Musikerin bedient Novation Launch Control XL und Synthesizer in einem elektronischen Live-Setup

Novation Launch Control 3 XL im Test. Endlich wieder anfassen statt klicken

Es gibt Geräte, die wollen möglichst viel können. Und es gibt Geräte, die endlich wieder dafür sorgen, dass man Musik macht, statt Musiksoftware zu bedienen. Das neue Novation Launch Control XL gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie. Acht Fader, 24 Endlosregler, 16 frei belegbare Buttons, OLED-Display, echtes MIDI-I/O und eine ziemlich tiefgehende DAW-Integration. Klingt zunächst nach klassischer Controller-Mathematik. In der Praxis steckt dahinter aber eine ziemlich clevere Antwort auf ein Problem, das elektronische Musikproduktion seit Jahren begleitet: Wir besitzen fantastische Software, unendlich viele Plugins und praktisch grenzenlose Möglichkeiten – und verbringen trotzdem einen erheblichen Teil unserer Studiozeit damit, mit der Maus winzige virtuelle Regler über einen Bildschirm zu schieben.

Das Launch Control XL holt genau diese Bewegungen zurück auf den Tisch. Drehen. Schieben. Muten. Solo. Record. Play. Kein großes Konzeptalbum darüber, wie revolutionär ein MIDI-Controller sein möchte. Einfach Controls, sinnvoll angeordnet, mit direktem Feedback und genug Flexibilität, um nicht nach drei Monaten wieder aus dem Setup zu fliegen. Novation verbaut acht 60-mm-Fader, 24 Endlosencoder mit jeweils eigener RGB-Anzeige und 16 frei zuweisbare Tasten. Dazu kommen Transport-, Track- und Page-Steuerung sowie ein monochromes OLED mit 128 × 64 Pixeln. Das Ganze passt mit 250 × 239 × 43 Millimetern noch ziemlich problemlos auf einen normalen Studiotisch und bleibt mit rund 0,9 Kilogramm transportabel.

Musikerin bedient Novation Launch Control XL und Synthesizer in einem elektronischen Live-Setup
Hands-on statt Mouse-over. Das Launch Control XL ist für direkten Zugriff auf DAW, Plugins und Hardware ausgelegt.

Was auf dem Foto fast unspektakulär aussieht, ist gleichzeitig der entscheidende Punkt: Das Ding sitzt dort, wo ein Controller hingehört – direkt zwischen Mensch und Musik. Besonders die drei Reihen aus jeweils acht Encodern ergeben zusammen mit den darunterliegenden Fadern eine Struktur, die sich sofort erschließt. Acht Kanäle gleichzeitig. Oben beispielsweise Sends, darunter Filter oder Device-Parameter, darunter Panorama oder weitere Effekte und anschließend der Pegel auf dem Fader. Genau daraus entsteht dieser typische Hardware-Workflow, bei dem mehrere Parameter gleichzeitig erreichbar bleiben, statt dass jede zweite Bewegung erst einen neuen Softwaredialog benötigt.

24 Encoder, acht Fader und ziemlich wenig Bullshit

Die Fakten sind angenehm eindeutig:

  • 24 Endlosencoder mit individuellen RGB-LEDs
  • 8 Fader mit 60 mm Regelweg
  • 16 frei belegbare Buttons
  • OLED-Display mit 128 × 64 Pixeln
  • dedizierte Play/Stop- und Record-Steuerung
  • Track- und Page-Navigation
  • USB-C
  • MIDI In
  • MIDI Out
  • MIDI Out 2 / Thru
  • bis zu 15 eigene Custom Modes
  • USB-Bus-Power
  • Abmessungen: 250 × 239 × 43 mm
  • Gewicht: ungefähr 0,9 kg

Gerade die Encoder sind interessanter, als es die nackte Zahl vermuten lässt. Es handelt sich um Endlosregler mit einstellbaren Reaktionskurven. Die zugehörigen RGB-LEDs liefern visuelles Feedback über Parameterzustände, während das OLED zusätzliche Informationen einblendet. Dadurch verschwindet eines der klassischen Probleme billiger MIDI-Controller: Hardwareposition und Softwarewert widersprechen sich nicht permanent. Bei den Fadern gibt es zusätzlich eine wählbare Pickup-Funktion, die Parametersprünge verhindert, sobald ein Hardware-Fader einen bereits vorhandenen Softwarewert übernimmt.

Und ja, Motorfader wären noch luxuriöser. Sie würden das Produkt allerdings gleichzeitig größer, schwerer und vor allem deutlich teurer machen. Das Launch Control XL versucht offensichtlich nicht, eine SSL-Konsole zu imitieren. Es will die wichtigsten Mixing- und Performance-Funktionen eines modernen elektronischen Studios auf eine kompakte Oberfläche legen. Genau darin liegt seine Stärke.

Nicht nur Ableton. Und genau das ist wichtig.

Die frühere Wahrnehmung der Launch-Familie war stark mit Ableton Live verbunden. Beim aktuellen Launch Control XL geht Novation deutlich weiter. Offizielle Scripts gibt es für Ableton Live 12 oder neuer, Logic Pro 11 oder neuer, Cubase 12 oder neuer, FL Studio und Bitwig. Andere DAWs lassen sich über Mackie HUI anbinden.

Damit verändert sich die Zielgruppe erheblich. Das ist nicht mehr einfach der Zusatzcontroller für irgendeinen Ableton-Live-Desk. Das Ding kann zum zentralen Bedienfeld eines kompletten Produktionsplatzes werden. Mixer steuern, Sends fahren, Plugin-Parameter drehen, Tracks scharf schalten und anschließend über denselben Controller externe Hardware anfassen.

Und da wird es richtig interessant.

MIDI rein. MIDI raus. Rechner optional.

Musikerin bedient Novation Launch Control XL und Synthesizer in einem elektronischen Live-Setup
Hands-on statt Mouse-over. Das Launch Control XL ist für direkten Zugriff auf DAW, Plugins und Hardware ausgelegt.

Auf der Rückseite befinden sich neben USB-C gleich drei klassische 5-Pin-MIDI-Anschlüsse: In, Out und Out2/Thru. Externe Synthesizer, Drumcomputer oder Effektgeräte können deshalb direkt integriert werden. Das Launch Control XL kann MIDI-Daten routen und zusammenführen und benötigt für entsprechende Hardware-Setups nicht zwingend einen Computer.

Das klingt wie ein Detail, ist für Hybrid-Setups aber möglicherweise eines der wichtigsten Features des gesamten Geräts. Wer beispielsweise eine DAW, zwei Synths, eine Groovebox und externe Effekte verwendet, kennt dieses lustige kleine Problem: Irgendwann besteht das halbe Studio aus Controller-Mappings, USB-Hubs und Geräten, die jeweils nur genau einen Teil des Workflows kontrollieren.

Hier setzt Novation mit den Custom Modes an. Bis zu 15 eigene Konfigurationen lassen sich speichern. Über Novation Components können den Bedienelementen unter anderem MIDI Notes, Control Changes, Program Changes, Keystrokes und NRPNs zugewiesen werden. Für jeden Custom Mode lässt sich außerdem bestimmen, über welche Ports MIDI ausgegeben oder mit eingehenden Signalen kombiniert werden soll.

Damit kann beispielsweise ein Modus den DAW-Mixer bedienen, während ein zweiter einen Hardware-Synth kontrolliert und ein dritter auf ein Effektgerät zugeschnitten ist. Das Launch Control XL wird dadurch weniger zum simplen MIDI-Controller und mehr zu einer frei konfigurierbaren Kontrollzentrale.

Der eigentliche Luxus ist Workflow

Interessanterweise ist das größte Argument für dieses Gerät nicht irgendeine spektakuläre Einzelinnovation. Es ist die Summe aus vielen ziemlich vernünftig gelösten Dingen.

Ein Plugin aufmachen, Resonanz drehen, Send erhöhen, zwei Kanäle herunterziehen, nächsten Track auswählen und aufnehmen – das sind alles banale Handgriffe. Mit Maus und Tastatur bestehen sie aber häufig aus mehreren kleinen Unterbrechungen. Genau diese Unterbrechungen sind während eines kreativen Prozesses Gift. Hardware eliminiert nicht plötzlich schlechte Musik. Aber gute Hardware verhindert, dass Technik ständig zwischen Idee und Ergebnis steht.

Und genau hier macht das Launch Control XL verdammt viel richtig.

Es gibt ausreichend Bedienelemente, um nicht ständig Ebenen wechseln zu müssen. Gleichzeitig bleibt das Layout übersichtlich. Die RGB-Anzeigen schaffen Orientierung. Das OLED liefert Kontext. Die Custom Modes öffnen das Gerät für individuelle Setups. MIDI-DIN sorgt dafür, dass auch der Rechner einmal ausbleiben darf. USB-C versorgt das Gerät direkt mit Strom. Und mit DAW-Scripts für die wichtigsten Produktionsumgebungen muss man nicht zuerst einen Sonntagabend damit verbringen, CC-Nummern in irgendwelche Tabellen einzutragen.

Novation liefert außerdem Ableton Live Lite und Cubase LE sowie Software beziehungsweise Plugins von Klevgrand, Baby Audio und Output mit. Für Leute, die bereits ein Studio voller Software besitzen, ist das wahrscheinlich eher Bonusmaterial. Für Einsteiger kann daraus allerdings direkt ein ziemlich komplettes kleines Produktionssystem entstehen.

FM! Fazit

Das Novation Launch Control XL erfindet MIDI-Control nicht neu. Muss es auch nicht. Es macht etwas wesentlich Sinnvolleres: Es nimmt eines der bewährtesten Controller-Konzepte der vergangenen Jahre und zieht es konsequent in moderne Hybrid-Studios.

Was gefällt:

  • hervorragend nachvollziehbares Acht-Kanal-Layout
  • sehr viele gleichzeitig erreichbare Parameter
  • Endlosencoder mit visuellem Feedback
  • brauchbares OLED statt kryptischer LED-Zustände
  • tiefe Integration in mehrere große DAWs
  • 15 Custom Modes
  • echtes 5-Pin-MIDI inklusive zweitem Out/Thru
  • standalone auch für Hardware-Setups interessant
  • kompakt genug für Studio und Live-Rig

Was man wissen sollte:

  • keine Motorfader
  • wer ausschließlich mit Maus arbeitet und dabei glücklich ist, braucht das Gerät vermutlich nicht
  • das volle Potenzial entsteht erst, wenn man sich einmal ernsthaft mit eigenen Mappings und Custom Modes beschäftigt

Unser Eindruck: Das Launch Control XL ist kein Gerät, das Musikproduktion spektakulärer aussehen lässt. Es macht sie unmittelbarer. Und gerade in einer Zeit, in der Studios immer stärker aus virtuellen Instrumenten, Plugins und Displays bestehen, ist genau das vielleicht die wichtigste Eigenschaft eines guten Controllers.

Mehr Hände auf der Musik. Weniger Maus auf dem Bildschirm.

Damit können wir ziemlich gut leben.


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