Home » Allgemein

Kolumne No. 12 (feb2012)

CDs? Sind verbrannt, gibt nur noch MP3s

Als die Aufstände in London exklusive Musikaufnahmen etlicher Labels zerstörten


London im August 2011: Verbrannte Gebäude, Tote, Verletzte. Rettungskräfte, Polizei und Militär im Großeinsatz         

 

DIE LONDON RIOTS IM AUGUST 2011: POLITISCHE HINTERGRÜNDE

Die Bilder sind noch in lebendiger Erinnerung: Eine Welle der Gewalt fegte im letzten Sommer durch die britische Hauptstadt und andere Städte Englands. Es war eine Art Mini-Revolution, ein Aufruhr, ein Riot, eine mörderische Tragödie, ein politischer wie sozialer Protest. Aber auch der Deckmantel für viele kriminelle Taten, die im Windschatten der Proteste, Demonstrationen und Gewaltmanifestationen abliefen. Und exklusive Musikaufnahmen fielen ebenso der Vernichtung zum Opfer.
Über die wahren Hintergründe gibt es bis heute viel Spekulation. Laut offizieller Darstellung wollten Polizisten am 04. 08. 2011 den Londoner Mark Duggan wegen Drogenhandels festnehmen. Dies ereignete sich in London-Tottenham. Da sich Duggan der Festnahme widersetzte, wurde  er erschossen. Das führte zu gewaltigen Protestreaktionen in den problematischen und mehrheitlich von Migranten bewohnten Teilen Londons. Daraufhin kam es zu einer angeblich spontanen Kundgebung in Gedenken an den erschossenen, schwarzen Briten Duggan. Organisiert von afro-britischen und regierungskritischen Organisationen, die generell für Gleichheit, gegen staatliche Willkür und für soziale Gerechtigkeit einstehen. Daraufhin beschleunigten sich die Dinge, die Gewalt eskalierte, die Demonstrationen arteten aus, es kam zu Schusswechseln zwischen Polizisten und Zivilisten … Chaos brach aus, Shops und Tankstellen, Wohnhäuser und Gewerbegrundstücke wurden beschädigt, verwüstet, ausgeraubt oder in Brand gesteckt. Bald mischten sich auch die kleinen und größeren Gangster aus Londons krimineller Unterwelt in den Trubel, nutzten die Unruhen für tagelange Raubzüge. Irgendwann schaffte es dann Scotland Yard mit Unterstützung militärischer Einheiten der British Army die „öffentliche Ruhe“ wieder herzustellen. Was immer das auch heißen mag.
Eine andere Interpretation der Ereignisse liefert Dr. Udo Ulfkotte, Politikwissenschaftler und ehemaliger Dozent für Spionageabwehr an der Uni Lübeck. Auch wenn Ulfkotte politisch und dogmatisch dem konservativen Spektrum zuzuordnen ist, liefert er schon seit Jahren glaubwürdige Hintergrundinformationen zu den verschiedensten politischen und wirtschaftlichen Themen und kann auf gute internationale Kontakte verweisen. Ich schätze die Analysen des Politologen zumindest sehr. So auch zu den „London Riots“: Ulfkotte erkennt die soziale Schieflage, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die daraus resultierende Unzufriedenheit sowie ein latentes Gewaltpotential in Londons armer Stadtbevölkerung, deutet allerdings auf einen ganz anderen Background. Der erschossene Duggan sei nämlich ein recht hochrangiger Drogendealer gewesen und angeblich seien die Protestaktion nach seinem Tod zu großen Teilen durch gut organisierte Verbrecher-Strukturen orchestriert worden. Denn Duggan war ein naher Verwandter von Desmond „Dessie“ Noonan, eine Unterwelt-Größe Englands mit jamaikanischem Hintergrund. Allerdings ist Dessie auch schon tot, im Krieg der Rauschgiftbanden gefallen. Dessie hatte 2005 in einem TV-Interview mit der BBC (!) provokativ behauptet, dass seine Privatarmee auf den Straßen mehr Waffen als die komplette englische Polizei besitzen würde. Genau genommen, so Dr. Ulfkotte, handle es sich bei den Riots um den sichtbaren Ausdruck eines im Geheimen ablaufenden Krieges zwischen verschiedenen rivalisierenden Londoner Clans der Organisierten Kriminalität und dem britischen Staat.

 

BETROFFENE LABELS – ZERSTÖRTE TONAUFNAHMEN

Wie dem auch sei, jedenfalls scheint sich in der Londoner Label-Szene für die Hintergrundenergien der Aufstände keiner zu interessieren. Hier beklagt man unwiederbringlich zerstörtes Musikmaterial, gedenkt aber auch den Toten und Verletzten. Ein Lagerhaus von Sony wurde während der Riots in Brand gesteckt. Etliche englische Labels waren Mieter in dem Gebäude, das als Lagerraum für frisch aufgenommene Musikproduktionen fungierte. Die Flammen verschlangen etliche Tonträger, CDs und Platten. Sie sind weg, für immer. Exklusive Aufnahmen, die es nur auf CD oder Vinyl gab, sind verloren. Wer ist konkret betroffen? Mehr als 150 Labels und Musik-Vertriebe. Darunter zahlreiche, größere und kleinere Indies wie Ninja Tune. Aber auch Major-Player wie Rough Trade, PIAS oder XL. „Wir können nur hoffen, dass die Versicherung bald zahlt“, sagte Doug Shipton, Boss vom Londoner Klein-Label „Finders Keepers“ Tage nach dem Feuer. Allein das exzellente Ninja Tunes (Vertragskünstler u. a.: Amon Tobin, Fink) verlor laut dem „Guardian“ über 120 000 Aufnahmen. Gleichfalls musste die Plattenfirma von Rockröhre Adele viele vernichtete Records akzeptieren. Die Betroffenen haben vermutlich viele Millionen Pfund in diesem Desaster verloren. Ein schwerer ideeller wie finanzieller Schock für alle Akteure im Londoner Musik-Business.
Label-Chef Shipton forderte im Interview mit der ZEIT, dass die Leute von nun an mehr MP3s kaufen sollten. Um so die Künstler durch den Erwerb nicht-physischer Tonträger zu supporten: „Jeder soll sein Lieblingslabel unterstützen und Musik als Mp3 oder per Mailorder kaufen.“ Ebenso hatten viele betroffene britische Bands wie Turbowolf direkt während der Unruhen getwittert, die Fans mögen jetzt bitte noch mehr Musik legal downloaden, damit die Labels weiter Geld verdienen und so ihre Rechnungen und Musiker bezahlen können.

Vinyl, CD oder MP3 – Was bevorzugst DU?

Schreibt uns:
kolumne[at]freakmuzik.net
oder über Soundcloud, Twitter, Myspace
all @ FreakMuzik(.net)!

von A. Boos (DiSTrActeD B)

 

Auf zu den Quellen:

http://blog.zeit.de/tontraeger/2011/08/11/pias-lagerhaus-doug-shipton_10108
(Interview der ZEIT mit Label-Boss Doug Shipton)

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/udo-ulfkotte/kriminalitaet-warum-london-wirklich-brannte.html
(Dr. Udo Ulfkotte analysiert die Londoner Aufstände für den Kopp Verlag)

http://www.guardian.co.uk/music/musicblog/2011/aug/11/how-pias-fire-affects-labels
(Bericht in der britischen Tageszeitung „The Guardian“)

Kolumne No. 11 (jan2012)

Fear & Loathing In Las Vegas, dort Wo Die Büffel Röhren

Nicht nur Johnny Depp, auch Bill Murray spielte legendären Gonzo-Reporter Hunter S. Thompson

 

Original (Bill Murray)                                                                                                                                      Kopie (Johnny Depp)

                               Idol (Hunter S. Thompson)

FILM-FIGUR HUNTER S. THOMPSON

MURRAY & PETER BOYLE IN “WHERE THE BUFFALO ROAM” (1980)

DEPP & BENICIO DEL TORO IN “FEAR & LOATHING IN LAS VEGAS” (1998)

DER ECHTE JOURNALIST HUNTER S. THOMPSON (1937 – 2005)

 

FILM-FIGUR HUNTER S. THOMPSON

Viele von Euch werden den Kino-Klassiker „Fear & Loathing in Las Vegas“ kennen und lieben. Johnny Depp ist Raoul Duke. Diese Figur wiederum steht für die mittlerweile verstorbene Reporter-Legende Dr. Hunter S. Thompson: Ein durchgeknallter, alle Extreme lebender und alle Konventionen brechender Autor, der für den „Rolling Stone“ schrieb und die USA journalistisch revolutionierte. Trotz seines exzessiven Lebensstils reichte Hunter immer oder meistens jedenfalls gute Storys ein. Auch wenn er die Fristen oft bis zur letzten Minute ausreizte, was seine Chefredakteure und Verleger zum Wahnsinn trieb. Doch sie wussten: Hunter war ein Star-Journalist, der einen etwas ungewöhnlichen Lifestyle pflegte: „Wo ist denn Thompson? Geht ihn suchen! Schaut zuerst in den Bars nach!“
Gemeinsam mit seinem Freund und Anwalt; Dr. Lazlo Gonzo (Lieblingszitat: „Als Dein Anwalt, rate ich Dir …“) erlebt Hunter bizarre Trips und Abenteuer, die auf der Leinwand zwar fantastisch anmuten, dennoch auf realen Begebenheiten beruhen. Die Film-Figur Gonzo geht vermutlich auf Hunters Freund, den Juristen Oscar Zeta Acosta zurück. Hunter hat den Auftrag über eine Auto-Rallye in der Wüste Nevadas zu berichten. Grund genug mit Gonzo nach Las Vegas zu trippen und Hotelzimmer zu verwüsten, geleaste Autos zu schrotten oder wildfremde Menschen in aberwitzige Gespräche zu verwickeln. Die Zwei scheuen sich auch nicht, im Gerichtssaal ihre politischen Ansichten zu proklamieren und so einen Tumult zu entfachen. Dr. Gonzo hat ein sehr großes Herz und große Loyalität für seine Klienten, soviel müsst ihr wissen. Das Duo verbindet eine tiefe Abneigung gegenüber US-Präsident Nixon und dessen Republikanern im US-Parteiensystem. Hunter S. Thompson hatte einen politisch denkenden Kopf, der trotz seiner Eskapaden – so wie mir scheint – stets die Übersicht und gute Kontaktpflege bewahren konnte. Hunter war auch bei den mehrheitlich progressiven und marxistischen Studenten der wilden Siebziger äußerst beliebt. Auch wenn Hunter sicherlich kein Vorbild für Vergebung war und ständig Feindbilder hochhielt. Wer großen Humor hat, Toleranz und Verständnis mitbringt und viel zu vergeben hat, der kann die Hunter-Filme lieben.

 

MURRAY & PETER BOYLE IN “WHERE THE BUFFALO ROAM” (1980)

Bereits 1980 verkörperte Top-Komiker Bill Murray („Ghostbusters“, „Und Täglich Grüßt Das Murmeltier“) den Reporter Hunter S. Thompson. Der Film heißt „Where The Buffalo Roam“, deutscher Titel „Wo Die Büffel Röhren“. Johnny Depps „Angst & Schrecken in Las Vegas“ ist nur die Kopie dieses Streifens mit Murray und Peter Boyle alias Gonzo.
Szenen aus dem Film: „Zufällig“ trifft sich das Duo im Flugzeug des Wahlkampagne-Teams von Richard Nixon. Lange vor Watergate. Und Jahre nachdem Dr. Gonzo aus dem Knast entlassen wurde. Er saß wegen Angriffs auf einen Staatsdiener, ausgeübt im Saal eines ordentlichen Gerichts. Seinen Krankenhausaufenthalt nutzt Hunter zu einer kleinen Privat-Party mit der Krankenschwester, während Lazlo seinen Klienten, einer Gruppe von radikalen Hausbesetzern zu einem Freispruch vor einem Richter in San Francisco verhelfen will. Das ist jener Richter, dem er später auf amüsante Weise zusetzen wird. Anwalt Gonzo konzipiert ein flammendes Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung fußend auf der Verfassung und den Bill Of Rights der Vereinigten Staaten. Später hält Hunter eine umjubelte Rede vor Studenten in einem Hörsaal, natürlich mit Hut und Sonnenbrille. Auf die Frage, ob Dr. Gonzo, über den er immer wieder schreibe, nur eine ausgedachte Figur sei, antwortet Hunter: „Nein, man kann einen Mann wie Dr. Lazlo Gonzo nicht einfach erfinden. Er ist einzigartig, er ist ein Mutant, ein richtig heftiger Kerl vom Typ Wasser-Büffel.“
Dieser Film strahlt die gechillte Atmosphäre der Spät-70er aus. Den kompletten Soundtrack machte Songwriter-Gigant Neil Young. Regie führte Art Linson.

(Filmausschnitt aus „Where The Buffalo Roam“)

 

DEPP & BENICIO DEL TORO IN “FEAR & LOATHING IN LAS VEGAS” (1998)

Die Entwicklung von Technik und Spezial-Effekten in den 90ern bot völlig neue Möglichkeiten der visuellen Darstellung der verrückten Trips. Jahrelang wartete Regisseur Terry Gilliam (Monty Python), bis die Zeit reif für die Umsetzung seiner Idee war: Erneut Hunter S. Thompsons verrückte Erlebnisse in die Kinos zu bringen. Johnny Depp bekam in Benicio Del Toro („Sin City“) einen kongenialen Partner an die Seite gestellt. Wo Peter Boyle noch den aristokratischen, alten Typus eines Consigliere (italienisch: Berater, Anwalt) in die Figur des Dr. Gonzo packt, geht Benicio in die Vollen. Er interpretiert den Juristen in einer erbarmungslos witzigen Ehrlichkeit und Dramaturgie, die gleichzeitig schockt und fasziniert. Hauptdarsteller Johnny Depp verbrachte vor Drehbeginn einige Monate mit Thompson, um dessen Leben hautnah zu studieren. „Hunter und Gonzo, das waren Typen, die mit ihren alltäglichen Handlungen bis an die Grenzen gegangen sind. Nur um zu testen, was passiert“, so Depp über das Duo Infernale. Der Begriff „Gonzo-Journalismus“ wurde von den zwei Kumpanen geprägt. Er beschreibt die Fähigkeit eines Journalisten, auch unter den extremsten Party-Umständen immer noch die richtige Berichterstattung zu liefern. Im Oktober 2011 startete der Kino-Film „The Rum Diary“. Darin mimt Hunters Freund Johnny Depp zum zweiten Male einen auf Thompson zugeschnittenen Journalisten, ein Alter Ego von Hunter mit autobiographischen Bezügen. Ebenso wie „Fear & Loathing“ basiert dieser aktuelle Spielfilm auf einen gleichnamigen Roman der Reporter-Ikone.

(Trailer zu „Fear & Loathing in Las Vegas“)

 

DER ECHTE JOURNALIST HUNTER S. THOMPSON (1937 – 2005)

Hunter war Reporter in einer Zeit, in der die Magazine und Zeitungen noch genug Geld für die Spesen, Recherchematerialien, Hotelrechnungen und Flugtickets ihrer Schreiberlinge übrig hatten. Heute hat sich vor allem die Print-Medienlandschaft derart gewandelt, dass nur noch eine kleine Journalisten-Elite (SPIEGEL, BILD) in den Genuss solcher Privilegien kommt – der Großteil heutiger Journalisten ist froh, überhaupt finanziell über die Runden zu kommen.
Hunter Stockton Thompson wurde im Juli 1937 in Louisville, Kentucky geboren und interessierte sich frühzeitig für das Schreiben. Er berichtete über alles Mögliche. War nicht nur Sportreporter, sondern schrieb auch für die New York Herald Tribune oder für das Kult-Magazin „Rolling Stone“.

Beide Filme zeigen einen Hunter S. Thompson, der tatsächlich SO drauf war – und auf Kosten seiner Arbeitgeber praktisch jedes Hotelzimmer in eine Party- bzw. interaktive Museumshöhle verwandelte. Hier könnt Ihr euch den Typen in „echt“ ansehen, in der Talkshow von David Letterman.

(Hunter in der Late-Night-Show „Letterman“, November 1988. Er kommentiert den grad frisch gewählten, republikanischen US-Präsidenten George Bush.)

Man merkt, sowohl Bill als auch Johnny haben die nuschelnde Aussprache von Hunter sehr gut drauf gehabt. Wie gut, dass Hunter mehr geschrieben als referiert hat. Er notierte Top-Storys, sammelte verrückte Geschichten im Amerika der 60er, 70er und 80er Jahre. So sind die hier präsentierten Filme ebenso künstlerische Dokumentationen zeithistorischer Ereignisse. Ab den Seventies wandte sich Hunter verstärkt der Politik zu, praktisch und journalistisch. Er berichtete recht parteiisch, aber ausführlich über die Watergate-Affäre des korrupten Nixon und befreundete sich mit dem damals noch relativ unbekannten Politiker Jimmy Carter von der Demokratischen Partei, der 1977 der 39. Präsident der USA werden sollte. Ganz im Sinne eines Alexis de Tocqueville war Hunter ebenfalls basisdemokratischer Praktiker, so kandidierte Thompson 1970 als Sheriff für die super-reiche wie berühmte Stadt Aspen in Colorado – die Wahl blieb jedoch erfolglos. Allerdings konnte Hunter eine ausgeflippte Wählerschaft und Support-Community um sich scharen, die in weiser Voraussicht auf das 2006 ins Leben gerufene FreakMuzik-Network den Namen „Freak-Plattform“ trug. Back to the Future!

Nicht zu vergessen die politische Analyse des Journalisten. Ich erinnere mich an eines seiner letzten Interviews im Jahr 2002. Hunter erlebt die Post-9/11-USA, eine Gesellschaft immer noch traumatisiert von den  jüngsten Terroranschlägen in New York, Washington und Pennsylvania. Immer noch geschockt von den einstürzenden Twin Towers des World Trade Center in Manhatten. Laut offizieller Regierungs- und Medienlesart geplant und durchgeführt von der Terrororganisation Al Quaida unter Führung des saudischen Terrorfürsten Osama Bin Laden. All dies angeblich ohne Mithilfe, Kenntnisse oder Warnungen seitens der weltbesten westlichen Geheimdienste NSA, CIA, Mossad, MI-6, ISI oder BND (man erinnere sich an den „Hamburger“ Mohammed Atta). Ich rechne hier den Auslandsgeheimdienst von Pakistan, den ISI (Inter-Services Intelligence) zu den westlichen Diensten, da er maßgeblich von der US-amerikanischen CIA initiiert worden ist. In dieser Zeit der totalen Verwirrung, als die NATO-Armeen unter US-Führung erstmalig Kampfmaßnahmen nach Artikel V und damit die Afghanistan-Kriegswirren einleiten, meldet sich der fast schon totgeglaubte Hunter S. Thompson als Gast in einer landesweiten Radio-Show zurück. Hunter verweist auf die internationalen Verbindungen Bin Ladens, nicht nur in den nordafrikanischen, arabischen und vorderasiatischen Raum, sondern ebenso auch zur Präsidenten-Familie Bush. Weiter spricht er über tieferliegende Strukturen der internationalen Geheimdienstszene, die einerseits aufgrund interdependenter personeller Vernetzungen durchaus gute Chancen habe, solch großangelegten Pläne wie den 11. September 2001 voraussehen zu können. Andererseits haben die großen Geheimdienste durch zahlreiche Black Ops („Schwarze Operationen“, die nicht im regierungsoffiziellen sicherheitspolitischen Haushalt eines Staates aufgeführt werden) die Redaktionen der wichtigsten Medien unterwandert. Zur Falschdarstellung öffentlicher Ereignisse und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung, so Hunter S. Thompson. Er glaube nicht an die offizielle Theorie zu 9/11 und habe für alle Hörer einen Tip parat: „Ich bin schon so lange im Journalismus, im Geschäft, in der Politik. Ich weiß, dass die mediale Version über ein Ereignis niemals das wirklich geschehene Ereignis darstellt oder darstellen soll.“

 

Wie findest DU die Filme und Hunter sowie Dr. Gonzo? Kleines Rätsel: Wer findet den versteckten Hinweis im Murray-Film auf *Fear & Loathing*?

Schreibt uns:
kolumne[at]freakmuzik.net
oder über Soundcloud, Twitter, Myspace
all @ FreakMuzik(.net)!

von A. Boos (DiSTrActeD B)

 

Auf zu den Quellen:

http://www.youtube.com/watch?v=oOsX9OvaieY&feature=related
(Filmausschnitt Bill)

http://www.youtube.com/watch?v=u_9tZ3aPCFo
(Filmausschnitt Johnny)

http://www.youtube.com/watch?v=OfoLKB0VZqg
(Hunter S. Thompson bei Letterman, 1988)

http://de.wikipedia.org/wiki/Fear_and_Loathing_in_Las_Vegas

Posted in: Allgemein, Kolumne

Kolumne No. 10 (dec2011)

Noch schnell Abgehen vorm Welt-Übergang

2012 wird ein tolles Jahr – auch wegen dieser Top-Acts: Skrillex, Feist, Springsteen & Coldplay



FROHES NEUES 2012 !!!

SKRILLEX IN BERLIN: 24. Februar (Fritz ColumbiaHalle)

FEIST IN WIEN: 10. März (Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer)

BRUCE SPRINGSTEEN IN ZÜRICH: 09. Juli (Letzigrund Stadion)

COLDPLAY IN MÜNCHEN: 12. September (Olympiastadion)

 

FROHES NEUES 2012 !!!

Na dann, noch ein Frohes Neues Jahr an alle Leser, Follower, Freunde, Fans und Freaks! Auf dass aus dem neuen Année eine legendäre Partey entsteh. Dabei helfen uns internationale Top-Acts, die in diesem Jahr nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz kommen. Vier davon haben wir uns ausgesucht, um sie als 2012-Konzert-Tips vorzustellen: Skrillex, Feist, Bruce Springsteen und Coldplay.

 

SKRILLEX IN BERLIN: 24. Februar (Fritz Columbiahalle)

Skrillex kommt nach Berlin! Der neue Superstar am DubStep-Himmel wird brettern, was das Zeug hält. Crazy Basslines und stampfende Bässe sind zu erwarten. Als jahrelanger Partner von Deadmau5 kennt sich Skrillex bestens im internationalen Musikgeschäft aus. Also, ick gloob det kiek ick mich an!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
https://www.hekticket.de/tixor/.bin/index.cgi?tid=2071791202242000


Skrillex

Reno, besser bekannt als KTH hat bereits seine Karte und wird mit Antekk, Jule & A-Xeet [Ex-MaschinenMafia] zu dem Tanzvergnügen pendeln.
Hier KTHs Top-3 der Skrillex-Tracks:
1. SKRILLEX vs Noisia – Scary Monsters And Nice Sprites
2. SKRILLEX – My Name Is Skrillex
3. Korn feat. SKRILLEX– Get Up

(Skrillex – My Name Is Skrillex)

 

FEIST IN WIEN: 10. März (Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer)

Die experimentelle, aber dennoch kommerziell erfolgreiche Songwriterin Leslie Feist („My Moon My Man“) kommt nach Austria – und zwar im März! In Wien wird Sängerin Feist ihre Fans begeistern und Kenner anspruchsvoller Musik in den Bann ziehen. Die kanadische Ausnahmekünstlerin hat grade ihr viertes Studio-Album „Metals“ veröffentlicht. Na, wenn i Zeit find, dann geh i da hin!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
http://www.viennaticketoffice.com/feist-tickets-133547l1167866-de.html

Feist

 

BRUCE SPRINGSTEEN IN ZÜRICH: 9. Juli (Letzigrund Stadion)

Bruce Springsteen beehrt die Schweiz! Mit seiner E Street Band wird Springsteen, einer der Paten des Rock’n’Roll die Metropole Zürich zum Kochen bringen. Von Jung bis Alt – seine Fangemeinde ist groß und generationenübergreifend. Viele erinnern sich jetzt vielleicht an ihre Jugend, an die durchwachten „Nächte mit den Springsteen-Platten“ (Casper). Wer hat’z erfunden? Wir Schwytzer zwar nich, aber feiern ch-können wir schon, ch-glaub’z uns!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
http://www.ticketcorner.ch/bruce-springsteen-the-e-street-band-tickets.html?affiliate=TCS&doc=artistPages%2Ftickets&fun=artist&action=tickets&erid=665270

Bruce Springsteen


COLDPLAY IN MÜNCHEN: 12. September (Olympiastadion)

Coldplay spielen in München! Das Konzert gibt’s im September. Coldplay ist die vermutlich gesündeste Band der Welt. Leadsänger Chris Martin ökologisch und sozial aus tiefstem Herzen engagiert und bereits seit Jahren mit Schauspielerin Cameron Diaz verheiratet, ohne dass die Klatschpresse was zu berichten hat. Das Paar ist einfach zu treu und verzichtet auf Starallüren. Am 12. September kommt die erfolgreiche Combo mit ihrem gigantischen Sound nach München. Zwei Tage später spielt die Mega-Band in Leipzig in der Red Bull Arena (14. 09. 12). Doch zuvor sind sie im Stadion des FC Bayern München. Also, Burschen! Auf geht’s! Do Gemma hin!
Hier gibt’s mehr Infos & Tickets:
http://www.ventic.de/catalog/index.php?cPath=1909

Coldplay

Hast DU weitere Konzert-Tips für 2012?

Schreibt uns:
kolumne[at]freakmuzik.net
oder über Soundcloud, Twitter, Myspace
all @ FreakMuzik(.net)!

von A. Boos (DiSTrActeD B)

 

Auf zu den Tickets:

https://www.hekticket.de/tixor/.bin/index.cgi?tid=2071791202242000
(Infos & Tickets zu Skrillex LIVE! @ Berlin)

http://www.viennaticketoffice.com/feist-tickets-133547l1167866-de.html
(Infos & Tickets zu Feist LIVE! @ Wien)

http://www.ticketcorner.ch/bruce-springsteen-the-e-street-band-tickets.html?affiliate=TCS&doc=artistPages%2Ftickets&fun=artist&action=tickets&erid=665270
(Infos & Tickets zu Bruce Springsteen & E Street Band LIVE! @ Zürich)

http://www.ventic.de/catalog/index.php?cPath=1909
(Infos & Tickets zu Coldplay LIVE! @ München)

Posted in: Allgemein, Kolumne

Kolumne No. 9 (okt2011)

Casper rockt Charts-Platz 1

Portrait: Vom “Emo-Rapper” zum Rocker? -
Oder: Die vielen bunten Facetten eines deutschen Spitzen-Musikers

line

CASPER’S CHART-ERFOLG

DISKUSSIONEN IN DER RAP-SZENE

REZENSION DES ALBUMS

line

C A S P E R ’ S  C H A R T  –  E R F O L G  

Wie ein Paukenschlag: Rapper Casper stieg im Juli 2011 sensationell von 0 auf 1 der deutschen LP-Charts mit seinem aktuellen Album „XoXo“. Alle waren saumäßig überrascht: Fans, Hater, Musik-Kritiker, Rap-Kollegen – und nicht zuletzt Caspers Band, das Management; sein Label sowie der 29-jährige selbst.

http://www.youtube.com/watch?v=iybDeTHSJ_U
(Casper im Interview für ein Schweizer Magazin: „Als es dann rauskam, da war’s einfach absurd!“)

Casper ist einer der kontroversesten, einer der umstrittensten und gleichzeitig musikalisch vielfältigsten HipHop-Akteure in unserem schönen Lande. Obwohl seine Nummer1-Platte erst das zweite richtige Album von Casper ist, hat er schon seit 2003 umtriebig in Sachen Rap und bei zahlreichen EPs, Rap-Collabos und Mixtapes mitgewirkt. Ebenso zog er seit Jahren von Label zu Label, war u. a. bei Selfmade Records aktiv. Seit einem Jahr steht Casper nun bei Four Music, der Plattenfirma der Fantastischen Vier unter Vertrag – deren Leitung sich natürlich auch wahnsinnig über den Charterfolg des „Neuen“ gefreut haben muss. Und Casper meint sinngemäß, dass es nun endlich geklappt habe: Zum allerersten Mal müsse er heute nicht  mehr bereits nach seiner ersten Veröffentlichung den neuen Labelbossen den finanziellen Flop erklären und zukünftigen Erfolg versprechen.
line

D I S K U S S I O N E N   I N  D E R  R A P S Z E N E

Die deutsche HipHop-Szene nimmt Casper recht widersprüchlich wahr. Für die Einen ist er genial, für die anderen ein nichtssagender Pseudo-Rapper. Mir persönlich kam Casper erstmalig 2009 zu Ohren, beim Über-Track von Selfmade-Records-Hausproduzent Rizbo: „Mittelfinger Hoch“, Casper gemeinsam mit Deutschlands Rap-Größen Favorite und Kollegah. Hier brandete ein knallharter, dreckiger und punk-mäßiger Casper-Rap über neuzeitlich-elektronische Beats in meine Gehörgänge. Mein guter Freund und Musikkenner Reno kommentierte sofort: „Mensch, der klingt mit seiner verrauchten Stimme ja schon wie so‘n Punker!“ Recht hatte er. Bereits damals wusste ich, dass Casper nebenbei noch in einer Punk-Band sang. Mein Interesse für diesen mehrdimensionalen Künstler war geweckt und mein voreiliges subjektives Fazit über Casper schien damals klar: Hardcore-Rapper, der nebenbei noch Rockmusik macht.

Doch dieses Schubladen-Denken funktionierte nicht, wie Denken in Schablonen nie aufgeht.  Natürlich hat Casper jede Menge aggressive Rap-Tracks gemacht (so z. B. mit Montana Max oder Shiml). Aber eben auch jede Menge Storytelling-Raps mit Tiefgang abgeliefert (z. B. mit Prinz Pi oder Abroo) – wie ich später herausfinden sollte. Für mich als traditionell offenen, genre-überfliegenden Musikfreund war die Integration Caspers in so unterschiedliche Bereiche kein Thema. Für eine Vielzahl von deutschen Rap-Fans war diese scheinbare Paradoxie jedoch der Aufhänger, Casper als „Emo-Rapper“ zu bezeichnen. Auf diesen Zug sprang auch Fler in einem Gespräch mit Visa Vie von 16bars.de auf.

http://www.youtube.com/watch?v=6jHbHDsie4Q
(Fler disst Casper)

Vielen eher eindimensionalen Rapfreunden passt nicht das  „Image“, das sie in ihren Köpfen von Casper haben: Einerseits seine total brutalen Rap-Parts, scheinbar konträr dazu sein total freundlich- sympathisches Auftreten bei Interviews – und dazu hin und wieder Raps über die großen Fragen des Lebens. Ein weiteres Beispiel dafür, wie das Zu-Wichtig-Nehmen von gedanklichen Konzeptionen die individuelle Wahrnehmung der Welt beeinflussen kann:

„Hä?? Erst harter Rap, dann Emo, jetzt Rock? Casper geht ja mal gaaar nicht!“ – wäre eine Variante von zu starrer, negativer Interpretation.

Eine positive Sicht der gleichen Sache klingt so: „Wow! Geht ab, der kann ja alles, das Casperlein! Und rockt deshalb auch die Charts so fein!“
line

R E Z E N S I O N  D E S  A L B U M S

Grade mit seinem neuen Sensations-Werk „XoXo“ wollte Casper ja Musik-Grenzen überschreiten, aufbrechen und neue Möglichkeiten der Verbindung zwischen Rap und Rock ausloten, wie der Fan von Arminia Bielefeld im Vorfeld des Albums mehrfach angekündigt hatte. Der kurzzeitige Pädagogik-Student Casper betonte immer wieder, er wolle mit seiner Band keinen herkömmlichen Cross-Over, sondern etwas völlig Neues machen.

http://www.youtube.com/watch?v=zwdYlqTvYxM
(Casper im Interview mit RapSpotTV beim SPLASH 2010 in Ferropolis)

Meiner Meinung nach ist Casper das Aufbrechen musikalischer Schranken allemal und sehr überzeugend gelungen. Die meisten Tracks auf „XoXo“ zeichnen sich durch eine Power aus, die sowohl mitreißen, zum Tanzen oder zum Nachdenken anregen kann – und Elemente aus Rap, Rock, Punk, Electro, Synth-Rock und Techno stilsicher und kohärent vereint. Einige Kommentatoren ordnen Casper bereits einer „neuen Generation von Künstlern“ zu.

ZEIT-Journalist Thomas Winkler schrieb: XOXO ist tatsächlich ein Befreiungsschlag, der dem Sprechgesang neue Regionen erschließt, indem er altes Lagerdenken konsequent ignoriert.“

Natürlich bleibt der Musikstil Caspers eine persönliche Geschmackssache. In meinem Umfeld mag nicht jeder diesen Stil. Hier vornehmlich die Leutz, die mit Rap eher nix am Hut haben. Nicht wahr, Sensorik-Man? Muss man halt verstehen. Hier nun meine ganz subjektive Bewertung des Albums: Mein persönlicher Favorit auf der Platte ist Auf und Davon: Ein Mammut-Werk, ein Riesen-Ding mit Chören, rockigen Gitarren und treibendem Beat. Dazu der deepe Rap von Casper zum Alltagsleben aus philosophischer Sicht: „Alltag ist Treibsand, du steigst ab, je stärker du trittst.“ Finde die Album-Version der Single-Auskopplung So Perfekt (feat. Marteria) nicht so prall, sondern den Radio Edit viel geiler. Die Single ist für mich bisher eine der besten Connections zwischen Rock, Rap und glasklaren Techno überhaupt. Zuerst ein sehr verspielter Break über einen drallen Layer. Casper beginnt zu flowen, im Hintergrund fetzen die Gitarren-Riffs. Dann der Refrain: „Du strahlst, Du scheinst!“ – unterlegt von einem sauberen 4/4-Megabeat. Als Highlight dann der „so perfekte“ E-Gitarren-Tune. Wieder Break, Neuanfang. Oh Yeah! Das Grizzly Lied überzeugt nicht nur durch coole Lyrics, sondern brennt auch musikalisch einiges ab. Ganz ehrlich: Erinnerungen an Autechre und AFX kamen auf, als ich das Stück erstmalig vernahm. Wie es beginnt, mit dieser verträumten Synthie-Line. Dann ein sagenhafter Aufbau wie aus dem Lehrbuch. Darüber die animierende Rock-Stimme Caspers, die autobiografische Einblicke aus seinen Kindertagen in Amerika vermittelt. Von Kontrolle/Schlaf gibt es 2 Versionen, beide sind extrem geil und bereits jetzt als zeitlose Meisterwerke zu bezeichnen. Die Album-Version mutet elektronischer an, der Hammer sind natürlich die (digitalen oder analogen?) Violinen-Strings, die anstelle eines gesungenen Chorus das Lied auf höhere Sphären heben. Die auf Youtube zu findende live eingespielte Proberaum-Version fokussiert mehr auf die rockigen Gitarren-Arrangements und lässt sich mehr Zeit für die Dramaturgie.

Wie bei fast jedem Album, gibt es natürlich auch schwache Lieder. Persönlich konnte ich am wenigsten mit folgenden Tracks anfangen:  Was bei anderen Albumtiteln noch funktioniert, verliert sich bei 230409 nur noch in einer Endlosschleife aus lahmen Beats und langwierigen Raps. Das Stück scheint mir etwas zu uninspiriert. Blut sehen zeigt wieder den brutal stylenden Casper. Dreckige, düstere Beats und aggressive Raps gibt’s hier. Produktionstechnisch natürlich gut gemacht, aber reißt mich nicht mit.Meine Freundin hat grad bemerkt, dass sie den Song XoXo (feat. Tomte-Sänger Thees Uhlmann) feiert. Na ja, nach mehrmaligem Hören geht er schon gut ab – und hat immerhin einen kurzen geilen Electro-Part am Ende anzubieten.  Insgesamt gesehen jedoch überzeugt Caspers No. 1 Album voll und trotzt allen Kritiken – und stand damit zu Recht auf dem Thron der deutschen Charts im Sommer.

„Der Sinn des Lebens ist Leben, das war‘s.“
(Casper)

Wie findest DU Casper?

Schreibt uns:
kolumne[at]freakmuzik.net
oder über Soundcloud, Twitter, Myspace
all @ FreakMuzik(.net)!

von A. Boos (DiSTrActeD B)

line

Auf zu den Quellen:

http://rock.ednetz.de/kuenstler/casper.html
(Kurze Casper-Biografie)

http://www.youtube.com/watch?v=iybDeTHSJ_U
(Casper Interview 1)

http://www.youtube.com/watch?v=zwdYlqTvYxM
(Casper Interview 2)

http://www.youtube.com/watch?v=6jHbHDsie4Q
(Fler disst Casper)

http://vimeo.com/26510897
Casper – Auf und Davon (Album Version)

http://www.youtube.com/watch?v=RSGWw-WhY8o
Casper – Kontrolle/Schlaf (Proberaum Edition)

Posted in: Allgemein, Kolumne

Reportage: SonneMondSterne Festival 2011

Reportage: SonneMondSterne Festival 2011

Globale Top-Acts & profane Tonausfälle

line

MOBY – SWEDISH HOUSE MAFIA – CARL COX – CHEMICAL BROTHERS
ELLEN ALLIEN – ANTHONY ROTHER – JOHANNES HEIL – RICARDO VILLALOBOS
EXTRAWELT – GREGOR TRESHER – FOSS & STOXX – DJ RUSH – BOOGIE PIMPS
NEO LECTRO – FREYMANN – ATCON CLANK – C-STYYLE

Ein subjektiver Festival-Bericht: Freakmuzik-Reporter DiSTrActeD B @ SMS 2011!

Ja, ja. Hmm. Ja. Hä, was? Ach so, Schreiben? Äh, ja … Hmm, gar nicht so einfach nach dem vielen Tanzen. Waaas? Es ist schon Septermber?!!? Ok, gut, na gut dann. Jetze aber mal los.

Ja ja, Hmm. Und schon wieder ist ein weiteres grandioses SMS-Festival vorüber. Das mittlerweile 15. SonneMondSterne-Festival fand auch in diesem Jahr am 2. August-Weekend in Thüringen an der Bleilochtalsperre bei Saalburg statt. Nun sind – die Thüringer Behörden freuen sich sehr darüber – auch die letzten Zelte und Autos von den Hängen der wunderschönen Naturlandschaft zurück in den Treibsand namens Alltag verschwunden.

Wo sind die elektronischen Klänge hin? Wo ist die Atmosphäre geblieben? Gab es jemals ein Festival? …
Nun, wenn man den Erinnerungen von über 30000 (in Worten: dreißigtausend) Tanzwütige Glauben schenken darf, dann: JAAAA!!!
Auch in diesem Sommer hatte das SonneMondSterne – Festival einiges zu bieten: Internationale DJs und Music-Acts neben kleinen aber feinen Insider- und Underground-Größen. Und auch technische Pannenserien. Dazu später mehr.
Erstmalig gab es ein offizielles Party-Musik-Zelt namens „Music Camp“ draußen bei den Schlaf- und Parkplätzen. Organisiert von der Freakmuzik-Crew in Kooperation mit

Schalldruck-Music http://www.schalldruck-music.de
sYnonYm records http://www.facebook.de/synonymrecords
Beatcase-Booking http://www.facebook.de/BeatcaseBooking   

Kreucht & Fleucht
Toyaner Entertainment

beschallten wir auf der Park- und Zeltplatzanlage die Massen. „Nun, wir haben gut gerockt und die tanzenden Partyleute mit frischen Beats versorgt“, kommentierte später Mit-Organisator Martin Hollwitz alias Neo Lectro, Begründer von freakmuzik.net. Mal sehen, was daraus wird: Immerhin haben ja auch die heute sehr bekannten SMS-Acts Brandenburg Allstars als Zeltplatztruppe begonnen.
Mit am Start waren beim „Music Camp“ von der FM-Familie die Artists Neo Lectro, Freymann (aka Kay Ca Phono), Atcon Clank, C-Styyle u. v. m. Zudem noch weitere bekannte Namen wie Kevin Lundershausen oder Magru.
Und natürlich DiSTrActeD B, meine Wenigkeit … (Nadel springt von der Platte) … Äähm, nee, ich war überhaupt gar nicht dabei. Obwohl ich am Freitag in der Früh noch mein Netbook eingepackt hatte, nachdem Neo mich telefonisch um eine ganz spontane Live-Act-Session gebeten hatte.
Denn ich ließ mein Set auf dem Music Camp sausen, um die volle Festival-Breitseite und die dazugehörige DJ-Elite zu genießen.

freitag: die reise beginnt …

Zum SMS gefahren bin ich mit Sven alias SDfromheaven und Hue Gene, zwei sehr guten Freunden, mit denen ich auch schon 2010 in Saalburg abgedanct hatte. Eine coole Sache war auf jeden Fall das Angebot unserer Augsburger Nachbarn, uns ihr Zelt „zu leihen“. Da wir vor lauter Vorfreude die Zeltstangen und Heringe mal einfach so vergaßen. Danke noch mal, Jungs! (FC Augsburg Olé!) Ich hatte natürlich wieder kein eigenes Zelt und keinen Schlafsack mit – was schon Tradition auf meiner Festival-Odyssee seit 2005 hat. So musste ich alle Nächte im Wigwam unter einer für mich viel zu kurzen Iso-Matte als quasi Schlafdecke verbringen. Was manchen SMS-Besucher, der in unser Zelt schielte, zu schönen Lachausbrüchen um 7 Uhr morgens veranlasste. Hihi!
Wir trennten uns am Freitagabend, Hue Gene verbrachte die ganze Nacht im DrumAndBass-Zelt. Sven und ich, wir frönten dem straighten, aber druckvollen Beat. Im letzten Jahr hatten wir noch mit Paul von http://www.erwischt.org  , Basti & Co dem smoothen Muna-Minimal-Zelt häufige Besuche abgestattet. In diesem Jahr hieß es: „Voran!“ Beginnend mit DJ Rush. „Zum langsamen Eintanzen“, wie Sven ironisch meinte.
Dann ging es weiter wie geplant zu Anthony Rother. Obwohl Rother ein bekannter Artist bei Cocoon Records ist, ließ er Johannes Heil den Vortritt im Cocoon-Zelt und spielte daher zeitgleich im Dusted-Decks-Tent. Beziehungsweise wollte spielen. Denn Rothers Gig verzögerte sich um mehr als mindestens eine halbe Stunde, da sich soundtechnisch so lange nix bewegte. Die Partymeute feierte trotzdem, machte eigene Rhythmen mit leeren Cola-Flaschen und Händeklatschen. Nur Sven und ich, wir starrten uns grinsend an: „Na, kriegt ihr’s hin??!“ Besonders ich fragte: „Hmm, wieso haben sich denn kurz vorher noch bei Foss & Stoxx die Vinyls gedreht? Sind doch dieselben Turntables?“ Irgendwann gingen wir dann, ab ins Cocoon-Zelt zu …
Ricardo Villalobos: Was ein geiles Set! Nicht zu derbe, aber immer schön groovend. Ab und zu extrem verspielt, dann wieder etwas böser – aber immer tanzbar. Der schlanke Ricardo ging im weißen Unterhemd fett ab. Eine mir unbekannte Platte ging ebenso übelst ab. Und nach circa 3 Minuten schrie Sven mir ins Ohr: „Ey, Mann! Die Platte hat nicht mal ne Kick-Drum. Und rockt trotzdem wegen der krassen Bassline!“ Oh ja, genau. Was für eine Produktion!
Jenes Villalobos-Set unterbrachen wir dann kurzzeitig. Um Moby, DEN Top-Act des SMS 2011 zu hören. Doch extrem dicker Regen vermieste uns die Stimmung auf der unüberdachten Mainstage-Tanzfläche. „Komm, wieder zurück zu Ricardo!“, hieß es dann schnell. Unsere Augsburger Freunde meinten am nächsten Tag: „Also Moby war schon cool. Spielte viele seiner Chart-Hits. Und als der Regen nachließ kam dann: ‚It’s Raining Again‘!“ Egal, weiter tanzen.
Und zwar bei Caaaaaarl Cox: Ja, Carl Cox war schon ein deftiges Tanzerlebnis: Ich war total platt nach seinem 2 Stunden Stakkato-Gig. Ohne Pause, immer weiter …immer weiter … imm … er … wei … ter …

(Coxische Klänge: Carl Cox lässt die Schwarte krachen!)

Den perfekten Absacker lieferte uns dann Gregor Tresher. Er ließ kraftvolle, aber auch teilweise harmonische Prog-Tech-Klänge vom Stapel. Und tanzte sich dabei tierisch ein. Der Masse und uns gefiel’s. Auch wenn ich nur noch platt an einer Kippe zog, gegen das Metallgeländer gelehnt, mit dem Kopf nickend.

SAMSTAG NACHMITTAG: i’m on my way

Ja, ich bin auf meinem Weg. Auf dem Weg zum „Music Camp“ meiner Freakmuziker. Ganz ehrlich: Ich hab’s nicht gefunden! Bei all den Feierleuten, Autos, Pickups, LKWs, Zelten, Stühlen, Tischen, Bierfässern, Flaschen, Dosen, Soundanlagen, rumpelnden Bässen hab ich’s nicht gefunden. Dafür aber sehr nette Leute aus dem Harz, aus Österreich und der Schweiz kennengelernt. Na ja, und ne schöne Sommer-Rodeltour auf der Bergspitze mit Hue Gene gab es auch noch.

(Wo bitte geht’s hier zum „Music Camp“?)

SAMSTAG NACHT: etwas wundervolles

Die Nacht begann mit Ellen Allien. Die Berliner Techno-Queen rockte gewohnt auf hohem Niveau. Der Grundstein war gelegt.
Danach ab zu den Chemical Brothers, eine meiner persönlichen Enttäuschungen des Festivals. Das Duo spielte ein 90er-Retro-Set, in dem ab und zu Elemente ihrer großen Hits wie „Hey Boy Hey Girl“ oder „Star Guitar“ aufblitzten. Jedoch haute uns dieses Angebot überhaupt nicht vom Hocker.
Etwas geerdet suchten wir unser Tanzglück bei Extrawelt, die fast schon Chill-Out spielten, angesichts unserer bisherigen temporeichen Ausflüge. Doch Extrawelt begeisterte mich wie eh und je mit ihren innovativen Sounds. Nur war das Klima im Zelt so derbe feucht und heiß, dass es mich irgendwann nach draußen verschlug. Frische Luft tat gut. Die im Wasser stehende Buddha-Statue am Strand inspirierte mich zu einer kleinen Mini-Meditation, eine seelische Pause die recht passend war bei all dem bunten Treiben.

Meine Aufmerksamkeit verstärkte sich danach wieder ungemein. Nun war es soweit: Die aktuell stark angesagte Swedish House Mafia (Axwell, Steve Agnello, Sebastian Ingrosso) fing an zu spielen. Sie startete den Auftritt mit ihrem eigenen Remix der letzten Coldplay-Single … und dann wieder „Knack!“ Kein Sound mehr, wieder ein Tonausfall. Und das auf der Mainstage! Ich sah die schemenhaften Umrisse des schwedischen Trios nervös auf die Arbeitsfläche schauen, rumbasteln, hektisch rumfummeln. Doch als der RMX Sekunden später von Neuem ertönte, fingen alle wieder wie wild an zu tanzen, als ob es nie eine Unterbrechung gegeben hätte. Das nenn ich mal im JETZT leben ;-)
Die Boogie Pimps bildeten meinen ganz persönlichen Abschluss mit einer sauberen Show.

sonntag: kinder im kreis

Sie kamen mir alle vor wie Kinder im Kreis. Freiwillig Gefangene in einer Zeitschleife, in einer Dance-Zeitschleife. Sie kannten kein Ende mehr, immer weiter um sich selbst kreisend. Auch Sven und Hue Gene machten sich am Sonntag um 14 Uhr nochmal auf dem Weg zu den Tanzflächen, während ich langsam aufbrach ins normale Leben. Im Zug lernte ich noch einen coolen Menschen aus Minden kennen, dessen Namen ich bereits vergessen habe. Dude, wenn Du das liest: „Sei gegrüßt, Alter! Wir sehen uns … beim nächsten Sonne Mond und Sterne!“ So Gott will!

„Die Sonne lehrt allen Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt.“ (Zitat: Khalil Gibran)

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie fandest DU das SMS 2011?
Schreib uns:
kolumne[at]freakmuzik.net
oder über Soundcloud, Twitter, Myspace
all @ FreakMuzik(.net)!
von A. Boos (DiSTrActeD B)

line

Auf zu den Quellen:
http://www.sonnemondsterne.de

http://festivalguide.de/festival/99084/sonnemondsterne-festival-2011/

Posted in: Allgemein, Reportage

Kolumne No. 8 (aug2011)

Rock’n’Techno

Moderner Gitarren-Sound trifft auf Drum-Machines
line

Roland GR500

Besonders in Nordamerika, in Australien, aber auch immer mehr im europäischen Musikmarkt ist der Trend seit einigen Jahren unübersehbar: Zahlreiche Techno-Produzenten remixen Songs aus den Genres Indie-Rock, Post-Rock oder generell der Neuen Rockmusik. Sicherlich maßgeblich für diese Entwicklung waren die vielfältigen Remixe zu den Welt-Hits der Australier „Empire Of The Sun“: „We Are The People“ und „Walking On A Dream“ aus dem legendären „Walking On A Dream“-Album, 2008 bei EMI erschienen. Auch wenn EOTS nicht grade zu den „klassischen“ Rock-Musikern zählen, ist ihre Musik sehr gitarrenlastig und rockig.
Mike Foyle, Marcapasos, Shapeshifters, Funkagenda und noch viele mehr remixten sehr erfolgreiche Rock-Singles, so auch EOTS-Songs. Weitere vielbeschäftigte Rock-Remixer sind derzeit Michael Woods, Deadmau5, Matt Crofford oder Skrillex – und natürlich die anonymen Jungs von Aeonism. Unter Vertrag bei DJ Kenneth Thomas‘ Myth Records, ein Sub-Label von Paul Oakenfolds Plattenfirma Perfecto Records geben Aeonism der weltweiten Techno-Szene große Rätsel auf: Wo kommen sie nur her? Wer steckt hinter den Masken? Jedenfalls sind alle mir bekannten Aeonism-Remixe der absolute Hammer.

Aeonism

>>Der „Rule The World Bootleg“ vermischt großartige Beats mit dem Gesang von „Empire Of The Sun“ und ist als letzter Track im untenstehenden Live-Mix zu hören. Der erste Song im Mix ist der White Label Rock-RMX „The Killers“ – Spaceman (Sander van Doorn): DiSTrActeD B – Live @ FIGHT CLUB, Brauerei Dessau, August 2009, Ein FM-Event.< < Download-Link unten

Geremixt werden und wurden so einige Rock-Bands der jüngeren Geschichte: Nirvana, The Killers, Radiohead, 30 Seconds To Mars, MIA. Bloc Party, Twin Atlantic, The Temper Trap – um nur einige zu nennen. Zwar gibt es hin und wieder mal auf Youtube inoffizielle und Copyright-verletzende Bootlegs und RMXs von bekannten Rock-Combos, allerdings scheint mir die Mehrzahl der Cover-Versionen doch unter Lizenzvereinbarungen und in offiziellen Kollaborationen entstanden zu sein.

Hier nun meine Top-9 zu den derzeit besten Rock’n’Techno-RMXs:

1. EMPIRE OF THE SUN – We Are The People (Rule The World Bootleg by AEONISM)
2. THE KILLERS – When You Were Young (JONAS STENBERG Remix)
3. NIRVANA vs BOOM JINX & ANDREW BEYER – Smells Like All Means (SNR Mashup)
4. TWIN ATLANTIC – What is Light? Where is Laughter? (SKRILLEX Remix)
5. THE TEMPER TRAP – Sweet Disposition (MATT CROFFORD Remix)
6. TWIN ATLANTIC – Lightspeed (MICHAEL WOODS Remix)
7. 30 SECONDS TO MARS & KANYE WEST – Hurricane (MOONBEAM Bootleg Remix)
8. TWIN ATLANTIC – Human After All (INNERPARTYSYSTEM Remix)
9. CRYSTAL CASTLES vs BLOC PARTY- Hunting for Witches


(Aeonism – Rule The World)

Ist das elektronische Re-Designen von traditioneller Rock-Musik ein Genre-Überschreiten des schlechten Geschmacks? Gar eine Blasphemie an der puristischen Musik-Welt? Oder nur gesunder Ausdruck einer komplementären Weiterentwicklung sowohl von Rock als auch von Techno. Grade Electro-Rock-Bands wie Archive, Bonaparte oder Deichkind, aber auch die Taktgeber Faithless und The Prodigy sind ja bekannt für ihren Crossover-Style und verbinden gekonnt das Schlagzeug mit der Drum Machine. Zudem gibt es noch den Synth-Rock als eigene Musik-Kategorie. Hier dienen Bands wie Pink Floyd oder Tangerine Dream als historische Vorläufer, neuere Vertreter sind The Notwist, Birdpen und Friendly Fires. Oder man schaue sich nur den Dessauer Sound-Bastler Sensor aka Sensørik an, der bereits seit einiger Zeit mit E-Gitarren in seinem Home-Studio elaboriert experimentiert und mit Rock-Bands zusammenarbeitet.

Wie siehst Du das: Sind Rock und Techno vereinbar? (Geheimtipps für Remixe erwünscht)

Schreibt uns:
kolumne[at]freakmuzik.net
oder über Soundcloud, Twitter, Myspace
all @ FreakMuzik(.net)!

von A. Boos (DiSTrActeD B)

line

Auf zu den Quellen:

http://www.laut.de
(Umfangreiche Künstler-Porträts-Datenbank)

http://tinyurl.com/3lkkulz
(DiSTrActeD B live @ FIGHT CLUB, Dessau, 2009)

http://www.youtube.com/watch?v=HdcxGq4DXLc
Aeonism – Rule The World (Original Mix)

http://www.youtube.com/watch?v=Q3iUSZRhFEg
Twin Atlantic – “What Is Light Where Is Laughter” (Skrillex Remix)

http://www.youtube.com/watch?v=0IbLiEXsyIs
30 Seconds To Mars Kanye West – Hurricane (Moonbeam Bootleg Remix)

Posted in: Allgemein, Kolumne

SMS X5 – MUSIC CAMP

SMS MUSIC CAMP @ SonneMondSterne X5

11.08. – 14.08.2011 | Saalburg Beach

SMS X5

Line up:

Clink Clank, Chris Laconi, Tri-Ton, Baby Jean, Dan Chi, Kevin Lundershausen, Magru, Subsound Brothers, Milu, Van Sohl, Scoop van Eden, Eastfreaks, Cosmictraxx, Avalon, Elektrojaner, Sven Lutz, Peter Rotlicht, Titan Conix, Benjamin Soleil, Christian Lindemann, Dilivius Lenni, Neo Lectro, ThoraX, Freymann, C-StyYle, Niemann & Smith, Sascha Berreth, Micsaldo, DJ G., Ricardo Scheit, Gnigge

presented by:

Schalldruck-Music
sYnonYm records
Kreucht & Fleucht
Beatcase-Booking
freakmuzik.net
Toyaner Entertainment

line

DONNERSTAG, 11.08.2011

SMS WARM UP + OPENING PARTY

15:00 – 21.00 Kreucht & Fleucht DJ Team
21:00 – 23:00 Baby Jean
23:00 – 01:00 Clink Clank
01:00 – 03:00 Eastfreaks
03:00 – End DJ G.

line

FREITAG, 12.08.2011

10:00 – 12:00 Gnigge
12:00 – 14:00 Dave Intec
14:00 – 16:00 Enzo Carrera
16:00 – 18:00 Frank Niemann
18:00 – 20:00 Andy Smith

TOYANER ENTERTAINMENT & FREAKMUZIK

20:00 – 22:00 C-StyYle
22:00 – 00:00 Micsaldo
00:00 – 02:00 Sascha Berreth
02:00 – 04:00 Neo Lectro
04:00 – 06:00 Freymann

line

SAMSTAG, 13.08.2011

06:00 – 10:00 CAMP-RESIDENTS

BEATCASE BOOKING

10:00 – 12:00 Dilivius Lenni
12:00 – 14:00 Benjamin Soleil & Christian Lindemann
14:00 – 16:00 Peter Rotlicht & Titan Conix

SYNONYM RECORDS & SCHALLDRUCK

16:00 – 18:00 Milu
18:00 – 20:00 Van Sohl
20:00 – 22:00 Magru
22:00 – 00:00 Kevin Lundershausen
00:00 – 02:00 Dan Chi
02:00 – 04:00 Scoop van Eden
04:00 – 06:00 ThoraX

line

SONNTAG, 14.08.2011

06:00 – 09:00 CAMP RESIDENTS

SMS AFTERHOUR + CLOSING PARTY

09:00 – 11:00 Sven Lutz
11:00 – 13:00 Elektrojaner
13:00 – 15:00 Avalon
15:00 – 17:00 Cosmictraxx
17:00 – 19:00 Atcon Clank – live
19:00 – End Chris Laconi

line

Posted in: Allgemein, On Tour

Kolumne No. 7 (jul2011)

Money & Music

Als der Welt-Musikmarkt einbrach und sich Lady Gaga arm tourte
line

Musikmarkt

Der Wirtschaftswelt geht’s schlecht. Natürlich nur relativ gesehen. Wenn man sich die Wirtschaftsdaten anschaut und vergleicht, kann man folgende Feststellungen machen: Selbstverständlich gab es auf fast allen Business-Ebenen massive Einbrüche durch die Finanz- und Wirtschaftskrisen-Periode 2008/09 im Vergleich zum Geschäftsjahr 2007. Aber Geld ist ja nicht „verbrannt“ wurden, es hat nur den Besitzer gewechselt. Ich muss sagen: „Die größte Krise aller Zeiten“ verlief – m. E. als ökonomisch bewanderter Politikwissenschaftlicher – in ihren Konsequenzen doch recht glimpflich. Mehr als überfällige systemische Änderungen blieben aus, es läuft alles mehr oder weniger wie bisher.
Auch wenn derzeit einige EU-Staaten wie Griechenland oder Portugal mit massiven Währungsproblemen und drastischen Haushaltsdefiziten sowie Staatsauflösungserscheinungen zu kämpfen haben. Auch wenn die weltweite Inflationsrate weiter steigt und das Problem des „Fiat Money“ (Geldschöpfung aus dem Nichts: „Es werde Geld!“) durch die lockere Geldvergabepolitik der internationalen Zentralbanken weiter besteht. Ich seh schon, viele Leser steigen bei diesem Thema aus. Wirtschaft erscheint, ist aber in Wirklichkeit überhaupt nicht kompliziert. Also Leute, einfach mal hinter die Kulissen schauen, ist nicht so schwer.
Subjektiv gesehen hat sich Stand 2011 nicht viel geändert, oder? Es wird wieder gekauft und verkauft, der Konsumismus brummt weiter, der Ifo-Geschäftsklimaindex für die BRD steigt erneut kräftig. Größte Krise seit 1929? Und dass die USA als immer noch militärische Hyper-Macht Numero Uno bereits seit Jahrzehnten ein Staatsdefizit und Auslandsschulden hat, die zum Himmel schreien, schockt sowieso keinen mehr.

All diese Symptome sind nur Ausdruck einer tiefer liegenden Problematik:
Die Kernfragen lauten:

• Spielen die Begriffe „Fairness“ und „Nachhaltigkeit“ im Weltwirtschaftssystem nur eine ideologische Rolle, wie Vertreter des alten Kapitalismus-Dogmas oft ihren Kritikern vorwerfen? Oder sind sie vielleicht doch von essentieller Bedeutung für das gesunde Weiterleben überhaupt?

• Gefährdet ein Wirtschaftssystem, in dem jeder sein privates Maximum herausholen will, nicht doch das gesamte Lebenssystem?

• Was ist Geld?

• Was ist Zins und Zinseszins?

• Was heißt es, das Zahlungsmittel Geld selbst als spekulative Ware einzusetzen, wie in der internationalen Finanzwirtschaft geschehen?

• Was bedeutet das Dogma des „unbegrenzten Wachstums“ wirklich für einen begrenzten Wirtschaftsraum (Planet Erde)? Stichwort: Wachstum von Krebszellen.

• Wozu überhaupt Wachstum?

• Wird sich der Kapitalismus „selbst auffressen“, wie die Schlange im Spiel „Snake“?

So ähnlich hat es jedenfalls der alte Karl Marx bereits im 19. Jahrhundert prophezeit. Nicht nur der streitbare Marx, auch der ganzheitlich denkende US-österreichische Physiker Fritjof Capra, der Berliner Volkswirtschafts-Professor Bernd Senf, Philosoph Armin Risi, die Youtuber Bauchi, Grandmaster Yeager, Gong108, der VerdeckteVermittler sowie viele andere stellen ebenso diese „systemischen Fragen“ aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Soweit dieser kleine ökonomisch-philosophische Exkurs.
Die krisenhaften Entwicklungen machen sich natürlich auch in der Musikwelt bemerkbar. Der Musikbereich als Business gesehen ist schließlich – „realistisch“ gesehen – immer noch von Verkaufszahlen und Künstler-Bookings abhängig, also von finanziellen Einnahmen. Allein im Jahr 2010 ist der weltweite Musikmarkt um 8 % eingebrochen. Immerhin stiegen gleichzeitig die Online-Musikverkäufe (Beatport, iTunes, Amazon u.a.) um 6 %, dazu hab auch ich individuell durch mein Kaufverhalten beigetragen.

>> Ich verweise hier auf Capra, Fritjof: „Wendezeit: Bausteine für ein neues Weltbild“, 1983, Scherz, Bern als weiterführenden Buchtip. Bereits damals hat sich Capra mit den Konsequenzen des unbegrenzten Wachstums für begrenzte Wirtschafts- und Lebensräume befasst. < <

Langfristig gesehen ist der Weltmusikmarkt seit 2004 um ca. 30 % eingebrochen, wohingegen der globale Online-Musikmarkt zwischen 2004 und 2009 um 940 % gestiegen ist. Selbst diese massive Zunahme kann den gesamten Markteinbruch nicht ausgleichen.
Wo liegen die Ursachen? Einerseits sinkt generell in Krisenzeiten nicht nur die monetäre Pro-Kopf-Kaufkraft, sondern es werden auch persönliche Prioritäten bei Anschaffungen verschoben. Die meisten Menschen erwerben lieber aufgrund in die Außenwelt projizierter Ängste erst mal materielle Dinge, ideelle Dinge wie Musik sind nicht mehr so nachgefragt.
Da passt es gut ins Bild, dass sich die derzeitige Pop-Ikone Lady Gaga bei ihrer jüngsten Welt-Tournee „Monster Ball“ mächtig verkalkuliert hat. Frau Gaga bzw. deren Management haben mit mehr Fans gerechnet, als dann tatsächlich Tickets gebucht worden sind. Die großen Fußball-Stadien und Hallen dieser Welt konnten also nur halbgefüllt werden, was sich in der Kosten-Nutzen-Rechnung stets negativ auswirkt. Laut dem obigen Presseartikel soll Lady Gaga mit dieser Worldtour sogar einen Schuldenberg in Millionenhöhe „erwirtschaftet“ haben. Leider konnte ich bis dato nicht herausfinden, ob Lady Gaga die 3 Millionen US-$ Schulden aus eigener Tasche berappen oder ihr Label finanziell dafür aufkommen muss. Oder ob gar ein Finanzkonsortium oder Sponsorenpool blechen muss, der hinter Miss Gagas Tour steht. Überhaupt: Bei wem steht die ansonsten so erfolgreiche Lady Gaga (2010: über 20 Millionen verkaufte Tonträger) eigentlich in der Kreide? Womit wir wieder beim Anfang dieses Textes wären: Der angeblichen Undurchschaubarkeit des derzeitigen Wirtschaftssystems und bei den Alternativen zu diesem System.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ (Friedrich Nietzsche)

von A. Boos (DiSTrActeD B)

line

Auf zu den Quellen:

http://www.ifpi.org/content/library/DMR2010.pdf
(Weltmusikmarkt: Offizielle Verkaufsstatistiken 2010)

http://kurzurl.net/ttTYE
(Lady Gaga: Schulden durch Welt-Tournee)

Kolumne No. 6 (jun2011)

Techno und die Flimmerkiste

Elektronische Musiker in Kino & TV
line

Berlin Calling

CHEMICAL BROTHERS @ “Wer ist Hanna?” (2011)
PAUL KALKBRENNER @ “Berlin Calling” (2008)
DEADMAU5 @ “Gossip Girl” (2011)
PETE TONG @ “Human Traffic” (1999)
… @ …

Dass Musiker auch im Kino & TV ihr Glück versuchen, ist keine Weltneuheit. Rock’n’Roll-Legende Elvis Presley und Pop-Diva Madonna performten mehr oder weniger überzeugende Hauptrollen in sehr erfolgreichen Kinofilmen. Die Pop-Giganten BEATLES und ABBA spielten sich quasi selbst und lockten Millionen in die Kinosäle und vor die Fernseher. Die Rap-Größen 50 Cent und Eminem ließen ihre Lebensgeschichte für gutes Cash auf die Leinwand bannen – und spielten sich dabei ebenfalls selbst. Trotz aller miesen Kritiken. Auch Rolling Stones Leadsänger Mick Jagger wagte sich vor die Kamera.
Musiker bereichern nicht nur mit ihrer physischen, schauspielerischen Präsenz die Kinowelt, sondern auch mit eigens arrangierten Kompositionen und Hits. Was wäre „Yellow Submarine“ ohne die Hits der Beatles, „8 Mile“ ohne die Flows von Slim Shady? Und der ABBA-Film ohne „Dancing Queen“ ist höchstens was für Helge Schneider Fans,-)
Natürlich hat diese mediale Entwicklung nicht vor der elektronischen Club-Szene haltgemacht. Nachdem Techno im Mainstream ankam – in den 90ern – gab es die ersten Überlegungen, diese neue stil- und generationsbildende Musik auch in Film & Fernsehen einzubinden.
Diese Kolumne erzählt, was Electro-Musiker und DJs in der Flimmerkiste so alles treiben.
Der lustige britische Jugendfilm „Human Traffic“ von 1999 ist sozusagen der gutherzige Zwillingsbruder von „Trainspotting“. Zwar geht’s auch hier um exzessive und berauschte Party-Nächte und Freundschaften, aber alles noch im harmlosen, humorvollen Bereich. Das Werk sprüht geradezu über von Techno, Jungle und Dance. Es macht Spaß, ihn zu gucken, man wippt mit zu legendären Klassikern von Orbital, Aphrodite oder CJ Bolland. Music-Supervisor für diesen Streifen war übrigens kein Geringerer als der englische DJ-Godfather Pete Tong. Grade die Älteren unter Euch werden diesen Film zu schätzen wissen, der die gute alte Zeit porträtiert.


(Trailer zu „Human Traffic“)

2008 kam „Berlin Calling“ in die Kinos und wurde ein Mega-Erfolg der guten neuen Zeit. Ebenso wie der gleichnamige Soundtrack von Paul Kalkbrenner, der hierfür seine ältere Sachen re-mastered und neu aufgepeppt hatte. Man kann ja von Kalkbrenners Musik halten was man möchte. Für die Einen ist seine monotone Art einfach nur genial, andere halten ihn für musikalisch limitiert. Jedoch reißt der Film beim Sehen mit, auch soundtechnisch. Inwieweit die Figur des DJ Ickarus Parallelen zum echten „Icke“ aufweist, bleibt wohl das Geheimnis des Paul K.


(Trailer zu „Berlin Calling“)

DJ Deadmau5 aus Ontario (Kanada) ist in Europa nur den wenigsten Techno-Liebhabern ein Begriff. Doch zu seinen außergewöhnlichen und stets catchy Beats gefeiert ham se wohl alle schon mal. Ich bräuchte euch jetzt nur 1 oder 2 Sachen der DJ-Maus anspielen – und ihr würdet sagen: „Aah! Nu klar! Kennen wa doch!“ Deadmau5 hat sich nicht nur als Remixer und steiler Produzent von Club-Hits einen Namen gemacht, sondern auch dank seiner lustigen blauen Maus-Ganzkopfmaske – ähnlich maskiert wie Disco Dice, Daft Punk, Slipknot oder Zorro. Grade diese blaue Maske war es, die ich sofort erkannte. Obwohl sie nur wenige Sekunden lang im Bild war, das war in der aktuellen 4. Staffel der US-Teenserie „Gossip Girl“, die ich gemeinsam mit meiner Freundin sah. Dazu ratterten die bekannten Beats über die Audiospur. Nach kleiner Recherche war es bestätigt. Deadmau5 legt doch tatsächlich auf einer High-Society-Party in New Yorks Upper East Side auf – zumindest in der TV-Serie. Real vermutlich auch.


(Deadmau5 @ „Gossip Girl“)

Grade den Machern von „Gossip Girl“ muss ich hiermit ein musikalisches Lob aussprechen. Die Musikauswahl der Produzenten ist einmalig: Genre-übergreifend, aber immer ansprechend. Selbst die meisten Rock-Songs gefallen mir in der Serie. Viele weitere Musiker und Bands hatten bisher Gastauftritte bei „XoXo“: Die schwedische Sängerin Robyn mit einer Ballade oder Gwen Stefani mit ihrer Ex-Band No Doubt.
Von der Welt der Serien zurück ins Kino. Neulich kam der Action-Thriller „Wer ist Hanna?“ in die Lichtspielhäuser. Eine finnisch-amerikanische Produktion, die jedoch der „Jason Bourne“-Reihe zweifelsohne das Wasser reichen kann und mit hochkarätigen Schauspielern besetzt wurde: Eric Bana, Olivia Williams, Martin Wuttke. Die komplette Musik zum Actionkracher produzierte das britische Techno-Duo The Chemical Brothers, den letzten Ahnungslosen spätestens seit ihrem internationalen Smash-Hit „Galvanize“ (2005) ein Begriff. Bereits beim Gucken von „Hanna“ sagte ich mir: „Den Soundtrack musst du dir besorgen.“ Der Aha-Effekt kam, als ich sah, dass alle Tracks für diesen Film von der Chemischen Bruderschaft stammen.


(Trailer zu „Wer ist Hanna?“)

Dies waren nur einige ausgesuchte Beispiele für die Verbindung von Techno und Film. Es gibt in diesem Bereich noch viel mehr zu entdecken.

Also dann, Freaks und Freunde! Viel Spaß beim Gucken und Hören!

von A. Boos (DiSTrActeD B)

line

Auf zu den Quellen:

http://www.youtube.com/watch?v=fc0kPAPNahU
(Trailer zu „Human Traffic“)

http://www.youtube.com/watch?v=drdf8OeBUUM
(Trailer zu „Berlin Calling“)

http://www.youtube.com/watch?v=K3BQuWqaRhI
(Deadmau5 @ „Gossip Girl“)

http://www.youtube.com/watch?v=ugireeCoYyU
(Trailer zu „Wer ist Hanna?“)

Posted in: Allgemein, Kolumne

“Fun-A-Tisch”

Posted in: Allgemein