Kolumne No. 1 (nov2010)

Rother vs. Beatport – Runde 1

Wie eine kleine Mail große Wirkung erzielt
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Anthony Rother

So, so. Nun ist es also soweit. In unserer heutigen digitalisierten Onlinewelt, in der physische Tonträger wie Vinylscheiben oder CDs immer mehr an Bedeutung verlieren, fangen nun auf einmal an, die DJs und Musikproduzenten freizudrehen. Nicht nur bei ihren Shows und Gigs mit den Partypeople, was der Technoseele durchaus gut tut.

Nein, jetzt hat sich Anthony Rother, Produzent und DJ von Sven Väths Label Cocoon öffentlich mit Beatport angelegt. Beatport.com ist der weltweit größte Onlineanbieter im
Bereich Technomusik – besetzt damit quasi eine monopolhafte Stellung in diesem unüberschaubaren Pool von Internet-Musikanbietern von Amazon bis Itunes. Der Frankfurter DJ Rother meinte kürzlich gegenüber Raveline, dass er absolut unzufrieden ist mit dem Umgang von Beatport mit seiner Musik – um es noch milde auszudrücken. In einer offenen E-Mail sagte er wörtlich:

„Fuck You, Beaport! Ihr macht euch bei gefühlten 50 Trilliarden Tracks immer ganz genau Gedanken über die Kategorie von jedem einzelnen Track ????????????? Damit alles im BEATPORT Portal richtig sortiert ist ????????????????.“

Der Hintergrund: Zunächst waren Rothers Tracks unter der Kategorie „Minimal“ gehostet, wo sie in den betreffenden Charts aufgrund guter Downloadzahlen stetig nach oben gingen. Dann jedoch kategorisierte das Beatport-Team ohne Absprache mit Anthony die Songs neu, diesmal waren sie im Bereich „Techno“ zu finden. Die Folge: Rothers gute Chartplatzierung ging flöten, was in dem heißen Konkurrenzkampf der (mp3-)Musikwelt schon mal ganz reale finanzielle Negativauswirkungen für einen professionellen Producer haben kann. Daraufhin war Rother so erbost, dass er die giftige Mail an die Beatport-Redaktion schickte.

„So what?“, könnte manch einer jetzt sagen. Doch dieser Fall offenbart mehr als nur einen einmaligen Wutanfall eines Electronica-Profis. Es geht um etwas Fundamentales: Nämlich um das Verhältnis von Musikern, ihrer Kunst, den Kontakt zu den Käufern und Fans – und den faktischen Schaltstellen dazwischen: Musikhändler wie Beatport. Wenn nämlich Letztere eigenwillig ohne Absprache mit dem Künstler vorher vereinbarte Agreements ändern, was zu (finanziellen) Lasten des Künstlers geht – dann kann man derartige Rother’sche Verbalentgleisungen nachvollziehen. Bereits halb-professionelle
Musiker (wie z. B. die Freakmuziker) kennen das Problem mit den OnlineMusikanbietern. Da werden ganze zum Verkauf angebotene Alben kurzfristig aus dem Programm genommen, Künstler-Links permanent verändert etc.

Doch räudiges Jammern hilft hier nicht: Der Blick geht nach vorn, die digitalen Zeiten sind nun mal da. Es gibt prinzipiell nur eine Lösung für alle Musiker da draußen: Wir müssen mit Qualität überzeugen, gute Kunst abliefern, die dann auch trotz administrativer Schieflagen ihre Hörer findet. Frei nach dem Rapper Olli Banjo: „Qualität, das einzige Mittel gegen Datenklau.“

von A. Boos (DiSTrActeD B)

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Auf zu den Quellen:
http://www.raveline.de/news/anthony-rother-says-f-you-beatport-nach-hack-attacke-wieder-online/
Rother vs. Beaport – Runde 1

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