem internationalen Smash-Hit „Galvanize“ (2005) ein Begriff. Bereits beim Gucken von „Hanna“ sagte ich mir: „Den Soundtrack musst du dir besorgen.“ Der Aha-Effekt kam, als ich sah, dass alle Tracks für diesen Film von der Chemischen Bruderschaft stammen.
(Trailer zu „Wer ist Hanna?“)
Dies waren nur einige ausgesuchte Beispiele für die Verbindung von Techno und Film. Es gibt in diesem Bereich noch viel mehr zu entdecken.
Also dann, Freaks und Freunde! Viel Spaß beim Gucken und Hören!
von A. Boos (DiSTrActeD B)

Auf zu den Quellen:
http://www.youtube.com/watch?v=fc0kPAPNahU
(Trailer zu „Human Traffic“)
http://www.youtube.com/watch?v=drdf8OeBUUM
(Trailer zu „Berlin Calling“)
http://www.youtube.com/watch?v=K3BQuWqaRhI
(Deadmau5 @ „Gossip Girl“)
http://www.youtube.com/watch?v=ugireeCoYyU
(Trailer zu „Wer ist Hanna?“)
Tonangebende Electro-Band beendet Karriere
GOD IS A DJ

Maxi Jazz verkündete das baldige Karriere-Ende vor einigen Wochen auf der Homepage der britischen Formation um Sister Bliss, Rollo und besagtem Frontmann. Faithless prägten Jahrzehnte elektronischer Tanzmusik. Ihre Chart-Hits „Insomnia“, „Salva Mae“, „God Is A DJ“ „Become One“ oder „Sunday 8PM“, aber auch weniger bekannte Teile wie „I Want More“ oder „Tarantula“ waren und sind tonangebend.
Fast kein Musik-Produzent auf der Welt würde behaupten, er wäre nicht vom Sound von Faithless zumindest einmal komplett geflasht gewesen. Der technisch gute Rap von Lead-Sänger und Rapper Maxi, dazu die krassen Rhyhtmen aus den Maschinen und Synthies von Sister und Rollo. Das war’s. Die Ärzte auf elektronisch. 3 Mann und eine stilprägende Techno-Erfolgsgeschichte.
Gottseidank hab ich das Trio zumindest noch einmal kurz live erleben dürfen, auf dem SMS 2010, Faithless live on Stage. Doch da sie grade den wirklich schon zum Evergreen gewordenen Ohrwurm „Insomnia“ spielten, und ich lieber auf eher funky-groovigen Style a la Cocoon-Zelt Bock hatte, blieb es bei den paar Minuten. Aber war schon cool. Nach dem Ende der aktuellen Europa-Tournee ist dann Schluss. Faithless spielen im August 2011 auf Ibiza im „Space“ ihren letzten Gig. Ob’s da noch Tickets gibt?
Ich verabschiede mich in Demut vor dieser genialen Combo! Long live Faithless! Es bleibt eine großartige Zeit zurück.
„For Tonight – GOD IS A DJ“
von A. Boos (DiSTrActeD B)

Auf zu den Quellen:
http://www.faithless.co.uk/news.php?id=404
Der Technik hinterher
