Wacom Nextbeat X-1000 im Langzeittest. Rudimentär, aber genial.

Wacom Nextbeat X-1000. Nach über 15 Jahren: seiner Zeit voraus. Und läuft noch immer.

Der Wacom Nextbeat X-1000 war schon bei seiner Veröffentlichung ein eigenwilliges Gerät. Kein klassischer Controller, kein gewöhnlicher Doppel-CD-Player und auch keine Softwarelösung mit Laptop. Stattdessen baute Wacom eine vollständig autonome DJ-Station mit zwei Decks, integriertem Mixer, Touchsteuerung, Effekten und Sampler.

Heute wirkt vieles daran rudimentär. Die Trackverwaltung ist simpel, das Display klein, die Navigation gemächlich und Compact Flash endgültig aus der Zeit gefallen. Aber genau das macht den Nextbeat inzwischen so charmant: einschalten, Musik laden und einfach spielen.

Unser Gerät läuft nach mehr als 15 Jahren noch immer einwandfrei. Keine Aussetzer. Keine defekten Sensoren. Keine Macken. Das ist gerade bei einem derart ungewöhnlichen und experimentellen Bedienkonzept alles andere als selbstverständlich.

Damals wirklich richtungsweisend

Die komplette Steuerung von Pitch, Lautstärke, Crossfader und Trackbewegung erfolgte über berührungsempfindliche Flächen. Klassische Fader suchte man weitgehend vergeblich. Das war 2009 nicht nur mutig, sondern nahm Entwicklungen vorweg, die später bei Touchscreens, Performance-Pads und mobilen DJ-Systemen selbstverständlich wurden.

Der eigentliche Clou war das abnehmbare Funk-Bedienteil. Es konnte aus der Basisstation genommen und in bis zu rund 20 Metern Entfernung verwendet werden. Damit ließ sich der Mix steuern, während man sich frei im Raum oder auf der Bühne bewegte. Wacom übertrug seine Erfahrung mit berührungssensitiven Eingabegeräten damit auf eine völlig neue Form des DJings.

Natürlich ersetzt das keine präzise Clubanlage aus zwei professionellen Playern und einem guten Mixer. Das wollte der Nextbeat rückblickend aber auch gar nicht sein. Er war eher Instrument, DJ-System und technisches Experiment in einem.

Autonom statt Laptop-Zwang

Musik wird über Compact-Flash-Karten eingelesen. Zwei interne Player, Mixer, Kopfhörerausgang, Mikrofoneingang, Effekte und Sampler sind bereits integriert. Zusätzlich lassen sich beide Decks über separate Cinch-Ausgänge an einen externen Mixer anschließen. Auch ein koaxialer S/PDIF-Digitalausgang ist vorhanden.

Der Workflow ist aus heutiger Sicht langsam. Tracks benötigen einige Sekunden zum Laden, Playlists fehlen und die Ordnerverwaltung bleibt sehr einfach. Problematische Audiodateien konnten bei frühen Softwareständen sogar den Startvorgang behindern. Genau solche Punkte verhinderten wohl, dass der Nextbeat zum universellen Clubstandard wurde.

Für kurze, spontane Sessions ist das heute jedoch kaum ein Problem. Compact-Flash-Karte einlegen, Strom anschließen und loslegen. Kein Betriebssystem-Update. Kein Login. Kein Abomodell. Kein Laptop, der mitten im Set plötzlich etwas installieren möchte.

Sampler, Loops und Effekte

Vier Sample-Bänke, ein Phrase-Recorder, spontane Loops und sechs integrierte Effekte boten bereits damals überraschend viele kreative Möglichkeiten. Zur Auswahl stehen Lowpass- und Highpass-Filter, Flanger, Phaser, Delay und Reverb.

Der Sampler ist simpel und besitzt eine minimale wahrnehmbare Latenz. Trotzdem macht gerade diese Begrenzung Spaß. Samples lassen sich auf dem kreisförmigen Sensor verteilen, triggern und anschließend mit Effekten oder Pitch-Veränderungen in eine Phrase aufnehmen. Technisch ist das heute kein Vergleich zu modernen Performance-Systemen – spielerisch funktioniert es aber noch immer hervorragend.

Specs kompakt

  • Typ: autonome Zwei-Deck-DJ-Workstation
  • Player: zwei interne Decks
  • Mixer: vollständig integriert
  • Bedienung: Touchsensoren statt klassischer Fader
  • Remote: abnehmbares Funk-Bedienteil
  • Funkfrequenz: 2,4 GHz
  • Reichweite: bis etwa 20 Meter
  • Speicher: Compact Flash, FAT/FAT32
  • Maximale Titelanzahl: 9.999 Dateien
  • Formate: WAV, AIFF, MP3 und AAC-LC
  • Sampler: vier Sample-Bänke
  • Phrase-Recorder: integriert
  • Effekte: LPF, HPF, Flanger, Phaser, Delay und Reverb
  • Ausgänge: Master-Cinch, separate Deck-Ausgänge und S/PDIF
  • Anschlüsse vorn: Kopfhörer und Mikrofon
  • Frequenzgang: 20 Hz bis 20 kHz
  • Rauschabstand: mindestens 104 dB
  • Abmessungen: 300 × 300 × 85 mm
  • Gewicht: 2,6 kg
  • Leistungsaufnahme: 12 Watt
  • Ursprüngliche UVP: 1.299 Euro

Trotz zweier Player und integriertem Mixer bleibt das Gerät mit 2,6 Kilogramm und einem Grundmaß von 30 × 30 Zentimetern ausgesprochen kompakt.

Was heute alt wirkt

Der Nextbeat ist kein Gerät, das man romantisieren muss. Seine Grenzen sind klar:

  • langsame Track-Ladezeiten
  • keine moderne Playlist-Verwaltung
  • kleines LC-Display
  • Compact Flash statt USB-Stick
  • einfache Wellenformdarstellung
  • wenig überzeugende Vinyl-Emulation
  • kein Streaming und keine moderne Softwareintegration

Schon damalige Tests sahen ihn weniger als zuverlässiges Werkzeug für komplette Clubnächte und eher als kreatives System für kürzere, performative Sets. Genau dort funktioniert er auch heute noch am besten.

FM!network-Fazit

Der Wacom Nextbeat ist heute technisch überholt – und trotzdem immer noch geil.

Er ist keine Maschine für perfekt vorbereitete Vierstunden-Sets. Er ist eine schöne Spielerei für kurzweilige, autonome DJ-Experimente. Musik auf die Karte, Gerät einschalten, anfassen, ausprobieren und sehen, wohin der Mix führt.

Sein Bedienkonzept war mutig, verspielt und seiner Zeit voraus. Touchsteuerung, kabellose Performance, integrierter Sampler und ein vollständiges Stand-alone-System waren damals alles andere als selbstverständlich.

Dass unser Nextbeat nach über 15 Jahren noch immer ohne Defekte oder erkennbare Macken funktioniert, macht ihn endgültig zu einem kleinen Klassiker. Nicht perfekt. Nicht bequem. Aber eigenständig, inspirierend und voller Charakter.

Rudimentär? Ja. Richtungsweisend? Definitiv. Kaputtzukriegen? Offenbar nicht.

Weiterführende Tests

Das Modell wird nicht mehr produziert. Gebrauchtgeräte sollten insbesondere auf Touchsensoren, Funkverbindung, Display, Netzteil und Compact-Flash-Leser geprüft werden.


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