Leipzig braucht eigentlich keine weitere Erklärung dafür, wie Clubkultur funktioniert. Die Stadt hat genügend Keller, Hallen, Gärten, kollektive Gedächtnislücken und Menschen hervorgebracht, die irgendwann morgens um neun feststellen, dass „nur kurz noch mitkommen“ wieder einmal eine ausgesprochen schlechte Zeitangabe war. Was Leipzig allerdings immer gebrauchen kann, sind neue Strukturen, die nicht so tun, als hätten sie die elektronische Musik gerade erst erfunden. Genau dort setzt S.D.H.Q. an.
Ausgesprochen heißt das Ganze Sonic Dimensions Headquarter. Klingt ein bisschen nach geheimem Kontrollzentrum für interdimensionale Basskommunikation, ist aber zunächst einmal ziemlich bodenständig gemeint: eine neue Orga und Gruppe für Musik-Events. Hinter dem Projekt stehen Menschen mit Verbindungen in ältere Leipziger Strukturen, dazu kommen jüngere ambitionierte Leute und unterschiedliche musikalische Hintergründe. Keine künstliche Generationentrennung, kein „damals war alles besser“ und hoffentlich auch kein Versuch, 2026 noch einmal exakt die Party von 2004 nachzubauen. Stattdessen werden bestehende Kontakte, Erfahrung und neue Energie miteinander verkabelt.
Am 25. September 2026 gibt es dafür einen ziemlich passenden Ort zum Testlauf. S.D.H.Q. Presents Sonic Dimensions Part 1 landet in der Distillery an der Eggebrechtstraße 2. Start ist bereits um 17 Uhr, und statt alles auf einen einzigen Dancefloor zu pressen, wird gleich auf drei Bereiche verteilt. Pavillon, Floor unten und GRDN. Drei Räume beziehungsweise Atmosphären, drei Line-ups und vor allem genug Platz dafür, dass der Abend nicht nach einer musikalischen Einbahnstraße aussieht.
Im Pavillon stehen Ocin JD, Carol Selig, Daniel Wittig B2B Longer, Larry Love, Le Soleil B2B Heckler, A Dreams A und Jon Borell auf dem Plan. Unten übernehmen AKSL, Atcon B2B Capey Cash, Unknown Species, Chris Laconi, Max Bambi, Kalitos, SamZee und D-Boy. Im GRDN spielen SamandTheSound, M.osquito/Culex und OutWithJane. Schon beim Lesen fällt auf, dass hier nicht versucht wird, das Line-up mit einem möglichst schicken Genreaufkleber wasserdicht zu versiegeln. Genau das scheint Teil der Idee zu sein.
Denn S.D.H.Q. möchte offenbar nicht die nächste Crew werden, bei der zwölf DJs über acht Stunden dieselbe Kickdrum geringfügig anders interpretieren und anschließend alle behaupten, das Set sei eine „Journey“ gewesen. Der Ansatz klingt breiter. Verschiedene Genres, verschiedene Generationen, alte Kontakte und neue Namen. Wenn das aufgeht, könnte daraus etwas entstehen, was der Szene ohnehin besser steht als die hundertste künstlich hochgezogene Subgenre-Grenze: Austausch.
Dass der erste größere Aufschlag ausgerechnet in der Distillery stattfindet, passt dabei fast schon verdächtig gut. Die Leipziger Institution ist seit 2025 wieder da, inzwischen an der Eggebrechtstraße auf dem Alten Messegelände. Die neue Tille trägt weiterhin ihre alte DNA, ohne als Museum ihrer eigenen Vergangenheit herumzustehen. Bestand, Beton, Metall, wiederverwendete Elemente, DIY-Ausbau, mehrere Floors und ein Außenbereich ergeben einen Club, der seine Geschichte mitgenommen hat, ohne sie unter eine Glasglocke zu stellen. Genau diese Mischung steckt auch in dem, was S.D.H.Q. gerade beschreibt.
Und vielleicht ist Part 1 deshalb die wichtigste Formulierung auf dem gesamten Flyer. Nicht Grand Opening. Nicht einmalige Reunion. Nicht „Legends of irgendwas“. Einfach Part 1. Fortsetzung vorgesehen.
Wie groß das Ganze gedacht ist, welche musikalischen Ecken S.D.H.Q. künftig noch miteinander verschalten will und wer hinter dem Headquarter langfristig mitmischt, wird sich erst noch zeigen. Die Crew befindet sich gerade im Aufbau, weitere Leute sollen dazukommen. Gemeinsam wird das Projekt aktuell unter anderem von den Initiatoren und Nadine Funke vorangetrieben. Mehr Hintergründe zur Entstehung, zu alten Strukturen und den nächsten Plänen folgen noch.
Bis dahin gilt erst einmal die angenehm einfache Versuchsanordnung:
25.09.2026. Distillery Leipzig. Drei Floors. Start 17 Uhr. Sonic Dimensions Part 1.
Mal sehen, welche Dimension zuerst kaputtgeht.



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