Kolumne No. 43 (nov2015)


SoundCloud vs. US-Musikindustrie – Runde 3

Wie steht es momentan im Copyright-Streit zwischen dem Streaming-Portal und den US-Musikriesen?
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Bereits im vergangenen Jahr hatten wir hier in unserer Fr3ak-Kolumne über den aktuell laufenden „Copyright-Krieg“ zwischen SoundCloud und der Musikindustrie berichtet. Jetzt sind in den letzten Monaten spannende Entwicklungen in Gang gekommen. SC konnte eine Einigung mit dem großen Major-Label Warner und anderen Plattenfirmen erzielen. Ein Konsens mit Universal Music ist in Sicht.

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Um zu wissen, wo wir stehen und was bisher geschah, lest bitte die beiden ersten Teile unserer Report-Serie „SoundCloud vs. US-Musikindustrie“ (die Links dazu findet Ihr unten am Ende vom Text).

Seit April 2014 verhandeln Vertreter von SoundCloud mit Repräsentanten der US-amerikanischen Musikindustrie. Es geht bei diesen Gesprächen um angebliche Copyright-Verletzungen der SoundCloud-User. Man kann davon ausgehen, dass die Verhandlungen auf beiden Seiten knallhart geführt werden und dass es sich um zähe Auseinandersetzungen handelt. Der rechtliche Hintergrund: Wer als Uploader auf SC die Rechte an Songs nicht besitzt, darf sie nicht hochladen und im Netz anbieten, auch nicht als Remix oder DJ-Set. Da der Musik-Streamanbieter Soundcloud den Labels bisher kein überzeugendes Geschäftsmodell vorlegen konnte, begannen die Plattenfirmen ab Frühjahr 2014 ihr Recht einzufordern und verlangen seitdem die konsequente Sperrung nicht lizenzierter Tracks. Notfalls auch per Klage gegen SoundCloud, denn die Zahl der Urheberrechtsverstöße auf der Plattform ist enorm hoch (wie übrigens auch bei SoundClouds erklärtem Vorbild Youtube). Soundcloud muss sich zwangsläufig mit den Majors einigen, um juristische Klagen zu vermeiden und eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Beide Parteien vertreten in den zähen Verhandlungen sicherlich standfest ihre jeweiligen Positionen und Argumente. Unter Zugzwang steht jedoch das Berliner Startup-Unternehmen SoundCloud. Denn SoundCloud ist stark abhängig vom Wohlwollen der Labels.

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Dass sich SoundCloud zudem ständig an die wachsenden Herausforderungen des Musikstream-Marktes anpassen muss, zeigt die Tatsache, dass aktuell im Bereich Musikstreaming der schwedische Musikstream-Dienst Spotify allein bereits mehr Umsatz macht als SoundCloud und YouTube zusammen addiert.
Fakt ist aber auch, dass SC als erster Musikstream-Anbieter seiner Art einen immensen Marktvorteil besitzt. Viele Freunde elektronischer Musik hören Musik nur noch bei Soundcloud. Fast jeder DJ ist dort vertreten und bietet seine Sets an. Inzwischen nutzen rund 300 Millionen Menschen weltweit das Angebot von Soundcloud. Das entspricht ungefähr der Größe von Twitter. Der Marktwert des Berliner Startup wird inzwischen von Experten auf über eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Und das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Meiner Meinung nach sollte SoundCloud jedoch diese sehr gute Ausgangsposition clever zu seinen eigenen Gunsten nutzen. Außerdem setzen sich bekannte Techno-Künstler wie Skrillex aktiv für die Interessen von SoundCloud ein.

Vor einiger Zeit sickerten nun erstmals Informationen über die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen SoundCloud und der US-Musikundstrie an die Öffentlichkeit. Die Musiknews-Portale MusicBusinessWorldwide.com und DigitalMusicNews.com berichteten vor einigen Wochen, dass erste Lizenzdeals zwischen SC und einigen Plattenfirmen (darunter auch große Major Labels) zustande gekommen sind. Gesichert ist, dass im November 2014 ein Mega-Deal zwischen SoundCloud und dem Major Warner Music Group (ansässig in New York) unterzeichnet worden ist. Diese Einigung gibt Künstlern und Plattenlabels von Warner gleich 3 Optionen an die Hand, wenn es um Copyright-Verletzungen ihrer Musik auf SC geht: Sie können nun entweder den Track durch SoundCloud blockieren lassen, die Tonspur „muten“ (also ausschalten) lassen oder sich dazu entscheiden, den Track online zu belassen, aber ihn zu „monetarisieren“. Sprich Geld durch Werbung mit dem Track zu verdienen. Zum Beispiel, indem man einen Werbespot vor dem Abspielen des Songs schaltet. Nach Warner hatte im Juni 2015 das Label-Netzwerk Merlin (vertritt ca. 20 000 Indie-Labels weltweit) einen ähnlichen Deal mit der SoundCloud-Führung vereinbart. Außerdem steht angeblich eine Einigung zwischen SC und dem großen Player Universal Music Group kurz vor einem erfolgreichen Abschluss. Warner und Universal gehören zu den drei größten Labels der Welt. Die Hauptsitze von Universal liegen in New York und in Santa Monica, Kalifornien.

Mehr Informationen sind seitdem leider nicht nach draußen gedrungen. Die beiden letztgenannten Online-Artikel sind aus August 2015 und laut Media Monitoring die jüngsten und damit “aktuellsten” Meldungen, die man zum Thema SoundCloud vs. US-Musikundstrie online finden kann. Das Thema bleibt also weiterhin spannend. Wir bleiben für Euch dran an der Sache.

Lesen Sie hier Teil 1 & 2 des Reports:

SoundCloud vs. US-Musikindustrie – Runde 1
SoundCloud vs. US-Musikindustrie – Runde 2

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Wie stehst DU zu diesem Thema: Bist Du eher auf Seiten von SoundCloud oder findest Du das Vorgehen der Musik-Labels korrekt?

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von A. Boos (DiSTrActeD B)

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Auf zu den Quellen:

http://t3n.de/news/soundcloud-transformation-594185/

http://www.tonspion.de/neues/neueste/6070826

https://www.trendingtopics.at/stefan-zilch-spotify-macht-mehr-umsatz-fuer-die-musikindustrie-als-youtube-und-soundcloud-zusammen/

http://www.musicbusinessworldwide.com/soundcloud-agreed-licensing-deal-universal-say-sources/

http://www.digitalmusicnews.com/2015/08/25/breaking-soundcloud-is-now-days-away-from-a-universal-music-agreement/

http://forum.golem.de/kommentare/wirtschaft/deutschland-musikindustrie-verdoppelt-umsatz-bei-streaming/soundcloud-macht-die-musikindustrie-kaputt/84251,3796475,3797982,read.html
(Interessantes Diskussions-Forum zu den Themen SoundCloud, dort gehostete Musik, Plattenfirmen etc. )

Einige Offizielle SoundCloud-Profile von FreakMuzik:
https://soundcloud.com/groups/freakmuzik-net

https://soundcloud.com/freakmuzik

https://soundcloud.com/distracted-b

https://soundcloud.com/depress_yourself