NEXT LEVEL 6. DIMENSION. Drei Floors und eine starke Community.

NEXT LEVEL 6. DIMENSION. – Als Leipzig zwischen Progressive, Trance und hypnotischem Techno die Ebenen wechselte.

Am 6. März 2026 trafen in der Distillery Leipzig mehrere Generationen, Stile und Communitys elektronischer Musik aufeinander. NEXT LEVEL: 6. DIMENSION verband Progressive, Trance, House, Acid und Techno über drei Bereiche hinweg – mit einem Line-up, das nicht allein auf bekannte Namen setzte, sondern vor allem regionale Netzwerke, langjährige Wegbegleiter und Artists aus dem direkten FreakMuzik-Umfeld sichtbar machte.

Die sechste Dimension begann vergleichsweise früh. Bereits um 19 Uhr öffnete die Distillery Leipzig ihre Türen, erst um sechs Uhr am folgenden Morgen sollte die Veranstaltung enden. Elf Stunden, drei musikalisch unterschiedlich angelegte Bereiche und ein Line-up, das eher wie ein großes Szenetreffen als wie eine gewöhnliche Clubnacht wirkte. Auf dem Programm standen Progressive Psytrance, Dark Melodic Trance, hypnotischer Techno, Acid, Slow Rave, House, Ambient und Trip-Hop. Die Veranstaltung machte damit von Anfang an klar: NEXT LEVEL wollte nicht einen einzigen Sound maximieren, sondern verschiedene elektronische Welten miteinander verbinden.

Event bei Resident Advisor

Drei Bereiche, drei eigene Geschwindigkeiten

Der UP-Floor war dem melodischen und progressiven Spektrum gewidmet. Zwischen Trance, Dark Melodic Trance, Progressive Psytrance und melodischen Live-Drums entstand die energetischste und zugleich euphorischste Ebene des Abends. Namen wie Emphox, Carol Selig, Emeveka, Milox b2b Doko, Balthz, Alec Pearl, Chris Bugs und Larry Love standen für ein Programm, das Trance nicht als nostalgische Rückschau behandelte, sondern als gegenwärtige, offene und vielseitige Clubmusik.

Auf dem DOWN-Floor wurde der Sound körperlicher, reduzierter und stellenweise dunkler. Tech House, Slow Rave, Acid, Techno und hypnotischer Techno bildeten hier den Gegenpol zur melodischen Oberwelt. DJ Kiss, Chris Laconi, Kalitos, A Dreams A, Michael Dietze, Unknown Species, Atcon, Lonne, Distracted B. und Skoria spannten einen Bogen von langsam rollenden Grooves bis zu kompromisslosem, tiefem Technosound.

Der PVLLN-Bereich gab der Nacht schließlich Raum zum Atmen. Ambient, Chillout, Trip-Hop, Lounge und House standen nicht bloß für eine Pause vom Hauptprogramm, sondern für eine dritte musikalische Perspektive. Daniel Wittig, A Dreams A, Mavue, D-Boy, Fayded, Samandthesound und Em Lynzki sorgten dafür, dass die Veranstaltung nicht ausschließlich auf maximale Intensität ausgerichtet war.

Damit entstand keine simple Hierarchie aus Hauptfloor und Nebenflächen. Die drei Ebenen erfüllten unterschiedliche Funktionen: Euphorie oben, Druck unten und Entschleunigung dazwischen.

Carol Selig: TALIS zwischen Erfahrung und progressiver Gegenwart

Für das FreakMuzik-Netzwerk war besonders die Beteiligung von Carol Selig relevant. Als Teil des erweiterten TALIS-Umfelds steht sie für eine elektronische Musikkultur, die nicht erst mit dem aktuellen Trance-Revival begonnen hat.

Ihr Name verbindet Erfahrung, Kontinuität und die Fähigkeit, progressive Sounds nicht als starres Genre zu behandeln. Gerade auf einem Floor, der melodische Energie, Psytrance und dunklere Trance-Facetten zusammenführen wollte, war diese Perspektive wichtig. Carol Selig stand nicht einfach als einzelner Name zwischen vielen anderen im Programm. Ihre Beteiligung machte sichtbar, wie stark elektronische Szenen durch langfristige Beziehungen, gemeinsame Projekte und über Jahre gewachsene Netzwerke getragen werden.

Atcon Clank: zwischen TALIS-DNA und eigenem Klangbild

Auch Atcon Clank gehört zu den Artists, mit denen FreakMuzik und TALIS eng verbunden sind. Im Line-up wurde er verkürzt als Atcon geführt, musikalisch steht dahinter jedoch ein Künstler, der seinen eigenen Weg zwischen Techno, elektronischer Experimentierfreude und cluborientierter Direktheit entwickelt hat.

Auf dem DOWN-Floor passte diese Position genau in den Spannungsbogen der Nacht. Zwischen Acid, Slow Rave und hypnotischem Techno konnte ein Artist wie Atcon Clank jene Übergänge besetzen, die weniger über eindeutige Genregrenzen als über Atmosphäre und Dramaturgie funktionieren.

Seine Beteiligung zeigte außerdem, dass NEXT LEVEL nicht ausschließlich auf etablierte Booking-Routinen setzte. Stattdessen standen Artists auf dem Programm, die aus realen regionalen Netzwerken kommen und elektronische Kultur nicht nur konsumieren, sondern aktiv mitgestalten.

Unknown Species alias soOP: digitall.FM! im Untergrund der sechsten Dimension

Hinter Unknown Species steht soOP – verbunden mit digitall.FM! und dem FM!booking. Schon der Projektname passt beinahe zu gut zum Titel der Veranstaltung: eine unbekannte Spezies innerhalb einer sechsten Dimension, zwischen Acid, Techno und hypnotischen Strukturen.

Musikalisch steht soOP für einen Ansatz, der sich nicht auf vordergründige Effekte verlassen muss. Sein Platz auf dem DOWN-Floor unterstrich die dunklere, tiefer arbeitende Seite der Veranstaltung. Dort, wo Tracks nicht nur über einen einzelnen Drop funktionieren, sondern über Wiederholung, Spannung und langsame Verschiebungen, konnte sich diese Handschrift besonders sinnvoll einfügen.

Für FreakMuzik war die Beteiligung zugleich ein sichtbares Zeichen dafür, dass die eigenen Label- und Bookingstrukturen nicht losgelöst von der Clubszene existieren. digitall.FM! ist nicht nur eine digitale Veröffentlichungsplattform. Die Artists werden dort Teil eines realen kulturellen Netzwerks, das von Releases bis auf den Dancefloor reicht.

Distracted B.: FM!booking mit klarer Clubausrichtung

Mit Distracted B. stand ein weiterer Artist aus dem Umfeld von digitall.FM! und FM!booking auf dem Programm. Seine Position am Ende der veröffentlichten DOWN-Floor-Liste lässt sich nicht automatisch als festgelegter Closing-Slot lesen, sie passte aber inhaltlich klar in den hypnotischen und technoiden Teil der Veranstaltung.

Distracted B. steht für jene Clubmusik, die sich nicht über überladene Inszenierung definieren muss. Entscheidend sind Groove, Druck und die Fähigkeit, einen Raum über längere Zeit in Bewegung zu halten. Gerade in einer Nacht mit so vielen unterschiedlichen Sounds war diese Klarheit wichtig. Wo der UP-Floor stärker über Melodie und tranceartige Euphorie arbeitete, konnte der DOWN-Floor mit Artists wie Distracted B. eine konzentriertere und körperlichere Sprache sprechen.

Mehr Community als Headliner-Wettbewerb

Die Stärke des Line-ups lag nicht in einem einzelnen übergroßen Namen. Sie lag in der Breite und in der Verbindung der beteiligten Artists.

NEXT LEVEL: 6. DIMENSION brachte Musikerinnen und Musiker aus verschiedenen regionalen Zusammenhängen zusammen. Progressive Leipzig war mehrfach vertreten, ebenso Artists aus dem TALIS-, digitall.FM!- und FM!booking-Umfeld. Dadurch entstand eine Veranstaltung, deren Relevanz nicht allein an Reichweiten oder internationalen Tourplänen gemessen werden konnte.

Gerade nach den zahlreichen Einschnitten in der Leipziger Clublandschaft besitzt ein solcher Abend zusätzliche Bedeutung. Er zeigt, dass die Szene nicht nur aus einzelnen Clubs besteht. Sie besteht aus Veranstaltern, Labels, Crews, DJs, Produzenten und Gästen, die ihr Wissen und ihre Energie zwischen verschiedenen Orten weitertragen.

Die Distillery als passender Raum

Mit der Distillery fand die Veranstaltung an einem Ort statt, der wie kaum ein anderer mit der Geschichte elektronischer Musik in Leipzig verbunden ist. Nach dem Verlust des früheren Standorts an der Kurt-Eisner-Straße eröffnete der Club auf dem Gelände der Alten Messe neu und führt dort seine lange Geschichte weiter.

Für NEXT LEVEL war dieser Ort deshalb mehr als eine verfügbare Location. Die Distillery steht selbst für Übergang, Veränderung und die Fähigkeit, Clubkultur trotz schwieriger Rahmenbedingungen in eine neue Phase zu führen.

Der Titel „6. DIMENSION“ erhielt dadurch fast eine zweite Bedeutung. Es ging nicht nur um eine visuell futuristische oder musikalisch psychedelische Idee. Der Abend zeigte auch, wie sich eine Szene in neue Räume, neue Konstellationen und neue Zeiten bewegen kann, ohne ihre Geschichte vollständig zurückzulassen.

Zwischen Trance-Renaissance und Techno-Tiefe

Musikalisch traf die Veranstaltung einen interessanten Zeitpunkt. Trance, Progressive und Psytrance sind längst wieder deutlich stärker in aktuellen Clubprogrammen sichtbar. Gleichzeitig bleiben hypnotischer Techno, Acid und langsamere Rave-Formen wichtige Gegenbewegungen zu immer schneller und härter werdenden Mainstream-Sounds.

NEXT LEVEL stellte diese Entwicklungen nicht gegeneinander. Die Veranstaltung ließ sie nebeneinander stattfinden.

Auf dem einen Floor konnten melodische Linien, psychedelische Spannungsbögen und euphorische Momente dominieren. Wenige Schritte entfernt lag der Fokus auf Groove, Wiederholung und dunkleren Klangflächen. Im PVLLN wiederum konnten Ambient und Chillout die Geschwindigkeit aus der Nacht nehmen.

Das ist mehr als musikalische Vielfalt auf einem Flyer. Es ist eine Einladung, den eigenen gewohnten Bereich zu verlassen. Wer wegen Progressive kam, konnte im Techno landen. Wer sich auf Acid konzentrierte, konnte den Abend mit Ambient oder House unterbrechen. Genau diese Bewegung zwischen den Ebenen machte die Idee der sechsten Dimension glaubwürdig.

Was von dieser Nacht bleibt

Ein Clubreview muss nicht behaupten, jede Minute und jedes Set vollständig abbilden zu können. Besonders bei einem Programm mit mehr als zwei Dutzend Acts auf drei Bereichen wäre das ohnehin kaum möglich.

Die nachhaltige Qualität von NEXT LEVEL: 6. DIMENSION lag im Konzept: eine lange Clubnacht, die elektronische Musik nicht in eng getrennte Lager aufteilte, sondern Progressive, Trance, House, Acid, Ambient und Techno als Teile einer gemeinsamen Kultur behandelte.

Für das FM!network hatte die Veranstaltung noch eine zweite Ebene. Mit Carol Selig, Atcon Clank, Unknown Species alias soOP und Distracted B. waren gleich mehrere Artists aus dem unmittelbaren Community-, Label- und Bookingkreis vertreten. Damit wurde sichtbar, was ein Netzwerk im besten Sinne bedeutet: nicht nur gegenseitige Verlinkungen im Internet, sondern gemeinsame Präsenz an realen Orten.

Die sechste Dimension war deshalb keine abstrakte Science-Fiction-Idee.

Sie entstand für eine Nacht in Leipzig – aus drei Floors, vielen unterschiedlichen Sounds und einer Community, die sich nicht auf ein einziges Genre reduzieren lässt.

FM!network-Fazit

NEXT LEVEL: 6. DIMENSION war ein großes Familientreffen verschiedener elektronischer Szenen. Der Abend verband die euphorische Energie progressiver und tranceorientierter Sounds mit Acid, hypnotischem Techno, House und ruhigen Rückzugsräumen.

Besonders stark war dabei nicht nur die stilistische Bandbreite, sondern die regionale und gemeinschaftliche Verankerung des Line-ups. Artists aus dem TALIS-, digitall.FM!- und FM!booking-Umfeld standen nicht als dekorative Ergänzung auf dem Flyer. Sie waren Teil einer Nacht, die von genau solchen Verbindungen lebte.

Carol Selig brachte die Erfahrung und Progressive-DNA von TALIS mit. Atcon Clank setzte seine eigenständige technoide Handschrift daneben. Unknown Species alias soOP und Distracted B. vertraten die dunklere Seite von digitall.FM! und FM!booking.

Zusammen mit den zahlreichen weiteren Artists entstand eine Veranstaltung, die ihren Titel ernst nahm: Sie öffnete nicht nur einen weiteren Floor, sondern eine zusätzliche Ebene innerhalb der Leipziger Clubkultur.


Weiterführende Links

NEXT LEVEL: 6. DIMENSION bei Resident Advisor

Distillery Leipzig

TALIS

digitall.FM! bei FreakMuzik

FM!booking



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