Come to Daddy. 20 Jahre später immer noch Albtraumstoff.

Es gibt Musikvideos, die begleiten einen Song. Und es gibt Come to Daddy. Zwanzig Jahre nach Veröffentlichung wirkt das Video von Aphex Twin noch immer weniger wie ein Promo-Clip als wie etwas, das man nachts um halb drei versehentlich auf einem kaputten Fernseher empfängt und anschließend besser nie wieder vergisst. Am 6. Oktober 1997 erschien die gleichnamige EP bei Warp Records. Was Regisseur Chris Cunningham daraus machte, war allerdings weit mehr als Musikfernsehen.

Eine ältere Frau mit Hund läuft durch eine heruntergekommene britische Wohnsiedlung. Ein Fernseher erwacht zum Leben. Kinder mit dem verzerrten Gesicht von Richard D. James tauchen auf. Schließlich kriecht eine groteske Kreatur aus der Bildröhre und schreit der alten Dame ins Gesicht. Fertig ist einer der nachhaltigsten visuellen Alpträume der MTV-Ära. Cunningham hatte mit Come to Daddy praktisch seinen internationalen Durchbruch als Regisseur und fand in Aphex Twin den perfekten Komplizen für seine Mischung aus Körperhorror, schwarzem Humor, industrieller Kälte und verstörender Schönheit. Später folgten unter anderem Videos für Squarepusher, Madonna, Portishead und Björk.

Der Clip wurde 1998 bei den D&AD Awards zweimal mit Gold ausgezeichnet, unter anderem für Regie, und war bei den MTV Video Music Awards für Best Special Effects sowie bei den MTV Europe Music Awards als Best Video nominiert. Pitchfork nahm ihn später in seine Auswahl der wichtigsten Musikvideos der 1990er auf und beschrieb Cunninghams Bilderwelt treffend als eine Mischung aus Gothic-Comic, Village of the Damned und einem von H. R. Giger entworfenen Spukhaus.

Das Bemerkenswerte ist, dass Bild und Musik kaum voneinander zu trennen sind. Der verzerrte Bass, die hysterischen Breaks und dieses berüchtigte „I want your soul“ bekommen durch Cunninghams Bilder ein Gesicht. Oder vielmehr sehr viele davon. Richard D. James hatte schon zuvor mit seinem eigenen Konterfei gespielt, aber hier wurde das Aphex-Grinsen endgültig zum Markenzeichen. Kein Logo hätte diese Wirkung gehabt.

Zwanzig Jahre später kann man darüber diskutieren, ob Come to Daddy eines der besten Musikvideos aller Zeiten ist.

Man kann die Diskussion allerdings auch abkürzen.

Natürlich ist es das.


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