Kolumne No. 59 (nov2017)

Native Instruments dreht auf – Stürzt Pioneer jetzt ab?

Die „FAZ“ berichtet: „NI will die Musikwelt revolutionieren“

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Native Instruments (NI) ist mittlerweile der weltweit führende Hersteller von Musik-Software und Hardware. Das Berliner Unternehmen will jetzt die digitale Musikproduktion für jedermann verständlicher und preiswerter machen. Investoren glauben daran. Und investieren jetzt 50 Millionen Euro. Das berichtet die Frankfurter „FAZ“. Hier ist unser Senf dazu …

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„Die Geschichte hinter Native Instruments ist noch spannender als das Investment selbst“, heißt es in dem Beitrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) vom 22.10.2017. „Denn es ist erst zwei Jahrzehnte her, dass (NI-Gründer) Daniel Haver, der damals noch ein Grafik- und Designbüro betrieb, und privat leidenschaftlich elektronische Musik hört, sein Interesse für Synthesizer entdeckte. Damals gab es, erinnert er sich heute, nur die ‚japanischen Kisten‘, schwer und unflexibel.“ Das wollte der Firmengründer ändern. 1996 gründete er das Start-Up in Berlin – seitdem ging die Erfolgs-Story ab. Mittlerweile hat NI den größten Marktanteil im weltweiten Markt für Soft- und Hardware für digitale Musikproduktion und Musikvorführung (man denke nur an die allseits bekannten Traktor-DJ-Stationen und Programme zum Auflegen) …

Wer Musik produziert, sollte NI kennen …

Wer schon mal selber Musik gemacht hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit schon mal Soft- und Hardware von NI benutzt – oder ist zumindest mal über einen Oszillator, ein Tool oder Plug-In von NI gestolpert. So liest man auf Wikipedia: „Der in Frankreich lebende US-amerikanische Musiker Brian Clevinger programmierte Ende der 1990er Jahre einen Software-Synthesizer mit drei Oszillatoren und nannte ihn Absynth. Seit 2001 vermarktet Native Instruments diese Software.“ Mit Absynth hab ich auch schon mal gearbeitet (hehe: auch getrunken, Yo). Das Ding macht abgefahrene, verzerrte Horror-Sounds. Nice !

NI ist Welt-Marktführer

Neben dem Hauptsitz in Berlin gibt es heute auch NI-Niederlassungen in Los Angeles, Tokyo, London, Paris und der chinesischen Metropole Shenzhen. Native Instruments beschäftigt heute 400 Mitarbeiter weltweit. Darunter allein 200 Techniker. „Die Beteiligungsgesellschaft EMH Partners investiert rund 50 Millionen Euro in Native Instruments“, sagt der „FAZ“-Artikel. Und berichtet weiter: „Inzwischen verfügt Native Instruments über eine starke Marktposition. Den Software-Instrumenten-Markt beherrsche man zu 50 Prozent. Erreicht habe man dies durch Innovation und Kommunikation. Er sei von Haus aus ein Marketingmann, und Native Instruments habe sich zu einer ‚Marke mit Strahlkraft‘ entwickelt, sagt Haver. Deshalb sei ein Verkauf an einen Investor auch ’nie eine Option‘ gewesen.“

Was macht NI nun mit den 50 Millionen von EMH? Online-Services seien das große Thema, ebenso die Anbindung an die Cloud. Die Musikproduktion solle einfacher werden. „Ich finde es nicht richtig, dass nur Tech-Experten Musik machen können“, wird Haver in der „FAZ“ zitiert. Zu dieser Strategie gehöre es auch, das Preisniveau zu senken. „Das habe man zwar von einigen tausend auf einige hundert Euro gesenkt. Aber für Musiker seien die 600 Euro, die das Premiumprodukt von Native Instruments kostet, noch immer viel Geld.“ Kurz gesagt: NI will neue Käuferschichten erschließen, so dass jedermann für den kleinen Taler am eigenen Heim-PC Musik produzieren kann …

Pioneer & Co: Was macht die internationale Konkurrenz?

Die „FAZ“ schreibt: „Anfangs zählten vor allem japanische Anbieter wie Yamaha, Pioneer und Roland zu den größten Konkurrenten, was sich bis auf Pioneer im DJ-Segment mittlerweile stark verändert hat. Dass die relativ kleine Branche auch für große Investoren interessant ist, demonstrierte unter anderem die Beteiligungsgesellschaft KKR. Im September 2014 übernahm KKR für mehr als eine halbe Milliarde Dollar einen Großteil von Pioneer DJ.“

Na, dann: Viel Spaß Pioneer! Immer, wenn ich etwas von der Beteiligungsgesellschaft KKR, diesem Private Equity Investment Fonds, etwas höre, muss ich schmunzeln – und k*tzen: Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) ist eine „Heuschrecke“ mit Sitz in New York. Die drei genannten Herren sind Milliardäre, die Firmen aufkaufen, „optimieren“, in Einzel-Abteilungen zerschlagen und dann wieder mit Gewinn auf den Märkten verkaufen. Soziale Absicherung der Mitarbeiter? Shitegal. Abfindungen im Kündigungsfall auch von langjährigen Mitarbeitern? Zahlen die nur äußerst ungern. KKR ist mittlerweile auch beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Berlin aktiv – und ist seit Jahren in einer Dienstleistungs-Firma in Nürnberg eingestiegen, wo ich mal gearbeitet hatte. Von den Erzählungen meiner Kollegen wusste ich es: Bevor KKR bei der Firma drin war, gab es eine ganz andere Firmen-Politik. Das hieß: Angemessene Löhne für qualifizierte Tätigkeiten. Dann stieg KKR ein – und es war vorbei damit: Ich verdiente fast 100 % weniger, als Kollegen, die die gleiche Tätigkeit wie ich machten. Deren Glück war nur: Sie begannen ihren Job bei besagter Firma lange VOR dem Einstieg von KKR. Als ich dann in der Firma gearbeitet hatte, bekam ich immer mehr mit, wie KKR die Firma „reformiert“, umrüstet, Standorte neu definiert – und letztlich den Verkauf der firmeneigenen „Einzel-Assets“ auf den Märkten vorbereitet. Das bedeutet: Es ging in den 2 Jahren, wo ich da war, wirklich steil bergab mit der Firma. Man hat als einfacher Mitarbeiter das Treiben der Heuschrecke und den Niedergang des eigenen Arbeitgebers hautnah erlebt. Ich weiß von ehemaligen Kollegen, dass Leute, die heute in meiner ehemaligen Abteilung anfangen, wohl höchstens noch 70 % von dem verdienen, was ich einst verdient hatte. Außerdem sollen vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund eingestellt sein – die können zwar kaum Deutsch, trotz Kundenkontakt, sind aber schön billig …

Bei Native Instruments scheint das nun anders zu sein: Es hat den Anschein, als ob der neue Investment-Parter EMH ein ernsthaftes und langfristiges, also strategisches Interesse an NI als globalen Musik-Konzern hat. So soll es sein: Wünschen wir NI viel Erfolg auf diesem neuen Kurs – am Ende könnten wir alle als Musik-Liebhaber und Musik-Produzenten profitieren.

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Wie stehst DU zu diesem Thema: Nutzt und produzierst Du mit NI-Instrumente?

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von A. Boos (DiSTrActeD B)

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Auf zu den Quellen:

http://www.native-instruments.de/
(Offizielle Website von Native Instruments)

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/native-instruments-will-die-musikwelt-revolutionieren-15252739.html
(FAZ-Artikel)

 

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