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Kolumne No. 14 (apr2012)

Shingo Nakamura: “When You Smile Pray for Japan

Portrait eines globalen Techno-Newcomer – Progressive Trance & Techno aus Ostasien
Neuer Stern der japanischen DJ-Szene bringt unfassbare Melodien, crazy Beats, tanzbare Lines

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PROLOG: DJ & PRODUCER SHINGO NAKAMURA

SHINGO*S GANZ EIGENER STIL

ANFÄNGE & ERFOLGE

TOP-TRAXX BY SHINGO NAKAMURA: MEINE PERSÖNLICHE TOP 6

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PROLOG: DJ & PRODUCER SHINGO NAKAMURA

Er ist derzeit einer der heißesten DJs und Produzenten in Fernost und auf globaler Ebene: Shingo Nakamura aus Japan! Nein, nicht Shinji Kagawa von Borussia Dortmund, meinem Lieblings-Fußballverein. Bitte verwechselt den Musik-Wirbelwind Shingo nicht mit dem Fußball-Wirbelwind Shinji vom BVB, dem aktuellen Deutschen Doppel-Meister. Shingo Nakamura ist kein Fußballspieler, sondern ein astreiner Techno-Musikant. Es ist auch nicht überliefert, ob er Gefallen am Ballsport findet. Jedoch liebt es Shingo mit Tönen, Tunes und krassen Melody-Lines zu spielen – und baut so ein Brett nach dem anderen. So wie Shinji es liebt, ein Tor nach dem anderen zu schießen.

Shingo Nakamura ist für viele Techno-Freunde momentan sicherlich noch ein Geheimtipp. Doch ich vermute, der Bekanntheitsgrad des Japaners wird sich in den nächsten Monaten und Jahren vermutlich drastisch zu Gunsten des DJs ändern – und das weltweit. Bisher lag die FreakMuzik!-Kolumne auch bei den Top-Acts Deadmau5 und Skrillex richtig “im Trend” und nahm spätere Hypes vorweg. Der Autor dieser Kolumne hat vor wenigen Wochen die SoundCloud-Page von Shingo erstmalig besucht und wurde einer der ersten 5 Followers. Zu dem Zeitpunkt gab es noch nicht mal öffentliche Tracks auf der Seite zum Hören. Mittlerweile hat Shingo fast 2000 Followers auf der Ton-Wolke und etliche Hörproben online. Checkt die Quellen am Ende!

 

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SHINGO*S GANZ EIGENER STIL

Was ist nun so besonders an der Musik des Asiaten? Nun, natürlich ist sein melodisch-progressiver Stil eine Geschmackssache. Nicht für Jedermann geeignet, doch wer generell auf melodischen Techno abfährt, der wird an Shingo’s Sounds seine wahre Freude haben. Ich selbst entdeckte den Japaner erst vor wenigen Monaten, zufällig in einem Techno-Set aus Detroit. Es waren sofort die faszierenden Melodien, eine heftige Bassline und dazu passende nach Vorwärts gehende Beats, die mich anzogen. Shingo’s Musik schafft es, sowohl Ambient-mäßige atmosphärische Klangwelten und progressiv-tanzbare Percussions in einer Techno-Komposition zu vereinen – unterlegt von mitreißenden Action-Basslines. Das heißt, man kann sich die Musik sowohl beim Putzen, beim Autofahren, in der Badewanne beim Chillen als auch beim Abgehen im Club anhören. Trotz dieser unterschiedlichen Ausgangslagen bringen Dich die Traxx von Shingo stehts in den richtigen Groove. Eine Gabe, die sonst nur wenige DJs und Produzenten vorzuweisen haben. Wenn man versucht, einen vergleichbaren Act zu finden, wird man vermutlich scheitern. The Timewriter, Gabriel Ananda, Budai & Vic als auch die Live-Plattensets von DJ Karotte gehen schon tendenziell in die Richtung des Shingo-Style, der jedoch unique bleibt und sich durch Einzigartigkeit auszeichnet.

Wie gesagt, es sind die unfassbaren Melodien, die zum Tanzen animierenden Rhythmen und die waghalsigen Lines, die den Sound von Shingo Nakamura so einzigartig machen. Bitte hört selbst die Beispiel-Lieder am Ende dieses Beitrags, um Euch ein eigenes Bild von den Qualitäten des Musikers zu machen. Seit Takkyu Ishino hat mich kein Techno-Act aus Japan mehr dermaßen geflasht. Wird Shingo genauso stilprägend wie Takkyu?

 

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ANFÄNGE & ERFOLGE

Shingo, 1986 geboren, wuchs in der japanischen Region bzw. Präfektur (d. h. im Verwaltungsgebiet) Ibaraki auf. Heute lebt und arbeitet er in Sapporo auf Hokkaidō, wenn er nicht grade auf Club-Tour ist. Im Alter von 16 Jahren, im Jahr 2002 begann Shingo Techno-Musik zu machen und schon bald sollte sich sein musikalisches Talent herauskristallisieren. 3 Jahre später entdeckte er den Progressive House und Progressive Trance für sich – und bereits wenige Jahre darauf gibt er dem gesamten Genre neue Schübe. Denn seine Produktionen beliefern den gesamten Bereich “Melodic Progressive Techno” mit neuer Inspiration und heben ihn auf einen neuen Standard.

Shingo wurde in jungen Jahren vom Label Anjunabeats (Artists: Super8 & Tab, Boom Jinx, Smith & Pledger, Above & Beyond) entdeckt, er arbeitete ebenso mit Solaris Recordings, Silk Digital oder Proton Music. 2011 releaste er sein Album “Sapporo” und im März des gleichen Jahres veröffentlichte er wenige Tage nach dem Erdbeben und Atomreaktor-Unglück von Fukushima den gefühlvollen Track “When You Smile: Pray for Japan”, auch als Radio Edit für eine Charity-Aktion. Die Präfektur Fukushima grenzt im Norden an Shingos Heimatregion Ibaraki. Shingo hat sich mittlerweile ebenso zu einem gefragten Remixer für diverse Techno-Acts gemausert. Erwähnenswert ist noch seine Zusammenarbeit mit dem jungen japanischen DJ-Talent Kazusa, siehe Track-Liste unten.

                    Shingo Nakamura im japanischen Winter

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TOP-TRAXX BY SHINGO NAKAMURA: MEINE PERSÖNLICHE TOP 6

Hier nun meine ganz persönliche Hitliste der Nakamura-Produktionen:

1. Oza & T4L – Remember That (SHINGO NAKAMURA Remix)
2. SHINGO NAKAMURA & KAZUSA – Move On (ALEXANDER CHILARI Remix)
3. SHINGO NAKAMURA – Alice In Wonderland
4. SHINGO NAKAMURA – Thousands Of Sounds
5. KENNETH THOMAS – Gunnin (SHINGO NAKAMURA Remix)
6. SHINGO NAKAMURA – When You Smile: Pray For Japan (Radio Edit)

Alle Tracks und noch v. m. sind auf Youtube zu finden. Hier die Hitlist zum Anklicken:

1)

2)

3)

4)

5)

6)

„Ich sage euch: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.Ich sage euch: Ihr habt noch Chaos in euch.“
(Friedrich Nietzsche)

Gefallen DIR die Tunes von Shingo?

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von A. Boos (DiSTrActeD B)

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Auf zu den Quellen:

http://www.shingonakamura.com/
(Offizieller Web-Auftritt von Shingo Nakamura)

http://www.last.fm/music/Shingo+NAKAMURA
(Kurze Biografie über Shingo Nakamura @ last.fm)

http://soundcloud.com/shingonakamura
(Shingo @ Soundcloud.com)

http://www.myspace.com/shingonakamura
(Shingo @ Myspace.com)

 

Kolumne No. 13 (mar2012)

Freak’s DVD-Tip: Mit dem UFO in den TRESOR

Doku zur Historie des unsterblich gewordenen Berliner Clubs kommt
Tilmann Künzel: “SubBerlin – The Story of Tresor”, 2012, Tresor Records (rough trade)


Am 2. April 2012 erscheint die DVD “SubBerlin – The Story of Tresor”.
Die Doku erzählt die 21-jährige Geschichte des Kult-Techno-Clubs der Hauptstadt und kommt inkl. einer Sampler-CD mit tollen Tresor-DJs wie Monika Kruse.

 

DOKU-DVD “SUBBERLIN – THE STORY OF TRESOR”

EINE KURZE TRESOR-GESCHICHTE

ERFAHRUNGSBERICHTE VOM ALTEN TRESOR

 

DOKU-DVD “SUBBERLIN – THE STORY OF TRESOR”

Die Raveline hat schon drüber berichtet, De:Bug hat schon drüber berichtet, INTRO hat schon drüber berichtet – und wenigstens ein EINZIGES Mal möchte die FreakMuzik!-Kolumne auch im angepassten Strom der Aktualität mitschwimmen und ganz klassisch im BILD-Stil bei den Anderen abschreiben. Aber das Thema, über das berichtet wird, ist es auch wert, dass wir es besprechen. Es geht um den berühmten Tresor Club in Berlin – ehemals in der Leipziger Straße zu Hause, heute in der Köpenicker Straße angesiedelt: Meine Damen und Herren, Ladies and Gentlemen, Mesdames et Messieurs – wir stellen heute mit äußerst überzeugter Gesinnung und nostalgischer Verehrung die DVD “SubBerlin – Story of Tresor Club” vor. In wenigen Tagen erscheint der Dokumentarfilm über den Berliner Tanztempel, der beim Portobello-Film-Festival 2008 in London als beste Musikdokumentation ausgezeichnet wurde. Regisseur Tilman Künzel ist Tresor-Besucher der ersten Stunde – und begab sich mit seinem Film auf eine technoide Zeitreise.

 

EINE KLEINE TRESOR-GESCHICHTE

Es begann alles im “UFO”, ein Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung. Der Untergrund-Schuppen UFO, eingerichtet in den Katakomben des Berliner Ex-Kaufhauses Wertheim in der Leipziger Straße war der Vorreiter des späteren Techno-Clubs Tresor. Der Name UFO scheint nicht zufällig gewählt, sondern passt perfekt in den damaligen Zeitkontext. Im UFO-Gründungsjahr 1990 kam es zu Massensichtungen von Unbekannten Flub-Objekten über Deutschland, Russland, Mexiko und vielen anderen Ländern. Belgiens Luftwaffe und die NATO-Militärbasis im belgischen Glons jagten gemeinsam im März ’90 mit hochmodernen Kampfjets die berüchtigten Dreiecks-UFOs im belgischen Luftraum. Meldungen über die erfolglose wie unerklärliche Jagd standen vielfach in den europäischen und weltweiten Medien. Zurück nach Berlin, wo ein Jahr später Tresor-Gründer Dimitri Hegemann den umfunktionierten Tresorraum des ehemaligen Wertheim-Kaufhauses offiziell umbenennt und das Plattenlabel Tresor Records ins Leben ruft. Techno-Guru Sven Väth legte seitdem jährlich analog zur Love Parade im “Tresor-Park” auf. Weitere DJ-Legenden wie Jeff Mills, Wolle XDP, Tanith, Paul van Dyk, DJ Rolando, Kenny Larkin, Neil Landstrumm, Cristian Vogel oder Kevin Saunderson gingen und gehen als Residents im Tresor ein und aus. Detroit Techno und Berlin – das ist bis Heute eine dufte, fetzige Mischung geblieben. Das Besondere am alten Tresor war sein mysteriöser, schweißtreibender Keller – und sein luftig-chilliger Außenbereich im Garten. Gäste kamen von Nah und fern, der Tresor war ein beliebter Magnet für Berliner, Auswärtige und für das internationale Tanzpublikum.

April 2005 fand eine grandiose Abschluss-Sause für den alten Tresor statt – das Kaufhaus Wertheim wurde im Mai niedergerissen. Letztmalig erbebte der alte Tresor-Keller. Seit 2007 befindet sich der neue Tresor im ehemaligen Heizkraftwerk in Berlin-Mitte, Köpenicker Straße. Auch die neue Location erfreut sich größter Beliebtheit in der Berliner Party-Szene. Der Tresor wird wohl auch in Zukunft nicht so schnell verschlossen werden …

 

ERFAHRUNGSBERICHTE VOM ALTEN TRESOR

Ein heißer Samstag in Berlin, es ist der 13. Juli 2002, es geht Richtung Siegessäule. Das Motto heißt “Access Peace” und es wird getanzt, gefeiert, gelacht, getrunken, geliebt, gebrochen und gef**** bis zum Umfallen. Der Kenner weiß es schon: Es ist LOVEPARADE-Time! Ich war vor 10 Jahren mit Reno aka KTH in der Hauptstadt, um mir die Parade mal näher in Augenschein zu nehmen. Durch einen genialen Trick konnten wir mit unserem Schüler-Ferienticket von Dessau bis nach Berlin gurken – nicht ganz korrekt, aber schön umsonst. Nach der Parade ging es dann erstmalig (und leider auch das letzte Mal für mich bisher) in den TRESOR-Club. Es war eine spontane Idee, die wir bis heute nicht bereuen. Es wurde ein geniales, unvergessliches Tanz-Erlebnis inmitten bester Partypeople und hypnotischer Sounds …

Meine gute Freundin Katrin aus dem juten alten Stackelitz ließ es sich nicht nehmen – und feierte den Tresor-Abschluss 2005 mit guten Freunden, auch war Spud mit von der Party. Katrin schwärmt noch immer – und ich bedauere, dass ich damals nicht mitgekommen bin. Sie erinnert sich: “Auf jeden Fall hat mich schon der Garten total erfreut mit dem kleinen Teich, dem plätschernden ‘Wasserfall’ und den Bierzeltgarnituren. Kleine Lichter überall und das warme Wetter. Hmmmm….. war ja schliesslich Sommer. Total liebe Mädels aus Holland und Spanien hab ich kennengelernt und an den Klotüren und Wänden hatten sich schon sehr viele Gäste aus aller Welt verewigt. Das war echt schön zu lesen, weil offensichtlich alle den Club geliebt haben …” Ach ja, Memories …

“In den Techno-Kellern hat die Wiedervereinigung zuerst stattgefunden, das wollte ich zeigen. Und auf eine kulturelle Leistung hinweisen, die bis heute negiert wird.”

(Tilmann Künzel)


Hattet und habt Ihr Spaß im alten und neuen TRESOR?

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von A. Boos (DiSTrActeD B)

 

Auf zu den Quellen:

http://www.raveline.de/news/subberlin-die-geschichte-vom-tresor-club-auf-dvd-erhaltlich
(Ankündigung in der Raveline zu “SubBerlin – Story of Tresor”)

http://www.amazon.de/Subberlin-Story-Tresor-Various/dp/B007BWUGFY
(DVD auf Amazon bestellen)

http://tresorberlin.com
(Homepage vom Tresor)

http://de.wikipedia.org/wiki/Tresor_%28Club%29
(Der Tresor auf Wikipedia)

Kolumne No. 12 (feb2012)

CDs? Sind verbrannt, gibt nur noch MP3s

Als die Aufstände in London exklusive Musikaufnahmen etlicher Labels zerstörten


London im August 2011: Verbrannte Gebäude, Tote, Verletzte. Rettungskräfte, Polizei und Militär im Großeinsatz         

 

DIE LONDON RIOTS IM AUGUST 2011: POLITISCHE HINTERGRÜNDE

Die Bilder sind noch in lebendiger Erinnerung: Eine Welle der Gewalt fegte im letzten Sommer durch die britische Hauptstadt und andere Städte Englands. Es war eine Art Mini-Revolution, ein Aufruhr, ein Riot, eine mörderische Tragödie, ein politischer wie sozialer Protest. Aber auch der Deckmantel für viele kriminelle Taten, die im Windschatten der Proteste, Demonstrationen und Gewaltmanifestationen abliefen. Und exklusive Musikaufnahmen fielen ebenso der Vernichtung zum Opfer.
Über die wahren Hintergründe gibt es bis heute viel Spekulation. Laut offizieller Darstellung wollten Polizisten am 04. 08. 2011 den Londoner Mark Duggan wegen Drogenhandels festnehmen. Dies ereignete sich in London-Tottenham. Da sich Duggan der Festnahme widersetzte, wurde  er erschossen. Das führte zu gewaltigen Protestreaktionen in den problematischen und mehrheitlich von Migranten bewohnten Teilen Londons. Daraufhin kam es zu einer angeblich spontanen Kundgebung in Gedenken an den erschossenen, schwarzen Briten Duggan. Organisiert von afro-britischen und regierungskritischen Organisationen, die generell für Gleichheit, gegen staatliche Willkür und für soziale Gerechtigkeit einstehen. Daraufhin beschleunigten sich die Dinge, die Gewalt eskalierte, die Demonstrationen arteten aus, es kam zu Schusswechseln zwischen Polizisten und Zivilisten … Chaos brach aus, Shops und Tankstellen, Wohnhäuser und Gewerbegrundstücke wurden beschädigt, verwüstet, ausgeraubt oder in Brand gesteckt. Bald mischten sich auch die kleinen und größeren Gangster aus Londons krimineller Unterwelt in den Trubel, nutzten die Unruhen für tagelange Raubzüge. Irgendwann schaffte es dann Scotland Yard mit Unterstützung militärischer Einheiten der British Army die „öffentliche Ruhe“ wieder herzustellen. Was immer das auch heißen mag.
Eine andere Interpretation der Ereignisse liefert Dr. Udo Ulfkotte, Politikwissenschaftler und ehemaliger Dozent für Spionageabwehr an der Uni Lübeck. Auch wenn Ulfkotte politisch und dogmatisch dem konservativen Spektrum zuzuordnen ist, liefert er schon seit Jahren glaubwürdige Hintergrundinformationen zu den verschiedensten politischen und wirtschaftlichen Themen und kann auf gute internationale Kontakte verweisen. Ich schätze die Analysen des Politologen zumindest sehr. So auch zu den „London Riots“: Ulfkotte erkennt die soziale Schieflage, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die daraus resultierende Unzufriedenheit sowie ein latentes Gewaltpotential in Londons armer Stadtbevölkerung, deutet allerdings auf einen ganz anderen Background. Der erschossene Duggan sei nämlich ein recht hochrangiger Drogendealer gewesen und angeblich seien die Protestaktion nach seinem Tod zu großen Teilen durch gut organisierte Verbrecher-Strukturen orchestriert worden. Denn Duggan war ein naher Verwandter von Desmond „Dessie“ Noonan, eine Unterwelt-Größe Englands mit jamaikanischem Hintergrund. Allerdings ist Dessie auch schon tot, im Krieg der Rauschgiftbanden gefallen. Dessie hatte 2005 in einem TV-Interview mit der BBC (!) provokativ behauptet, dass seine Privatarmee auf den Straßen mehr Waffen als die komplette englische Polizei besitzen würde. Genau genommen, so Dr. Ulfkotte, handle es sich bei den Riots um den sichtbaren Ausdruck eines im Geheimen ablaufenden Krieges zwischen verschiedenen rivalisierenden Londoner Clans der Organisierten Kriminalität und dem britischen Staat.

 

BETROFFENE LABELS – ZERSTÖRTE TONAUFNAHMEN

Wie dem auch sei, jedenfalls scheint sich in der Londoner Label-Szene für die Hintergrundenergien der Aufstände keiner zu interessieren. Hier beklagt man unwiederbringlich zerstörtes Musikmaterial, gedenkt aber auch den Toten und Verletzten. Ein Lagerhaus von Sony wurde während der Riots in Brand gesteckt. Etliche englische Labels waren Mieter in dem Gebäude, das als Lagerraum für frisch aufgenommene Musikproduktionen fungierte. Die Flammen verschlangen etliche Tonträger, CDs und Platten. Sie sind weg, für immer. Exklusive Aufnahmen, die es nur auf CD oder Vinyl gab, sind verloren. Wer ist konkret betroffen? Mehr als 150 Labels und Musik-Vertriebe. Darunter zahlreiche, größere und kleinere Indies wie Ninja Tune. Aber auch Major-Player wie Rough Trade, PIAS oder XL. „Wir können nur hoffen, dass die Versicherung bald zahlt“, sagte Doug Shipton, Boss vom Londoner Klein-Label „Finders Keepers“ Tage nach dem Feuer. Allein das exzellente Ninja Tunes (Vertragskünstler u. a.: Amon Tobin, Fink) verlor laut dem „Guardian“ über 120 000 Aufnahmen. Gleichfalls musste die Plattenfirma von Rockröhre Adele viele vernichtete Records akzeptieren. Die Betroffenen haben vermutlich viele Millionen Pfund in diesem Desaster verloren. Ein schwerer ideeller wie finanzieller Schock für alle Akteure im Londoner Musik-Business.
Label-Chef Shipton forderte im Interview mit der ZEIT, dass die Leute von nun an mehr MP3s kaufen sollten. Um so die Künstler durch den Erwerb nicht-physischer Tonträger zu supporten: „Jeder soll sein Lieblingslabel unterstützen und Musik als Mp3 oder per Mailorder kaufen.“ Ebenso hatten viele betroffene britische Bands wie Turbowolf direkt während der Unruhen getwittert, die Fans mögen jetzt bitte noch mehr Musik legal downloaden, damit die Labels weiter Geld verdienen und so ihre Rechnungen und Musiker bezahlen können.

Vinyl, CD oder MP3 – Was bevorzugst DU?

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von A. Boos (DiSTrActeD B)

 

Auf zu den Quellen:

http://blog.zeit.de/tontraeger/2011/08/11/pias-lagerhaus-doug-shipton_10108
(Interview der ZEIT mit Label-Boss Doug Shipton)

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/udo-ulfkotte/kriminalitaet-warum-london-wirklich-brannte.html
(Dr. Udo Ulfkotte analysiert die Londoner Aufstände für den Kopp Verlag)

http://www.guardian.co.uk/music/musicblog/2011/aug/11/how-pias-fire-affects-labels
(Bericht in der britischen Tageszeitung „The Guardian“)

Kolumne No. 7 (jul2011)

Money & Music

Als der Welt-Musikmarkt einbrach und sich Lady Gaga arm tourte
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Musikmarkt

Der Wirtschaftswelt geht’s schlecht. Natürlich nur relativ gesehen. Wenn man sich die Wirtschaftsdaten anschaut und vergleicht, kann man folgende Feststellungen machen: Selbstverständlich gab es auf fast allen Business-Ebenen massive Einbrüche durch die Finanz- und Wirtschaftskrisen-Periode 2008/09 im Vergleich zum Geschäftsjahr 2007. Aber Geld ist ja nicht „verbrannt“ wurden, es hat nur den Besitzer gewechselt. Ich muss sagen: „Die größte Krise aller Zeiten“ verlief – m. E. als ökonomisch bewanderter Politikwissenschaftlicher – in ihren Konsequenzen doch recht glimpflich. Mehr als überfällige systemische Änderungen blieben aus, es läuft alles mehr oder weniger wie bisher.
Auch wenn derzeit einige EU-Staaten wie Griechenland oder Portugal mit massiven Währungsproblemen und drastischen Haushaltsdefiziten sowie Staatsauflösungserscheinungen zu kämpfen haben. Auch wenn die weltweite Inflationsrate weiter steigt und das Problem des „Fiat Money“ (Geldschöpfung aus dem Nichts: „Es werde Geld!“) durch die lockere Geldvergabepolitik der internationalen Zentralbanken weiter besteht. Ich seh schon, viele Leser steigen bei diesem Thema aus. Wirtschaft erscheint, ist aber in Wirklichkeit überhaupt nicht kompliziert. Also Leute, einfach mal hinter die Kulissen schauen, ist nicht so schwer.
Subjektiv gesehen hat sich Stand 2011 nicht viel geändert, oder? Es wird wieder gekauft und verkauft, der Konsumismus brummt weiter, der Ifo-Geschäftsklimaindex für die BRD steigt erneut kräftig. Größte Krise seit 1929? Und dass die USA als immer noch militärische Hyper-Macht Numero Uno bereits seit Jahrzehnten ein Staatsdefizit und Auslandsschulden hat, die zum Himmel schreien, schockt sowieso keinen mehr.

All diese Symptome sind nur Ausdruck einer tiefer liegenden Problematik:
Die Kernfragen lauten:

• Spielen die Begriffe „Fairness“ und „Nachhaltigkeit“ im Weltwirtschaftssystem nur eine ideologische Rolle, wie Vertreter des alten Kapitalismus-Dogmas oft ihren Kritikern vorwerfen? Oder sind sie vielleicht doch von essentieller Bedeutung für das gesunde Weiterleben überhaupt?

• Gefährdet ein Wirtschaftssystem, in dem jeder sein privates Maximum herausholen will, nicht doch das gesamte Lebenssystem?

• Was ist Geld?

• Was ist Zins und Zinseszins?

• Was heißt es, das Zahlungsmittel Geld selbst als spekulative Ware einzusetzen, wie in der internationalen Finanzwirtschaft geschehen?

• Was bedeutet das Dogma des „unbegrenzten Wachstums“ wirklich für einen begrenzten Wirtschaftsraum (Planet Erde)? Stichwort: Wachstum von Krebszellen.

• Wozu überhaupt Wachstum?

• Wird sich der Kapitalismus „selbst auffressen“, wie die Schlange im Spiel „Snake“?

So ähnlich hat es jedenfalls der alte Karl Marx bereits im 19. Jahrhundert prophezeit. Nicht nur der streitbare Marx, auch der ganzheitlich denkende US-österreichische Physiker Fritjof Capra, der Berliner Volkswirtschafts-Professor Bernd Senf, Philosoph Armin Risi, die Youtuber Bauchi, Grandmaster Yeager, Gong108, der VerdeckteVermittler sowie viele andere stellen ebenso diese „systemischen Fragen“ aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Soweit dieser kleine ökonomisch-philosophische Exkurs.
Die krisenhaften Entwicklungen machen sich natürlich auch in der Musikwelt bemerkbar. Der Musikbereich als Business gesehen ist schließlich – „realistisch“ gesehen – immer noch von Verkaufszahlen und Künstler-Bookings abhängig, also von finanziellen Einnahmen. Allein im Jahr 2010 ist der weltweite Musikmarkt um 8 % eingebrochen. Immerhin stiegen gleichzeitig die Online-Musikverkäufe (Beatport, iTunes, Amazon u.a.) um 6 %, dazu hab auch ich individuell durch mein Kaufverhalten beigetragen.

>> Ich verweise hier auf Capra, Fritjof: „Wendezeit: Bausteine für ein neues Weltbild“, 1983, Scherz, Bern als weiterführenden Buchtip. Bereits damals hat sich Capra mit den Konsequenzen des unbegrenzten Wachstums für begrenzte Wirtschafts- und Lebensräume befasst. < <

Langfristig gesehen ist der Weltmusikmarkt seit 2004 um ca. 30 % eingebrochen, wohingegen der globale Online-Musikmarkt zwischen 2004 und 2009 um 940 % gestiegen ist. Selbst diese massive Zunahme kann den gesamten Markteinbruch nicht ausgleichen.
Wo liegen die Ursachen? Einerseits sinkt generell in Krisenzeiten nicht nur die monetäre Pro-Kopf-Kaufkraft, sondern es werden auch persönliche Prioritäten bei Anschaffungen verschoben. Die meisten Menschen erwerben lieber aufgrund in die Außenwelt projizierter Ängste erst mal materielle Dinge, ideelle Dinge wie Musik sind nicht mehr so nachgefragt.
Da passt es gut ins Bild, dass sich die derzeitige Pop-Ikone Lady Gaga bei ihrer jüngsten Welt-Tournee „Monster Ball“ mächtig verkalkuliert hat. Frau Gaga bzw. deren Management haben mit mehr Fans gerechnet, als dann tatsächlich Tickets gebucht worden sind. Die großen Fußball-Stadien und Hallen dieser Welt konnten also nur halbgefüllt werden, was sich in der Kosten-Nutzen-Rechnung stets negativ auswirkt. Laut dem obigen Presseartikel soll Lady Gaga mit dieser Worldtour sogar einen Schuldenberg in Millionenhöhe „erwirtschaftet“ haben. Leider konnte ich bis dato nicht herausfinden, ob Lady Gaga die 3 Millionen US-$ Schulden aus eigener Tasche berappen oder ihr Label finanziell dafür aufkommen muss. Oder ob gar ein Finanzkonsortium oder Sponsorenpool blechen muss, der hinter Miss Gagas Tour steht. Überhaupt: Bei wem steht die ansonsten so erfolgreiche Lady Gaga (2010: über 20 Millionen verkaufte Tonträger) eigentlich in der Kreide? Womit wir wieder beim Anfang dieses Textes wären: Der angeblichen Undurchschaubarkeit des derzeitigen Wirtschaftssystems und bei den Alternativen zu diesem System.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ (Friedrich Nietzsche)

von A. Boos (DiSTrActeD B)

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Auf zu den Quellen:

http://www.ifpi.org/content/library/DMR2010.pdf
(Weltmusikmarkt: Offizielle Verkaufsstatistiken 2010)

http://kurzurl.net/ttTYE
(Lady Gaga: Schulden durch Welt-Tournee)

Bilder – Musikmesse 2011

Bilder – Musikmesse 2011

Der Technik hinterher
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Musikmesse 2011

Kolumne No. 1 (nov2010)

Rother vs. Beaport – Runde 1

Wie eine kleine Mail große Wirkung erzielt
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Anthony Rother

So, so. Nun ist es also soweit. In unserer heutigen digitalisierten Onlinewelt, in der physische Tonträger wie Vinylscheiben oder CDs immer mehr an Bedeutung verlieren, fangen nun auf einmal an, die DJs und Musikproduzenten freizudrehen. Nicht nur bei ihren Shows und Gigs mit den Partypeople, was der Technoseele durchaus gut tut.

Nein, jetzt hat sich Anthony Rother, Produzent und DJ von Sven Väths Label Cocoon öffentlich mit Beatport angelegt. Beatport.com ist der weltweit größte Onlineanbieter im
Bereich Technomusik – besetzt damit quasi eine monopolhafte Stellung in diesem unüberschaubaren Pool von Internet-Musikanbietern von Amazon bis Itunes. Der Frankfurter DJ Rother meinte kürzlich gegenüber Raveline, dass er absolut unzufrieden ist mit dem Umgang von Beatport mit seiner Musik – um es noch milde auszudrücken. In einer offenen E-Mail sagte er wörtlich:

„Fuck You, Beaport! Ihr macht euch bei gefühlten 50 Trilliarden Tracks immer ganz genau Gedanken über die Kategorie von jedem einzelnen Track ????????????? Damit alles im BEATPORT Portal richtig sortiert ist ????????????????.“

Der Hintergrund: Zunächst waren Rothers Tracks unter der Kategorie „Minimal“ gehostet, wo sie in den betreffenden Charts aufgrund guter Downloadzahlen stetig nach oben gingen. Dann jedoch kategorisierte das Beatport-Team ohne Absprache mit Anthony die Songs neu, diesmal waren sie im Bereich „Techno“ zu finden. Die Folge: Rothers gute Chartplatzierung ging flöten, was in dem heißen Konkurrenzkampf der (mp3-)Musikwelt schon mal ganz reale finanzielle Negativauswirkungen für einen professionellen Producer haben kann. Daraufhin war Rother so erbost, dass er die giftige Mail an die Beatport-Redaktion schickte.

„So what?“, könnte manch einer jetzt sagen. Doch dieser Fall offenbart mehr als nur einen einmaligen Wutanfall eines Electronica-Profis. Es geht um etwas Fundamentales: Nämlich um das Verhältnis von Musikern, ihrer Kunst, den Kontakt zu den Käufern und Fans – und den faktischen Schaltstellen dazwischen: Musikhändler wie Beatport. Wenn nämlich Letztere eigenwillig ohne Absprache mit dem Künstler vorher vereinbarte Agreements ändern, was zu (finanziellen) Lasten des Künstlers geht – dann kann man derartige Rother’sche Verbalentgleisungen nachvollziehen. Bereits halb-professionelle
Musiker (wie z. B. die Freakmuziker) kennen das Problem mit den OnlineMusikanbietern. Da werden ganze zum Verkauf angebotene Alben kurzfristig aus dem Programm genommen, Künstler-Links permanent verändert etc.

Doch räudiges Jammern hilft hier nicht: Der Blick geht nach vorn, die digitalen Zeiten sind nun mal da. Es gibt prinzipiell nur eine Lösung für alle Musiker da draußen: Wir müssen mit Qualität überzeugen, gute Kunst abliefern, die dann auch trotz administrativer Schieflagen ihre Hörer findet. Frei nach dem Rapper Olli Banjo: „Qualität, das einzige Mittel gegen Datenklau.“

von A. Boos (DiSTrActeD B)

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Auf zu den Quellen:
http://www.raveline.de/news/anthony-rother-says-f-you-beatport-nach-hack-attacke-wieder-online/
Rother vs. Beaport – Runde 1